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Film der Woche: 

Denn sie wissen mal wieder nicht, was sie tun

13. Mrz 2008 08:38
Lehrer Rainers (Jürgen Vogel) Manipulationen zeigt Wirkung
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In seinem Remake des Klassikers «Die Welle» zeigt Regisseur Dennis Gansel, wie leicht eine Demokratie auch heute noch in die Diktatur abrutschen kann. Das ist ihm durch und durch gelungen, findet Marie Arnold.

«Eine Diktatur, so wie im dritten Reich – das könnte heute doch gar nicht mehr passieren!» Gymnasiallehrer Rainer (Jürgen Vogel) hat in der Projektwoche zum Thema «Staatsformen» ausgerechnet den Autokratie-Kurs zugeteilt bekommen. Und das, obwohl er doch der Rebell im Lehrerzimmer ist, das Abi nachgeholt hat, Lederjacke trägt und sich viel besser in Sachen Autonomie auskennt. Eigentlich will er es sich und den nicht minder unmotivierten Schülern also leicht und stressfrei machen. Erst, als sie behaupten, dass sie die Wiederholung von Nazi-Terror und Holocaust für ausgeschlossen halten, wird sein pädagogischer Ehrgeiz geweckt. Er will es ihnen zeigen: Dass eine Diktatur heute eben doch noch möglich ist. Man muss es nur richtig anstellen.

Zunächst funktioniert das Experiment bestens

Als Erstes werden mal ein paar neue Klassen-Prinzipien eingeführt: «Macht durch Disziplin! Macht durch Gemeinschaft! Macht durch Handeln!». Außerdem muss jeder, der etwas zu sagen hat, aufstehen, und gerade gesessen wird auch. Die Schüler belächeln das anfangs und machen eigentlich nur aus Spaß oder höchstens Rainer zuliebe mit – aber schon nach wenigen Tagen zeigen dessen subversive Manipulationen Wirkung. Die Kursteilnehmer wachsen zu einer festen Gruppe zusammen, und dieser neue Teamgeist soll nach außen transportiert werden. Uniformelle Kleidung muss her, ein Name – «Die Welle» – samt Logo, eine eigene Begrüßung. Gleich mit schleichen sich auch ein paar Attitüden ein, die zwar bedenklich sind, erst mal aber keinen stören wollen: Mitschüler, die die Welle schwachsinnig finden, werden konsequent ausgeschlossen. Die, die sich auch noch trauen, das zu sagen, werden angepöbelt.

Das Experiment funktioniert aber auch einfach bestens! Besonders Marco (Max Riemelt), der aus zerrütteten Familienverhältnissen kommt, blüht auf. Aber auch Außenseiter Tim (Frederick Lau) fühlt sich bei der Welle endlich respektiert, und als selbst noch der größte Klassen-Asi Kevin (Maximilian Mauff) ins Boot steigt, scheinen keine Fragen mehr offen. Rainer ist begeistert. Er ist dann auch fast der letzte, dem dämmert, dass sein Experiment in den Köpfen einiger Teilnehmer längst außer Kontrolle geraten ist – und sie nicht nur alte Freundschaften aufs Spiel setzen, sondern ihre neuen Grundsätze notfalls auch mit Waffen durchsetzen...

Überzeugend und überraschend unpeinlich

Außenseiter Tim (Lau) fühlt sich bei der Welle respektiert
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Der Plot kommt bekannt vor? Kein Wunder, gehört Morton Rhues gleichnamiger Jugendbuchklassiker von 1981, der dem Drehbuch als Vorlage diente, doch längst zur Pflichtlektüre an deutschen Schulen. Dazu kommt, dass auch jener erste Roman eigentlich gar keiner war: Er basierte auf einem gefährlichen Versuch, der 1967 an der Cubberley High School in Kalifornien unter dem Namen «The Third Wave» («Die Dritte Welle») tatsächlich stattfand.

Regisseur Dennis Gansel («Napola») inszeniert das Drama, das 1981 schon für das US-Fernsehen verfilmt wurde, noch einmal neu. Dabei bleibt er, trotz Rocker-Lehrer und Teenie-Dialogen, authentisch und glaubwürdig. Vor allem Dank Jürgen Vogel, der sich zwar wie immer ein bisschen selbst spielt, dabei aber nicht vergisst, sympathisch und einnehmend zu sein. Aber auch die Klasse, in der sich fast die komplette deutsche Nachwuchs-Schauspiel-Riege tummelt (neben Riemelt, Lau und Mauff auch Jennifer Ulrich, Jacob Matschenz und Elyas M'Barek), gibt sich überzeugend und überraschend unpeinlich.

Also Skepsis über Bord: Selbst bei genauem Hinsehen will und will einfach kein erwähnenswerter Makel ins Auge stechen. «Die Welle» ist ein mit Bedacht umgesetzter Jugendfilm, der nicht nur sämtlichen Schulklassen der Bundesrepublik einen Wandertag ins Kino bescheren, sondern auch viele Erwachsene beeindrucken wird. Prädikat: Wertvoll.

«Die Welle» - Trailer:

 
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