Film der Woche:
Goliath und die kaputten Seelen
06.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Wie aus dem Jenseits erreichen ihn dabei die verstörenden Videoaufnahmen und Fotos, die Mike auf seinem in der Wüstensonne eingeschmolzenen Handy gespeichert hatte, die nach und nach entschlüsselt werden. Mehr und mehr beginnt sich Hank zu fragen, was er überhaupt über das Leben seines Sohnes wusste. Bei der Aufklärung hilft ihm die Zivilpolizistin Emily Sanders (Charlize Theron). Während das Militär immer wieder versucht, die beiden daran zu hindern, nähern sich der Kriegsveteran und die junge Polizistin einer kaum erträglichen Wahrheit, die das Bild von Hank - inklusive Soldatenehre und treuer Kameradschaft - aus den Fugen reißt.
Der Gram über den unbegreiflichen Verlust seines Kindes implodiert lediglich hinter der wächsernen Maske eines Militärs. Bis ins Blut scheint er verinnerlicht zu haben, sich selbst zu kontrollieren, nach dem Notwendigen zu handeln. Die über Jahre antrainierte, zwanghafte Disziplin durchtränkt jede kleinste Bewegung. Nur als er glaubt, den Mörder seines Sohnes gefunden zu haben, wird der knöcherne Schutzpanzer von blankem Hass durchdrungen.
Charlize Theron lässt sich von Lee Jones trotzdem nicht in den Schatten spielen. Aber sie hätte kein Kostüm gebraucht, das ihre Schönheit künstlich kaschiert, um als taffe, aber auch berührte Polizistin zu überzeugen. Mehr als durch eine angeklebte Frisur und biedere Jackets hätte die Rolle durch Tiefe und Dynamik gewonnen. Eine berufsleidenschaftliche Polizistin, die sich gegen den Sexismus männlicher Kollegen durchsetzen muss, ist nicht sonderlich originell. Nicht zuletzt glänzt am Rande des Films die Altmeisterin Susan Sarandon, deren berührende Durchschlagkraft als hilflose Mutter einzig durch die viel zu klein bemessene Nebenrolle gedämpft wird.
Diesen subtilen Schrecken macht Regisseur Paul Haggis meisterlich greifbar, auch wenn die verfilmte Wut über sinnlose Kriege nicht neu ist. Wenn er zeigt, wie der Krieg mit seinen irreparable Schäden im eigenen Land ankommt, liefert er dem Zuschauer ein Argument mehr für die Feststellung, dass Amerika nicht aus seinen Traumata lernt. Das mag ein Grund dafür sein, dass «Im Tal von Elah», wie die meisten Irakkriegsfilme zur Zeit, in den USA floppte.
«Im Tal von Elah» - Der Trailer:

