Den Religionswächterinnen geht es nicht darum, dass der Slogan falsch geschrieben ist.
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«Persepolis» ist die Kinoadaption des gleichnamigen Comics von Marjane Satrapi. Eine persönliche Geschichtsstunde mit der Wucht eines Punkkonzerts, sagt Sophie Albers.
Manchmal muss man die Geschichte vereinfachen, damit die Menschen sich überhaupt auf sie einlassen, um zu verstehen, wie kompliziert sie ist. So unglaublich es klingen mag, es war 1979 eine US-Fernsehserie namens «Holocaust», die in Deutschland eine erste breite emotionale Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit in Gang setzte. Zehn Jahre später erschien Art Spiegelmans Comic «Maus», das die Ungeheuerlichkeit beging, Juden als Mäuse und Deutsche als Katzen darzustellen, um die Überlebensgeschichte von Spiegelmans Vater zu erzählen. Das führte zu größeren Diskussionen als all die Zahlen- und Menschenberge in wissenschaftlichen Abhandlungen.
Auch so ein unerhörter Blick auf Ereignisse der Weltgeschichte ist das Comic «Palästina», das 2001 von Joe Saccos Erlebnissen Anfang der Neunziger in der West Bank und dem Gaza Streifen berichtete. Bild für Bild auf den Punkt gebracht, hinter dem wie bei fast jeder erfolgreichen popkulturellen Auseinandersetzung mit Geschichte die Frage steht, ob dieser Inhalt denn in diese Form gegossen werden darf.
Und nun also Marjane Satrapi, die mit der Bildgeschichte «Persepolis» in zwei Bänden von ihrer Kindheit im Iran und der Jugend im Exil erzählt, für all die Bewohner der westlichen Welt, «die vor lauter Kopftüchern die Vielfalt der realen Gesichter des Iran nicht sehen», wie sie sagt. Und diese Geschichte hat es jetzt ins Kino geschafft: «Persepolis» als Animationsfilm.
Umwerfend nüchtern
Grade erzählt wie mit dem Lineal gezogen
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Sie kämpfe gegen Dummheit und Ignoranz, sagt die Wahl-Pariserin, die die eigene Energie wie in einem Dampfkochtopf hält, doch mit gleichzeitig unerwarteter Entspannung den Lauf der Dinge betrachtet. Fast nüchtern blickt sie zurück auf ihr gerade mal 37 Jahre altes Leben, das sie nutzt, um eine Geschichte über ein Schicksal zwischen den Welten zu erzählen. Und eben diese Nüchternheit ist es auch, die «Persepolis» so umwerfend und charmant macht.
Sie wirkt leicht diese Erzählung über das kleine Mädchen, das die islamistische Revolution im Iran und den Krieg mit dem Irak erlebt, das von seinen Eltern schließlich fortgeschickt wird, nach Österreich, damit es in der Repression nicht Schaden nehme. Und die Geschichte wird so gerade erzählt wie mit einem Lineal gezogen.
Kunst ohne Kunststück
Fremd in beiden Leben
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Die Kunst von «Persepolis» - da nehmen sich Buch und Film nichts - besteht darin, auf das Kunststück zu verzichten. Keine Koketterie, keine Kapriolen schlagen und schon gar nicht werten. Satrapi bleibt im Kopf des kleinen Mädchens, das über Repressalien lachen kann, weil es sie nicht versteht, und sie bleibt im Herzen des Teenagers, der zwar den Krieg überlebt, dann aber fast an einer unglücklichen Liebe verreckt.
Das große Verdienst ist dabei weniger, die Geschichte des Iran zu erzählen, als den Leser bei der Stange zu halten. Nach den ersten Bildern des Comics und nach der ersten Minute des Films will man diesen Menschen nicht mehr von der Seite weichen, denn ihr Schicksal berührt, der Leser und Zuschauer gehören zur Familie, die wissen muss, wie es weitergeht. Dass das Persönliche dabei politisch ist, ist Nebensache.
Sting hat einst einen Hit geschrieben, der die Dinge ganz gut auf den Punkt bringt: «Russians love their children too» (Auch Russen lieben ihre Kinder). Iraner übrigens auch.