25.10.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Der erste Promi Amerikas - und sein Stalker
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Brad Pitt gibt sein Bestes, die Vorlage ist brillant. Trotzdem hat «Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford» den Charme einer gut gemachten BBC-Dokumentation, sagt Sophie Albers .
«Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford» ist ein zwei Stunden und 40 Minuten dauernder Beweis dafür, dass die Summe der Teile nicht unbedingt ein Ganzes ergeben muss.
Die Hauptdarsteller sind brillant. Brad Pitt hat sich seit «Fight Club» nicht mehr so verausgabt. Casey Affleck darf endlich sein Können unter Beweis stellen. Regisseur Andrew Dominik erzählt die Geschichte eindringlich, lässt sich Zeit, um den Dingen auf den Grund zu gehen, und Roger Deakins findet Bilder, die man so schnell nicht vergisst, voller Tiefenschärfe im wahrsten Sinne des Wortes.
Und doch fühlt sich diese Anatomie eines Mordes an wie eine dieser gut gemachten BBC-Dokumentationen, die Fakt mit Fiktion mischt, um dem Zuschauer das sonst leichtfertig als trocken abgewunkene Thema schmackhaft zu machen.
In aller Langsamkeit, die der Zeit Ende des 19. Jahrhunderts wohl inne war, lebt Jesse James sein Doppeleben als Bandit und unbescholtener Bürger, streift durch Wälder oder steht verloren in einem Weizenfeld, während die Stimme aus dem Off Details über ihn verrät, die angeblich tatsächlich überliefert sind. Denn James, so auch das Anliegen des Films, war der erste Star Amerikas.
Groschenromane kursierten über die Bande um die James-Brüder, die mordeten und plünderten, aber trotzdem für den freien Mann standen. Und mit dem ersten Prominenten kommt auch der erste Stalker, wenn man so will.
Robert Ford, von Affleck bisweilen verstörend harmlos als Verlierer seines eigenen Lebens dargestellt, betet Jesse James an. Die Heftchen und andere Erinnerungsstücke an sein Idol bewahrt er in einem Kästchen unter seinem Bett auf. Als er dem Angebeteten dann tatsächlich nahe kommt, eifert er ihm nach, will so sein wie er, und weil er immer wieder erfahren muss, dass er es eben nicht ist, folgt die jederlei Hinsicht tödliche Enttäuschung.
Der Geist der GeschichtePitts Jesse James ist wie ein Geist, ein Schatten, der über dieser Geschichte schwebt, ohne jemals Fleisch zu werden. Da ist es wohl kein Zufall, dass der Untote des Wilden Westens absurderweise manchmal an Pitts Auftritt in «Interview With A Vampire» erinnert. Es ist etwas in den Augen, das ihn der filmischen Wirklichkeit entzieht. Er scheint unberührbar - bis ihn die Kugel trifft.
Doch auch wenn es Sequenzen gibt, die in ihrer meditativen Art Einblick gewähren in die Gedanken und das Leben der Menschen von damals, verliert sich die Geschichte immer wieder in unnötigen Details, von der Mücke, deren Körper zerdrückt und weggeschnipst wird bis zu dem zum Scheitern verurteilten Leben von Fords Halunken-Kollegen. Die wunderschönen Szenen finden nicht zusammen, und die Absätze zerreißen am Ende die Erzählung. Da versucht der Film zu sehr Buch zu sein.