netzeitung.deGuter, kranker Spaß mit Karotten

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Irgendwo zwischen Bugs Bunny, John Woo und 'South Park' (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Irgendwo zwischen Bugs Bunny, John Woo und 'South Park'
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Wenn Sie über Bomben und Kettensägen bei der Jagd auf Bugs Bunny lachen können, sind Sie in «Shoot’Em Up» bestens aufgehoben, sagt Sophie Albers . Ansonsten geben Sie das Geld lieber für Karotten aus, die sind gut für die Augen.

Das so wunderbar männliche Antlitz von Clive Owen ist in Großaufnahme zu sehen. Unrasiert, verschwitzt, dunkel brütend sitzt er in einer heruntergekommenen Straße und wartet auf den Bus. Dann steckt sich der «Children Of Men»-Star eine Karotte in den Mund, beißt geräuschvoll ab und kaut mit unverwandt düsterem Blick, als habe er gerade einem Hai die Schwanzflosse abgebissen, um sich als nächstes Godzilla als Gegner zu suchen.

Eine schwangere Frau kommt vorbei, verfolgt von einem Fiesling mit Knarre, der brüllt, dass er sie töten werde. Der Mann mit Karotte sieht zu, wirft schließlich fluchend das Gemüse weg und geht hinterher. Er tötet den Bösewicht und dessen aus dem Nichts auftauchende Helfer und assistiert zwischendurch bei der Geburt des Babys, dessen Nabelschnur er kurzerhand durchschießt. Soweit die ersten Minuten von Michael Davis’ «Shoot’Em Up», und die enthalten bereits so viele haarsträubend überdrehte Szenen – ganz genau, unter anderem mit Karotten -, dass der Zuschauer alle Erwartungen fahren lassen sollte. Es kommt sowieso viel schriller.

«Shoot’Em Up» ist eine Mischung aus klassischem Western, Bugs Bunny, den Filmen John Woos, bevor er nach Amerika ging und dem Humor von «South Park». Regisseur Michael Davis, dessen Werke bisher direkt auf DVD landeten, nimmt keine Gefangenen und hat so einen über alle Schmerzgrenzen hinaus respektlosen, gewalttätigen und moralfreien Film geschaffen, der einzig und allein einem dreckigen Lachen dient, das direkt aus dem Bauch kommt, ohne Umweg übers Hirn. «Nicht Waffen töten Menschen, aber sie sind dabei eine große Hilfe», sagt der Superbösewicht und meint das völlig unsubtil, was dieser Tage fast schon mutig ist.

Fuck me sideways
Weil die Mutter den Kugelhagel nicht überlebt, nimmt Owen, der hier einfach nur Smith heißt und aussieht, als würde er nach Schweiss, Schießpulver und Motoröl stinken, das Baby an sich und muss vor einem stetig wachsenden Mordkommando fliehen. Das wird angeführt von Hertz, einem völlig durchgeknallten Profikiller, dargestellt von Paul Giamatti («Sideways»), der bravourös wie deutlich zeigt, dass er keine Lust mehr hat auf die Rolle des Supernerds im netten Indie-Film. Oder wie er das formuliert: «Fuck me sideways».

Dass der Film nicht in tumben Slapstick mit maximalem Bodycount abkippt, verdankt er seinen großartigen Darstellern. Owens stoischer Anti-Bond mit hundertprozentiger Treffsicherheit und Giamattis zähnebleckender Psychopath, der seine genervte Frau samt Abendessen am Telefon immer wieder auf später vertrösten muss, sind Weltklasse. Und das, obwohl sie ihre Gesichtsausdrücke nicht wirklich variieren. Dann ist da auch noch Monica Bellucci. Die italienische Schönheit übernimmt die Rolle der edlen Hure, die Smith hilft, indem sie das Kind versorgt. Dabei kommt sie dem Helden näher, was wiederum als einzige Rechtfertigung dient für ein unbeschreibliches Massaker.

Einsen und Nullen
«Shoot’Em Up» hat die Komplexität wie im namengebenden Computerspiel auf Einsen und Nullen reduziert, und das ist in kontrolliert-fiktiver Umgebung für 80 Minuten voll in Ordnung. Hier gibt es nur gut oder böse, schwarz oder weiß, schnell oder langsam, schön oder hässlich, für oder gegen. Wer hätte gedacht, dass es für gute Unterhaltung so wenig braucht, wobei wenig ja bekanntermaßen mehr sein kann.

Ach ja, zwecks Verbreiterung der Blutspur versucht die kleine Familie herauszufinden, warum diese Armee der Bösewichte es denn nun auf das Baby abgesehen hat, das Smith die meiste Zeit unter den Arm geklemmt mit sich herumträgt. Und auch diese Geschichte ist so durchgedreht, dass Sie sehr dreckig lachen werden. Versprochen.