netzeitung.deDorfhure heilt Exorzisten

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Eine 18 Meter lange Kette soll Raes Trieb im Zaum halten (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Eine 18 Meter lange Kette soll Raes Trieb im Zaum halten
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Um White-Trash-Luder Rae von ihren Dämonen zu befreien, legt der tief gläubige Lazarus sie an die Kette und verpasst ihr eine ordentliche Portion Blues. «Black Snake Moan» ist nichts für zart Besaitete, meint Julia Wilczok .

«Black Snake Moan» ist ein seltsamer Name für einen Film. Tatsächlich ist es eigentlich der Name eines Songs von Blues-Legende Blind Lemon Jefferson. «Meiner Meinung nach ist das der mächtigste und packendste Blues-Song aller Zeiten», sagt Regisseur Craig Brewer. Und wie auch beim Blues geht es im Film ums Leben, Lieben und Leiden mit größtmöglicher Intensität.

Die Wiege des Blues liegt in den Südstaaten, und die sind auch die Heimat von Rae (Christina Ricci) und Ronnie (Justin Timberlake). Rae ist so white trash, dass es weh tut. Wellblechtrailer und Jeans-Hot-Pants inklusive. Dazu hat das Mädchen nichts als Sex im Kopf. Da kann Rae aber nicht mal was für: Sie leidet unter Nymphomanie.


Als ihr Freund Ronnie zur Armee geht, dauert es nicht mal eine Stunde, da liegt sie schon mit dem Nächsten im Bett. Die Sexexzesse nehmen allerdings ein jähes Ende, als sie nach einer ausschweifenden Party zusammengeschlagen wird. Nackt und bewusstlos am Straßenrand liegend wird sie vom gottesfürchtigen Bluessänger Lazarus (Samuel L. Jackson) aufgesammelt, der sie in sein Haus bringt.

Der Hobby-Prediger macht sich zur Aufgabe, die Besessene zu heilen. Und dazu greift Lazarus zu seinem ganz eigenen Exorzismus: Mit Hilfe einer 18 Meter langen Kette um die Leibesmitte, die Rae an sein Haus bindet, Bädern in Eiswasser und Blues-Songs will er die verlorene Seele auf den rechten Pfad bringen.

Missbrauch, Schuld und Sühne
Zunächst erscheint die Kette grausam, doch mit der Zeit gibt sie Rae sogar Halt. Das Mädchen zu zähmen, gestaltet sich allerdings schwieriger als erwartet, denn selbst ein Lazarus hat seine schwachen Momente, wenn die leicht bekleidete Kindfrau vor ihm steht. Doch er gibt nicht auf und befördert schließlich die schrecklichen Ereignisse aus Raes Kindheit ans Tageslicht. Dabei wird er immer wieder mit den Tiefpunkten seines eigenen Lebens konfrontiert.

«Black Snake Moan» erzählt von Missbrauch, Schuld und Sühne. Rae, als Kind misshandelt, von der Mutter verstoßen, von den Männern benutzt, wird zu einer Art modernen Maria Magdalena. Schließlich heilen sich die Besessene und der Exorzist gegenseitig, Stück für Stück legen beide ihre Panzer gegen die Außenwelt ab, die sie verletzt hat.

Eine Hommage an den Sound der Südstaaten
Jackson und Ricci bilden schon ein seltsames Paar, doch überzeugen beide mit unglaublicher Intensität. Ricci hat die schwere Kette während der Dreharbeiten angeblich wirklich die ganze Zeit getragen und dabei reichlich blaue Flecken kassiert. Und die Rolle anzunehmen, war sicherlich keine leichte Entscheidung, wird Rae im Film doch geschlagen, misshandelt, vergewaltigt und ihre sexuellen Ausschweifungen bildlich beschrieben. Der Anblick ist nichts für zart Besaitete.

Den Gegensatz dazu bilden Originalaufnahmen des legendären Dreißiger-Jahre-Blues-Sängers Son House. Es bleibt kein Zweifel, «Black Snake Moan» ist eine Hommage an den Sound der Südstaaten, doch gleichzeitig auch eine Hommage an das Leben selbst, denn das eine kann ohne das andere nicht sein. Oder wie House in einer Szene sagt: «Der Blues kann töten.»