07.06.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Danny Ocean und seine Jungs
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Im dritten Teil der Abenteuer von Danny Ocean und seiner Familie geht es um Rache und «den Gilroy». Und noch nie hat Sexismus so viel Spaß gemacht, meint Sophie Albers .
Anfangs fällt es einem gar nicht auf, und das ist Ellen Barkin gar nicht hoch genug anzurechnen. Aber wenn es einem dann auffällt, ist es ein Hammer: In Steven Soderberghs «Ocean's 13» gibt es keine einzige ernstzunehmende Frau! Nein, eben auch nicht Barkin, denn die ist zuerst eine Zicke und wird dann vom «Gilroy» platt gemacht. Aber fangen wir doch am Anfang an:
Mit bewährter old school Coolness - keine Scherze über Brillenträger oder meine Mutter - und zum wie immer grandiosen Soundtrack von David Holmes kehren die Helden nach Las Vegas zurück. Denn, und das ist leider auch schon old school, ihr Freund und Kollege Reuben Tishkoff, wie immer gespielt vom wunderbaren Elliott Gould, ist von einem Geschäftspartner hereingelegt worden. Und das so gründlich, dass Reuben schon beim Gedanken daran, dass er sein letztes Hemd verloren hat, einen Herzinfarkt bekommt.
Um sein Krankenbett versammeln sich augenblicklich die alten Gefährten, und Danny Ocean (George Clooney), Rusty Ryan (Brad Pitt), Linus Caldwell (Matt Damon), Livingston Dell (Eddie Jemison), Basher Tarr (Don Cheadle), Yen (Shaobo Qin), Frank Catton (Bernie Mac), die Brüder Virgil und Turk Malloy (Casey Affleck und Scott Caan) sowie natürlich auch der alte Saul Bloom (Carl Reiner) ersinnen stante pede einen Racheplan.
Gefühle lesender ComputerNiedergestreckt wurde Reuben von Willie Bank, gespielt von niemand Geringerem als Über-Gangster Al Pacino, der einen kaltherzigen, gelackten Glücksspiel-Tycoon gibt, der ein Casino-Hotel, das das Wynn wortwörtlich in den Schatten stellt, entgegen anfänglichen Beteuerungen ohne Reuben, allerdings mit dessen Geld hochzieht.
Da dieser Luxuskomplex offensichtlich der einzige Schwachpunkt am hageren Bank ist, ist er auch Ziel der Attacke. Und die reicht vom klassischen Slapstick über elaborierte Kapitalismuskritik bis zum künstlichen Erdbeben, für das Ocean und Co. kurzerhand Las Vegas untertunneln. Letzteres soll übrigens einen Computer außer Gefecht setzen, der im bunkerartigen Keller von Banks Reich steht, Gefühle scannt, um Betrüger am Spieltisch zu entlarven und die Bank sichert, die Ocean und Co. natürlich sprengen wollen.
Old gegen new schoolDie Details dieses Kampfes zwischen old und new school gehören ins Kino - nur so viel: «Ihr seid analoge Jungs in einer digitalen Welt». Also zurück zum gefeierten neuen Rat Pack und dem, was dazu gehört, wenn es um Frauen geht:
Die sind nicht da oder egal: Weder Dannys Frau Tess (Julia Roberts), noch Rustys Freundin Isabel (Catherine Zeta-Jones) lassen sich blicken, sie nerven nur am Telefon. Besagte Barkin fängt an als beinharte Assistentin von Bank, hat aber keine Chance gegen besagten «Gilroy», für den übrigens jeder Mann sein Mustang Cabriolet verkaufen würde. Der Rest ist nett anzusehendes Dekor.
Sinatra die Hand geschütteltDie wahrlich beeindruckende Leistung Soderberghs besteht darin, einen sogar in seinem Umgang mit Frauen old school gelungenen Film geschaffen zu haben. Was einen schließlich umhaut, ist die Tatsache, dass sich trotzdem alle rundherum wohl fühlen. Es ist eine heile Traumwelt cooler Männer, die sich in Las Vegas und im Leben so aufführen wie im Ikea-Kinderparadies. Außer jemand kommt ihren Kumpels quer. Die Ausrede, man habe Frank Sinatra die Hand geschüttelt, wirkt übrigens nicht immer.
«Ocean's 13» ist großes Kino und hält alles, was die Traumfabrik je an Eskapismus versprochen hat: größtmöglicher Spaß ohne jedes Risiko.
Das perfekte Gegenprogramm kommt leider erst am 26. Juli ins Kino: Quentin Tarantinos «Death Proof». Let's just say: the girls kick some ass! Und das ist jetzt wieder wörtlich gemeint.