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Sharon Stone in 'Alpha Dog' (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sharon Stone in 'Alpha Dog'
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Kritisch und ungeschönt erzählt «Alpha Dog» die wahre Geschichte des Drogendealers Jesse James Hollywood, findet Julia Wilczok . Im Jahr 2000 war er der jüngste Straftäter auf der «Most Wanted»-Liste des FBI.

Regisseur Nick Cassavetes nennt sie die «Alpha Teens». Ihr Leben hat nicht viel mehr Inhalt als Videospiele, Poolpartys und Marathon-Kiffen. Diese Gruppe verwöhnter kalifornischer Teenager, die sich für nichts begeistern können außer Drogen und exzessiv durchfeierten Nächten, steht im Mittelpunkt von «Alpha Dog». Sie wohnen im San Gabriel Valley, einem poshen Vorort von Los Angeles, in dem fast paradiesische Zustände zu herrschen scheinen - bis ein Vorfall die Seifenblase platzen lässt.

Schuld daran ist Drogendealer Johnny Truelove (Emile Hirsch), um den sich die privilegierten Jugendlichen scharen. Das Alpha-Männchen hat ein schönes Haus, eine noch schönere Freundin und ein dickes Auto und könnte mit seinem Dasein eigentlich zufrieden sein.

Das ist er auch, jedenfalls bis es zu einer schlagkräftigen Auseinadersetzung mit dem Ex-Knacki Jack Mazursky (Ben Foster) kommt, der für seine Ware nicht bezahlen kann. Als Revanche randaliert Neonazi Mazursky mit seinen Freunden ordentlich in Trueloves Haus – der daraufhin auf Rache sinnt.

Durch einen Zufall läuft dem Dealer und seiner Gang Mazurskys Stief-Bruder Zack (Anton Yelchin) über den Weg, den sie daraufhin unbedacht kidnappen. Doch Dealer Truelove erkennt bald die Ausweglosigkeit der Lage – es gibt kein Zurück mehr, das ist ihm klar.

Einführung in die Welt von Sex und Drogen
Um die Situation zu überdenken, kommandiert er daher seinen Kumpel Frankie (Justin Timberlake) zu Zacks Babysitter ab. Der ist schnell gelangweilt von seiner Aufgabe und schleppt das Milchgesicht mit zu einer ausschweifenden Partynacht, in der Zack in die Welt von Sex und Drogen eingeführt wird. Aus dem anfänglichen Spiel wird bitterer Ernst und irgendwo in der kalifornischen Wüste wartet schon ein Grab auf den jungen Zack.

Das Entführungs-Drama hat in den USA bereits im Vorfeld für Furore gesorgt, da der Film produziert wurde, als die reale Hintergrundfigur des Films, Jesse James Hollywood, noch auf freiem Fuß war. Der Drogendealer war im Jahr 2000 der jüngste Straftäter auf der «Most Wanted»-Liste des FBI und konnte erst 2005 in Brasilien gefasst werden. Wird er für schuldig befunden, erwartet Hollywood die Todesstrafe. Damals wurde von Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Gesuchten gesprochen, den Machern des Films wurden zur Recherche trotzdem sämtliche Polizeiakten zur Verfügung gestellt.
Timberlakes Kino-Debüt
Wäre diese Geschichte nicht wahr, man würde sie nicht glauben. Regisseur Cassavetes («John Q.») hat die Figuren ein bisschen überzeichnet, ihre Sprache ist ein harter, ungeschönter Ghetto-Slang. Ein Wunder, dass die Protagonisten zwischen all den F-Wörtern und sonstigen Kraftausdrücken einen vernünftigen Satz herausbringen.

Justin Timberlake gibt in «Alpha Dog» sein Debüt als Kino-Darsteller. Der Sänger spielt zwar nicht überragend, doch verkörpert er den gelangweilten und von seiner Privilegiertheit übersättigten Frankie glaubwürdig und als Zuschauer meint man fast, hinter dem gespielten Sex-Drugs-and-Rock’n’Roll-Lifestyle etwas vom wahren Timberlake zu sehen. Jedenfalls dürften einschlägige Erfahrungen im Show-Geschäft ihm bei der Darstellung des dauerkiffenden Frankie geholfen haben.

Realitätsnahes Drama
Wirklich gut spielen Emile Hirsch und Ben Foster die Erzfeinde Truelove und Mazursky und Bruce Willis, der kurze Auftritte als Vater des Dealers hat. Die Fahrigkeit und Aggressivität des von Foster verkörperten Neonazis Mazursky macht es schwer zu glauben, dass der «X-Man»-Darsteller in der Realität keinen größeren Dachschaden hat.

Zu viel des Guten ist jedoch eine finale Szene mit Sharon Stone, in der sie in einem Fatsuit auftritt. Zu gespielt wirken die Emotionen in ihrem Gesicht, das so aufgedunsen geschminkt wurde, dass es eher an einen Brocken fleckig-orangefarbener Knetmasse erinnert als an ein menschliches Gesicht.

«Alpha Dog» ist ein realitätsnahes Drama, doch glaubt man trotz aller Authentizität subtil Cassavetes amerikanisch-moralischen Zeigefinger zu spüren, mit dem der Regisseur dem Zuschauer vermittelt: Drogen führen dich ins Verderben. Und gleich Eva nach dem Genuss des Sünden-Apfels werden alle Charaktere, die es mit den Drogen übertreiben, am Ende aus ihrem irdischen Paradies verbannt.