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'Children of Men' (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'Children of Men'
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

«Children of Men» erzählt vom Jahr 2027, in dem die Menschheit unfruchtbar geworden ist. Verstörend realitätsnah zeigt Alfonso Cuaróns Film, was die Zukunft bringen könnte.

Von Sascha Rettig

Die Zukunft sieht finster aus. Die Klimakatastrophe scheint kaum noch abwendbar, und der Terrorismus schafft ein Klima der Angst, in dem Freiheit und Bürgerrechte zunehmend eingeschränkt werden. Pessimismus statt Hoffnung – und die Medien bestätigen das ebenso wie das Kino, das sich gern damit beschäftigt, den futuristischen Schrecken in noch dunkleren Farben auszumalen. In den entworfenen Szenarien müssen die Menschen wie in George Orwells «1984» mal in totaler Überwachung in einer totalitären Diktatur leben. Mal fristen sie ihr Dasein in einer kalten, entmenschlichten und automatisierten Konsumgesellschaft oder im Kampf gegen intelligente Maschinen.

Zu der Vielzahl unterschiedlichster Dystopien aus jüngerer Vergangenheit gehört auch «Children of Men» von Alfonso Cuarón, der sich nach Filmen wie der Teenagergeschichte «Y tu mamá también» und «Harry Potter und der Gefangene von Askaban» abermals einem neuen Genre zuwendet. Darin ist die Zukunft, in der die Menschheit wohl keine Zukunft mehr hat, bedrückend nah: Wir schreiben das Jahr 2027.

Die Menschen sind unfruchtbar geworden, überall in der Welt. Das letzte Kind wurde 2009 geboren. Es gibt nur noch Erwachsene. Mittlerweile befindet sich die Welt im Ausnahmezustand. Wozu noch regeln befolgen, wenn das Ende fest steht. Teile Englands aber schotten sich noch vor den globalen Flüchtlingsströmen ab und versuchen vergeblich eine Normalität aufrecht zu erhalten.

Rohe Gewalt gegen Flüchtlinge
Das versucht auch der Beamte und ehemalige Aktivist Theodore Faron (Clive Owen), der aus seinem Leben herausgerissen wird, weil er einer jungen Frau helfen soll, die die Rettung der Menschheit sein könnte: Sie ist schwanger und soll von London aus zur Küste und damit in Sicherheit gebracht werden – vor den Rebellen und dem Staat.

Seine erschreckende Wirkung zieht «Children of Men» vor allem aus der verstörenden Vorstellung der Zukunft, die so real und so nah wirkt: Das heruntergekommenen England, das gegen Flüchtlinge mit roher Gewalt vorgeht. Oder die mit der Unmittelbarkeit einer Handkamera eingefangenen Bilder der unerträglichen Zustände in den Trümmerlandschaften, die Erinnerungen an gegenwärtige Kriegsgebiete wie in Nahost wach werden lassen. Keine Zukunft, keine Hoffnung und kein Ziel im Sinne der Fortpflanzung zu haben, bedeutet hier den Ausbruch von Chaos, Anarchie und einem Egoismus, bei dem sich wirklich jeder selbst der nächste ist. Die Probleme, die heute schon kaum zu bewältigen sind, werden in «Children of Men» außerst realitätsnah potenziert.

Ständig in Lebensgefahr
Eine Sicherheit und einen Ort der Geborgenheit kann es in so einer Welt nicht mehr geben. Höchstens noch im Walddomizil des langhaarigen Alt-Hippies Jasper, den Michael Caine kiffend und so gut gelaunt wie gutherzig als zurückgezogenes Relikt aus der Vergangenheit verkörpert. Jeder, der in dieser Welt lebt, schwebt immerzu in Lebensgefahr.

Man kann kritisieren, dass sich der Film letztlich doch etwas zu stark zur pathetischen Erlöserarie wandelt. Ja, und vielleicht ist auch die Dramaturgie angesichts der erschreckenden Vision unverhältnismäßig simpel, besteht sie doch überwiegend daraus, Owen als antiheroischen Helden wider Willen samt schwangerer Frau im schützenden Arm durch diverse Jump-and-Run-Sequenzen mit Kugelhagel und vorbei an Granateneinschlägen zu hetzen. Die Wirkung aber schmälert das nicht. Es ist beeindruckend, wie schonungs- und atemlos Cuarón «Children of Men» mit einem permanenten Gefühl der Angst inszeniert hat.