17.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Supermann ist zurück
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Lange hat es gedauert, doch nun ist der Vater aller Superhelden ins Kino zurückgekehrt. Und weil «Superman Returns» fast alles richtig macht, ist er verdammt traurig.
Von Sophie AlbersMal ehrlich, eigentlich war Supermann immer der Langweiligste unter den Superhelden. Der, der alles richtig macht, der Zurückhaltende, der Milde, der wie ein getretener Hund guckt, wenn ein anderer seine Angebetete küsst, obwohl er den Typen mit einem Blick zu Staub verbrennen könnte. Supermann, das war so langweilig wie Frieden spielen, anstatt sich mit Stöcken bewaffnet zu bekriegen. Nur ist es mittlerweile allerdings so weit, dass Frieden spielen die nettere Alternative zur Realität ist. Und deshalb ist Bryan Singers «Superman Returns» auch so herzzerreißend nostalgisch.
Nach fünf Jahren Abwesenheit kehrt der Mann aus Stahl auf die Erde zurück und muss feststellen, dass das Leben nicht einmal auf Superhelden wartet. Zwar bekommt er als Clark Kent seinen Reporter-Job beim «Daily Planet» zurück - mit das Surrealste am ganzen Film -, doch hat seine Angebetete Lois Lane, anstatt darüber in Gram zu versinken, dass ihr Held sie verlassen hat, einfach weitergemacht. Sie hat einen Verlobten, einen Sohn und eine glänzende Karriere, die vom Pulitzer-Preis gekrönt ist, den sie passenderweise mit dem Artikel: «Warum die Welt Supermann nicht braucht» gewonnen hat.
Das ist harter Tobak selbst für einen Helden, zumal er auf seiner Reise nicht einmal gefunden hat, wonach er suchte. Was bleibt ihm also anderes übrig, als auch einfach da weiter zu machen, wo er aufgehört hat.
Goldene Eier legender Jack BauerEinführung ist ein fast James-Bond-gleicher Superstunt zur Rettung eines Flugzeug, das ins All geschossen zu werden droht. Supermann ist wieder da, und in unserer globalisierten Zeit kümmert er sich diesmal nicht nur um Amerika, sondern um die ganze Welt. Eben genau das, was wir angesichts des Superdämons Al Qaeda gerne hätten: Jemand, der all die explodierenden Flugzeuge, Züge und sonstige Attentate verhindert. Und dann rettet er auch noch die Katze vom Nachbarn. Sozusagen ein goldene Eier legender Jack Bauer, nur ohne die moralische Flexibilität.
Weil der Film aber natürlich langweilig wäre, wenn Supermann einfach seinen Job machen würde, wird sein Erzfeind Lex Luthor aus dem Gefängnis entlassen. Und der plant, als eine Art superfieser Extrem-Makler Leichen und Geld zu machen. Beides in Millionenhöhe.
Hin- und hergerissen zwischen seiner unglücklichen Liebe zu Lois, die ihn natürlich nicht völlig abgeschrieben hat, und dem Kampf gegen Luthors Kontinent umfassende Immobilienpläne muss Supermann entscheiden, wer er ist, wo seine Grenzen sind und wie es weitergehen soll. Alles andere würde zu viel verraten.
Poesie der ErinnerungAls nach dem immer wieder gescheiterten Anlauf, einen neuen «Supermann»-Film zu drehen, schließlich bekannt wurde, dass «X-Men»-Regisseur Singer die Geschichte erzählen werde, war die Skepsis groß. Zu laut und bunt schienen die Bilder, die er für Wolverine&Co. gefunden hatte, als dass sie der Ikone Supermann gerecht werden könnten. Deren filmisches Vorbild ist schließlich fast 30 Jahre alt. Um so erstaunlicher ist das Ergebnis.
Die Bilder sind mitunter so schön und so eindringlich, dass sie wehtun. Ein im All schwebender Supermann zum Beispiel, der über das Schicksal der Welt wachend, die sich so wohlig-blau unter ihm dreht, ein wenig ausruht. Natürlich sind seine Superohren offen und hören jeden noch so leise gewisperten Hilferuf.
Singer hat sich Zeit gelassen, und das ist eigentlich auch der einzige Vorwurf, den man ihm machen kann, denn zuweilen ist es ein bisschen zu lang. Doch die Geschichte entwickelt sich in der Superheldenwelt-Logik elegant, und die Besetzung hat alle Skeptiker Lügen gestraft.
Routh ist der neue SupermannDie größte Last trägt natürlich Brandon Routh, der in Christopher Reeves Fußstapfen tritt. Doch er läuft leichtfüßig. Obwohl der 26-Jährige so gut wie keine Filmerfahrung hat, geht er in dieser Rolle auf. Er hat die Ikone genommen und sich zu eigen gemacht. Es gibt nun einen Routh-Supermann. Und der ist so einsam und nostalgisch wie der ganze Film.
Kate Bosworth, die bisher eher als Freundin von Orlando Bloom, denn als Schauspielerin («Blue Crush») bekannt ist, gibt eine streitbare, emanzipierte und auch manchmal verletzliche Lane. Mehr gibt es da eigentlich nicht zu sagen.
Ein bisschen enttäuschend ist Kevin Spaceys («American Beauty») Luthor, der Oscarpreisträger scheint unterfordert, möglicherweise war der Bösewicht zu eindeutig für seinen Geschmack. Glücklicherweise gibt es aber noch seinen weiblichen Sidekick, Kitty Kowalski, gespielt von der wunderbaren Parker Posey («Blade Trinity»). Deren hysterische Boshaftigkeit ist deutlich unterhaltsamer als die des gelangweilten Spacey.
Eigentlich schade, dass die Bösewichte unseres Alltags nicht annähernd so lustig sind. Und auch schade, dass es keinen Supermann gibt, der rechtzeitig angeflogen kommt. Dafür müssen wir eben ins Kino gehen.