13.07.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Hauptdarsteller: Die Autos stehlen den Menschen gerne die Schau beim 'Tokyo Drift'
Foto: Promo
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Kontrolle behalten muss der Held in «The Fast and the Furious: Tokyo Drift, dem dritten Teil der Schöne-Autos- und-Frauen-Reihe. Nach dem schwächeren Teil zwei ein Lichtblick.
Von Sophie AlbersAch, wäre das Leben doch so einfach: Ticket kaufen, hinsetzen, losfahren und jede Leitplanke rammen, die im Weg rumsteht. Und niemand geht einem auf die Nerven, weil man eh zu schnell dafür ist.
Immerhin eine Stunde und 44 Minuten bereitet Regisseur Justin Lin seinem Publikum das Vergnügen, in einem aller Realität enthobenen Tokio in wunderbar aufgemotzten Rennschlitten durch die Straßen zu rasen, plötzlich Japanisch zu verstehen und sogar den großen Sonny Chiba
(wem es gerade nicht einfällt: der japanische Schwert-Schmied aus 'Kill Bill') zu treffen.
Ja, richtig: Der dritte Teil von «The Fast and the Furious» ist da. «Tokyo Drift», und diesmal geht es - fast schon philosophisch - weniger darum, die Schallmauer zu durchbrechen, als vielmehr die Kontrolle zu behalten. Aber glücklicherweise eben fast nur philosophisch.
Sean heißt der Junge, gespielt von dem offensichtlichen Mann Lucas Black, der in good old USA in bewährter Steve-McQueen-Manier aus dem Rahmen fällt. Nachdem der von natürlich illegalen Autorennen begeisterte Schüler man braucht ungefähr eine Minute, um sich damit zu arrangieren, dass Black wie Ende Zwanzig aussieht mal wieder seinen Wagen geschrottet hat, weil er sich die Freundin eines blöden Highschool-Snobs erfahren wollte, gibt seine Mutter ihn auf. Nach zahlreichen Schulverweisen und wie durch ein Wunder überlebten Totalschäden schickt sie ihn nach Tokio, zu seinem Vater.
Coming-of-age in TokioDer alte Herr ist ein Army-Haudegen, der die Familie schon lange verlassen hat. Das übliche gestörte Vater-Sohn-Verhältnis also, das das amerikanische Kino so sehr liebt.
Glücklicherweise interessiert das aber nur am Rande: Sean, der übrigens verblüffende Ähnlichkeit mit «24»-Star Kiefer Sutherland hat, zieht die schmucke Schuluniform an und sitzt, plötzlich des Japanischen mächtig, im Unterricht, wo ihn sehr bald der schmachtende Blick einer schönen Klassenkameradin (Nathalie Kelley) trifft. Kurze Zeit später findet er dann auch seinen Eddie-Murphyesken Sidekick (Bow Wow), und der führt ihn natürlich nach Unterrichtsschluss direkt in die Racing-Szene Tokios ein.
Drifting mit der YakuzaWeil in der Realität von «Tokyo Drift» alles so gut passt, gehört die Schöne aus dem Klassenzimmer natürlich auch dazu. Aber was für ein Zufall sie ist die Freundin des Drifting-Königs D.K., ein offenbar direkt John Woo entliehener Fiesling mit Yakuza-Verbindungen und nicht ganz pc-gemäß verschlagenem Blick.
Die Fronten stehen. Jetzt muss Sean nur noch lernen, wie man driftet, das heißt, sein Auto unter Kontrolle hält, während man mit möglichst hoher Geschwindigkeit und querstehendem Auto durch Tokios Kurven brettert - sei es im Parkhaus oder in der Vorstadt.
25 TotalschädenDabei kommt es zu grandiosen Szenen, in denen Rennwagen wie an einer Perlenkette in meditativem Wiegen Berghänge hinab gleiten, oder in denen die Raser in einer Verfolgungsjagd quer durch die Stadt die Menschenmassen auf der berühmten Kreuzung von Shibuya teilen wie Moses das Meer.
250 Wagen haben in «Tokyo Drift» einen Auftritt. 25 davon soll es komplett zerlegt haben, 80 teilweise. Das könnte man mit dem Sinnspruch zusammenfassen, dass Menschen immer das zerstören, was sie lieben. Denn ausschließlich darum geht es in diesem Film: schöne Autos, den Rausch der Geschwindigkeit und das Gefühl der Macht, wenn man hinter dem Lenkrad sitzt und um die große Maschine weiß, deren Kraft den Körper vibrieren lässt.
Ach ja, die gezeigten Rennszenen sind übrigens gefährlich und wurden im Film von erfahrenen Stuntmen ausgeführt. Und Tokio liegt in Japan.