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«Hostel»: In Amerikas Folterkeller

27. Apr 2006 07:41
'Hostel'
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«Versuche, nicht zu kotzen» steht als Unterzeile auf dem deutschen Filmplakat. «Hostel» hat viele Vorschusslorbeeren kassiert. Doch alles ist nur halb so wild.

Von Aliki Nassoufis

Ein sorgsam kreierter Hype eilt dem deutschen Kinostart von «Hostel» voraus. Eli Roths zweiter Horrorausflug nach dem Killervirenfilm «Cabin Fever» soll angeblich so grausam sein, dass sich Zuschauer bei Vorführungen in den USA übergeben haben und sogar ohnmächtig geworden sind. Auch das Plakat stimmt auf diese vermeintlich ultimative Gewaltshow ein: Es zeigt einen weit geöffneten Mund, in dem jemand eine Bohrmaschine versenkt.

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Bevor aber der Terror in «Hostel» beginnt, muss man sich zunächst mit drei Rucksacktouristen auf den Trip durch das Titten-Hasch- Euro-Wunderland begeben. Auf der Suche nach ungezügeltem Sex bekommen die amerikanischen Teenager und deren isländischer Freund in Amsterdam einen Geheimtipp: In der Nähe von Bratislava soll es ein Hotel geben, wo die Frauen allesamt willig sind, weil es in der Slowakei nach dem Krieg - welcher Krieg eigentlich? - Männerknappheit herrsche.

Schnell sitzen die Jungs im Zug und erleben in dem Hotel zunächst tatsächlich pubertär paradiesische Zustände. 45 Minuten lang ist «Hostel» kaum mehr als eine angesexte Teen-Klamotte im «Porky's»-Style um ein paar US-Touris, die sich sorglos, überheblich und unsympathisch vergnügungssüchtig ausfführen.

Schweissbrenner und Bohrmaschinen

Dann allerdings bricht tatsächlich der Terror über sie herein, denn Osteuropa, beziehungsweise Roths finsteres Klischee davon, ist ein permanent unsicherer Ort: Korruption, Betrug, erpresserische Kinderbanden überall. Ein Hort des Bösen, wo Sadisten gegen Bezahlung ihre Tötungsfantasien ungehindert ausleben können. Bohrmaschinen, Schweißbrenner und die unvermeidliche Kettensäge liegen hier bereit, mit denen sie andere Menschen foltern, zerlegen und letztlich unter Qualen töten können. Auch die amerikanischen Jungs werden – einer nach dem anderen – in diesen finsteren Folterkomplex verschleppt.

'Hostel'
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Wirklich unheimlich an diesem Blutbad, das letztlich auf recht wenige Szenen beschränkt bleibt, ist vor allem der Gedanke daran, dass die Täter hier keine mutierten Monster, sondern Menschen sind und dieses Folterstadl angeblich gar nicht soweit hergeholt ist. Wie Roth sagt, wurde ihm von Harry Knowles, dem Betreiber der «Ain’t It Cool News»-Website, eine Internetseite gezeigt, auf der gegen Bezahlung die Tötung von Menschen angeboten wurde. Inspiriert davon, schrieb Roth schnell sein Drehbuch und konnte, wen wundert's, auch Quentin Tarantino für die Idee begeistern, der «Hostel» schließlich produzierte.

Terror-New-Wave

Im fertigen Film dient die Idee allerdings nur als Hintergrund für ein Folterfest, in dessen Subtext man durchaus eine Reaktion amerikanischer Ängste vor dem unberechenbaren und unheimlichen Ausland herauslesen kann. Wie die meisten anderen Regisseure der derzeitigen New Wave des Terrorkinos orientiert sich auch Roth dabei an den Vorbildern in den siebziger Jahren wie George Romero und Wes Craven, blinzelt aber nicht nur durch seine Inszenierung männlichen Leidens in Richtung japanischer Gewaltexzesse. Als kleine Würdigung steigt sogar Regisseur Takashi Miike in einem Cameo-Auftritt vor dem Folterkomplex in ein Auto.

Im letzten Drittel verliert der Film allerdings etwas von seinem Schrecken, weil Roth das klaustrophobische Gefühl der Hilflosigkeit nicht konsequent bis zum letzten Atemzug der Gequälten inszeniert. Dem Hype wird «Hostel» kaum gerecht, unterscheidet er sich im Härtegrad doch kaum von jüngsten Horrorproduktionen wie «Der Hügel der blutigen Augen». «Hostel» ist vielmehr ein weiterer Terrorfilm, etwas uneben, aber punktuell durchaus schmerzhaft und verstörend.

 
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