«The Matador»: Brosnans Anti-Bond
20.04.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Zuallererst: Wer immer die Eindeutschung des Titels «The Matador» in «Mord und Margaritas» verbrochen hat, hat seinen Beruf verfehlt. Und nun zum Helden des Films.
Vielleicht liegt es ja daran, dass endlich ein neuer Bond gefunden ist und Brosnan endgültig Abschied genommen hat vom Superagenten-Dasein. Sein Julian Noble wirkt jedenfalls wie ein Befreiungsschlag.
Als Zuhälter-Verschnitt mit Oberlippenbärtchen und Goldkettchen kommt Brosnan daher und erinnert fast ein bisschen an Christopher Walken in den guten alten Zeiten. Nichts ist mehr zu spüren vom Bond-Charme. Brosnan trägt den Proll-Chic mit gleicher Souveränität wie vorher den perfekt sitzenden Anzug. Und wirklich amüsant sind seine verbalen Totalausfälle.
Da trifft er in einer mexikanischen Hotelbar den Geschäftsmann Danny Wright (Greg Kinnear, bekannt aus «Besser geht's nicht»), den ebenfalls ein Karrieretief plagt. Das ist allerdings auch das einzige, was die beiden verbindet. Warum auch immer beschließen der Proll und der Langweiler, sich gemeinsam einen Stierkampf anzusehen. Angesichts der Hitze des Kampfes in der Arena gesteht Noble seinem neuen Freund, womit er tatsächlich sein Geld verdient, aber natürlich glaubt ihm der anständige Wright nicht - bis Noble den Gegenbeweis antritt.
In vereinzelten Rückblicken beweist Shepard ein wunderbares Gespür für die Feinheiten der menschlichen Natur. Er wechselt zwischen emotionalen und witzigen Momenten und legt dabei den Blick in die Psyche zweier Menschen frei, die ein seltsamer Zufall des Lebens zusammen geführt hat.
Und Pierce Brosnan wird endlich 007 los. Mit aller Macht.

