netzeitung.de«The Matador»: Brosnans Anti-Bond

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Pierce Brosnan ist 'The Matador' (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Pierce Brosnan ist 'The Matador'
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In Richard Shepards «The Matador» mimt Pierce Brosnan einen in die Jahre gekommenen Auftragskiller. Und ganz nebenbei erledigt er James Bond.

Von Stefanie-Isabel Geisler

Zuallererst: Wer immer die Eindeutschung des Titels «The Matador» in «Mord und Margaritas» verbrochen hat, hat seinen Beruf verfehlt. Und nun zum Helden des Films.

Pierce Brosnan ist zurück - und diesmal ganz anders. Das hat er zwar schon häufiger versucht, doch wollte es nie so ganz gelingen. Ob nun als charmanter Fiesling in «Der Schneider von Panama» oder schusseliger Anwalt in «Laws of Attraction», immer schaute irgendwo der James Bond hervor, so sehr Brosnan sich auch bemühte.

Vielleicht liegt es ja daran, dass endlich ein neuer Bond gefunden ist und Brosnan endgültig Abschied genommen hat vom Superagenten-Dasein. Sein Julian Noble wirkt jedenfalls wie ein Befreiungsschlag.

Als Zuhälter-Verschnitt mit Oberlippenbärtchen und Goldkettchen kommt Brosnan daher und erinnert fast ein bisschen an Christopher Walken in den guten alten Zeiten. Nichts ist mehr zu spüren vom Bond-Charme. Brosnan trägt den Proll-Chic mit gleicher Souveränität wie vorher den perfekt sitzenden Anzug. Und wirklich amüsant sind seine verbalen Totalausfälle.

Wahre Freunde
Brosnans Noble ist ein Auftragskiller mit gut laufendem Geschäft und schlecht laufendem Selbstbewusstsein. Er hat eine Krise, weil er plötzlich nicht mehr töten mag.

Da trifft er in einer mexikanischen Hotelbar den Geschäftsmann Danny Wright (Greg Kinnear, bekannt aus «Besser geht's nicht»), den ebenfalls ein Karrieretief plagt. Das ist allerdings auch das einzige, was die beiden verbindet. Warum auch immer beschließen der Proll und der Langweiler, sich gemeinsam einen Stierkampf anzusehen. Angesichts der Hitze des Kampfes in der Arena gesteht Noble seinem neuen Freund, womit er tatsächlich sein Geld verdient, aber natürlich glaubt ihm der anständige Wright nicht - bis Noble den Gegenbeweis antritt.

Klingt nicht besonders originell und nach dem großartigen «Grosse Point Blank» möchte man eigentlich auch keinen weiteren Profikiller in der Lebenskrise mehr sehen, doch haben Shepard und vor allem Brosnan tatsächlich einen besonderen Film geschaffen.

In vereinzelten Rückblicken beweist Shepard ein wunderbares Gespür für die Feinheiten der menschlichen Natur. Er wechselt zwischen emotionalen und witzigen Momenten und legt dabei den Blick in die Psyche zweier Menschen frei, die ein seltsamer Zufall des Lebens zusammen geführt hat.

Und Pierce Brosnan wird endlich 007 los. Mit aller Macht.