netzeitung.de«Ewiger Gärtner»: Liebe, Tod und Geschäfte

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Verheiratet mit einer Fremden: Ralph Fiennes in 'Der ewige Gärtner'. (Foto: Promo<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Verheiratet mit einer Fremden: Ralph Fiennes in 'Der ewige Gärtner'.
Foto: Promo
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Um große Liebe und tödliche Pharma-Geschäfte geht es in Fernando Meirelles Adaption eines Romans von John le Carré. Der Ton ist ähnlich wütend wie im Oscar-nominierten Vorgänger «City Of God».

Von Sophie Albers

Zwei Möglichkeiten hat der in Nairobi arbeitende britische Mittelbau-Diplomat Justin Quayle (Ralph Fiennes), um sich den Mord an seiner Frau Tessa (Rachel Weisz) zu erklären: Sie hat ihn mehrfach betrogen, hat sich in Angelegenheiten eingemischt, die sie nichts angingen und wurde schließlich von ihrem afrikanischen Liebhaber umgebracht.

Oder der Grund, warum sie immer wieder unbequeme Fragen stellte und in ihrer wilden Art hochrangige Staatsbeamte anging war so gewaltig, dass Menschen zu Mördern wurden, damit er nicht bekannt würde.

Justin und Tessa waren sich näher gekommen, nachdem sie ihn am Ende eines Vortrags mit heftigen Vorwürfen überschüttete - und das so lange, bis der Saal leer war und Justin sich nach ihrem Befinden erkundigte. Nach einem gemeinsamen Drink landet der freundlich-milde Diplomat mit der akkuraten Frisur schließlich in ihrem Bett. Der begeisterte Gärtner und die hitzköpfige wie schöne Frau werden ein Paar. Als Justins Versetzung nach Nairobi ansteht, will Tessa ihn begleiten. Doch dazu müsste sie seine Ehefrau werden. Also heiraten sie.

In Rückblenden erfährt der Zuschauer zunehmend mehr über die Frau, deren Tod am Anfang des Films steht und über die ihr Mann scheinbar genauso wenig weiß wie das Publikum. Bis er sich entschließt herauszufinden, warum sie ermordet wurde.

Medikamente, die töten
In Afrika angekommen wird die Ehe immer wieder auf die Probe gestellt. Keine Frage, das Paar liebt sich, doch während Tessa sich mit den Machenschaften multinationaler Pharmakonzerne beschäftigt, die sie verdächtigt, an den Aidspatienten in der Dritten Welt medizinische Tests durchzuführen, hat Justin kein Interesse daran, sich einzumischen. Er pflanzt stattdessen Zöglinge in seinem Garten und scheint zu glauben, dass das Böse nicht existiert, wenn man nicht hinsieht.

Das ändert sich, als Tessa stirbt. Noch immer zurückhaltend, doch beharrlich verfolgt er ihre Spuren, trotz der Bitten von Kollegen, damit aufzuhören. Er sucht in Kibera, dem größten Slum Afrikas, unter Flüchtlingen im Sudan und bei Anti-Pharma-Aktivisten in Berlin nach Beweisen. Finden tut er dabei seine Frau, die wegen seines Desinteresses irgendwann aufgehört hatte, ihn einzuweihen. Und je besser er sie kennen lernt, je mehr er ihre Schritte versteht, desto heftiger verliebt er sich in sie.
Unverstellter Blick
Meirelles hat nicht nur eine große dramatische Liebesgeschichte verfilmt, er erzählt einen eindringlichen Thriller, in dem es um Loyalität, Menschenwürde und Kapitalismus geht. Und das so unverstellt und geradeaus, wie wohl noch nie ein le Carré adaptiert worden ist.

Mit der gleichen Geschwindigkeit wie auch schon in seinem oscar-nominierten Werk «City Of God» über Jugendliche in den Favellas von Rio de Janeiro stürmen die Bilder und Worte auf den Zuschauer ein. Gedanken blitzen auf, Erinnerungen brechen ab, Farben überschlagen sich. Und Meirelles ist es tatsächlich gelungen, die Hitze Afrikas sichtbar zu machen, während Justin dem Leben seiner toten Frau hinterher jagt.

Weisz ist eine wundervolle Tessa, die mit all ihrer Wut und Energie die gesamte Leinwand auszufüllen scheint. Fiennes trockener Diplomat ist der Rahmen, gegen den sie sich absetzt, in dem sie jedoch auch zur Ruhe kommen könnte, wenn sie die sie umgebende Ignoranz nicht so wütend machen würde.