netzeitung.deDie Rückkehr des Königs: «King Kong»

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'King Kong' (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'King Kong'
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Peter Jacksons Remake des Klassikers «King Kong» ist Unterhaltungskino in seiner reinsten Form. Und der Regisseur scheint ebenso besessen wie die Figuren in seinem Film.

Von Sophie Albers

Warum erzählt man eine Geschichte noch einmal, die bereits alle kennen? Was gibt es der Verfilmung von 1933 noch hinzuzufügen? Wen interessiert überhaupt noch «King Kong»? Solche und ähnliche Fragen musste sich der neuseeländische Regisseur Peter Jackson anhören, seitdem bekannt wurde, dass er die Geschichte des Riesenaffen, der vom Empire State Building geschossen wird, neu verfilmt. Glücklicherweise hat er nicht hingehört, sondern einfach das gemacht, was er am besten kann: großes Kino.

Und er hat es gründlich getan: Drei Stunden lang nagelt er sein Publikum an die Sitze. Im Gegenzug hat er die Filmgeschichte um wunderbare Kinoaugenblicke bereichert. Und das obwohl - oder gerade weil - er sich zuweilen sklavisch ans Original gehalten hat.

Der Film beginnt in New York zur Zeit der Großen Depression. Die Menschen auf der Straße hungern, hausen in Bretterverschlägen, verlieren über Nacht ihre Lebensgrundlage. Die Geschichte folgt zuerst der jungen, leidenschaftlichen Varieté-Schauspielerin Ann Darrow (Naomi Watts). Als ihr Theater geschlossen wird und ihre Existenz einfach wegzubrechen droht, scheint sie ihren Glauben an das eigene Glück in dem Augenblick zu verlieren, als ihr mit dem Satz «Eine Frau mit Ihrem Aussehen muss nicht auf der Straße stehen» ein Job in einem Stripclub angeboten wird.

Das Leuchten in den Augen
Doch auf dem Weg dorthin, als das Strahlen in ihren Augen fast erlischt, begegnet sie dem Filmregisseur Carl Denham (Jack Black). Auch der hat dieses Leuchten in den Augen, wenn er seiner Ambition folgt. Und er braucht dringend eine neue Hauptdarstellerin. Einzige Bedingung für die Rolle ist, die gleiche Kleidergröße zu haben wie die Vorgängerin.

Dieses Leuchten in den Augen nimmt Jackson immer wieder auf, und es wird weitergegeben wie eine Staffette. Leidenschaft, der Glauben an eine Idee, Liebe - wo es herkommt, hat bei dem «Herr der Ringe»-Regisseur verschiedene Gründe.

Darrow beschließt, Denham zu folgen und besteigt am folgenden Tag ein Schiff nach Sumatra. Der Regisseur ist im Besitz einer geheimen Karte, die seine Crew zu einem Eiland mit dem sprechenden Namen Totenkopfinsel führen soll.
Eindimensional-schaurig
Mit an Bord sind unter anderem der Drehbuchautor Jack Driscoll (Adrien Brody), Denhams Filmcrew und Kapitän Englehorn (Thomas Kretschmann), dem es später immer wieder zu verdanken ist, dass Jacksons Film überhaupt weitergehen kann. Nach ausführlicher Exposition kommt die SS Venture schließlich bei der geheimnisvollen Insel an.
Monumentale wie morbide Bauwerke erwarten die ungebetenen Besucher. Die eindimensional-schaurig gezeichneten Eingeborenen haben allerdings großes Interesse an der weißen Frau, und Darrow wird kurzerhand entführt, um geopfert zu werden. Die Männer, angetrieben vom verliebten Driscoll, machen sich auf die Suche und durchqueren eine urzeitliche Landschaft, die stark an «Jurassic Park» erinnert - samt Echsen-Einwohnern. Die Gefahren sind vielfältig wie zahlreich und lassen die Zuschauer immer wieder die Finger in die Lehnen krallen.

Schließlich - nach mehr als einer Stunde - taucht dann auch die Hauptfigur auf. Und spätestens nun wird klar, wie weit die Spezialeffekte mittlerweile sind: Jackson hatte berichtet, dass er erstmals als Zwölfjähriger mit Stop-and-Motion-Technik versucht habe, «King Kong» zum Leben zu erwecken. Diesmal ist es ihm gelungen: Wenn der Riese brüllt, kämpft oder entrückt in das Gesicht von Darrow blickt, ist alle Technik vergessen.

Es folgt, was folgen muss: Die Frau wird befreit, der Affe geschlagen und mit nach New York genommen. Dort wird er zur Schau gestellt, doch kann er fliehen und macht sich auf die Suche nach seiner blonden Freundin. Er wälzt sich durch Hochhausschluchten der Stadt, was jüngere Zuschauer an Godzilla erinnern dürfte. Doch gibt es auch eine pittoreske Szene im Central Park, in der King Kong fast zum Kuscheltier verkommt. Aber eben nur fast.
Eine Frage des Sprungs
Denn auch ein Sechs-Meter-Tier kann sich weder gegen die Armee noch die Liebe wehren, und die ist es dann doch, die es am Ende tötet.

«King Kong» erzählt von Einsamkeit und Leidenschaft, die manchmal in Besessenheit umschlägt. Und in einer Szene am Anfang des Films wird auch klar, warum Jackson, diesen Film, dessen Geschichte doch alle schon kennen, einfach drehen musste: Mit Hinhaltetaktik verhindert der von Gläubigern und Produzenten verfolgte Denham, dass der Autor Driscoll das Schiff verlässt, bevor es ablegt. Driscoll schaut verzweifelt zum Quai, der sich immer weiter entfernt und sagt zu Denham, dass er nicht an Filmen interessiert sei. Er liebe das Theater, deshalb müsse er zurück.

Denham hat wieder dieses Leuchten in den Augen, als er erwidert «Wenn sie das Theater lieben würden, dann wären sie gesprungen.»