Zweite Schlachtplatte von Rob Zombie
01.12.2005
Herausgeber: netzeitung.de
'The Devil's Rejects'
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Für Zuschauer ab 18 ist die Horror-Fortsetzung «The Devil's Rejects». Und Regisseur Rob Zombie hat es tatsächlich geschafft, sich zu steigern.
Von Aliki NassoufisVor zwei Jahren ließ Rob Zombie die Familie Firefly bereits in seinem Regiedebüt «Haus der 1000 Leichen» serienmorden. Damals recycelte er zwar ein weiteres Mal die bekannte Slasher-Story um ein paar junge Leute, die im Hillbilly-Nirgendwo der amerikanischen Südstaaten in die Hände irrer Killer fällt. Der Ex-Metal-Sänger der «White Zombies» schuf damit aber auch einen fast karnevalistisch überzogenen Horrortaumel, der sich mittlerweile zum Kulterfolg entwickelt hat.
Mit «TDR The Devils Rejects» hat er nun ein Sequel vorgelegt, das dort weiter splattert, wo der erste Film aufhört. Es ist 1978, die Mordexzesse der Fireflys sind aufgeflogen und ihr mit Leichen abgefülltes Haus ist von der Polizei umstellt. Weil sich professionelle Irre nicht so einfach festnehmen lassen, kommt es zu einer Schießerei, nach der Mutter Firefly verhaftet wird, aber immerhin auch drei Familienmitgliedern die Flucht gelingt. Auf der hinterlassen sie selbst die obligatorische Blutspur, werden aber auch vor allem von dem von Rachegedanken getriebenen Sheriff Wydell (William Forsythe) unerbittlich verfolgt.
Blanker Terror und zitierfreudige ApokalypseVerglichen mit «Haus der 1000 Leichen» dreht «TDR The Devil's Rejects» in mehrfacher Hinsicht den Spieß um. Nicht nur, dass die immer noch jagdfreudigen Jäger jetzt selbst gejagt werden, verlagert Zombie die Flucht des perversen Killerclans ans Tageslicht, verzichtet auf burleske Überdrehung und wird mit der Gewalt graphischer und direkter. Was geblieben ist, sind allerdings ein paar Fireflys und Zombies wilde Zitierwut: Ein bisschen «From Dusk Till Dawn» sowie ein bisschen mehr von den von ihm offensichtlich sehr geschätzten Horrorklassikern aus den siebziger Jahren von Tobe Hooper und Co. Er streift Roadmovie und ätzende Komödie und lässt beim bleihaltigen Endlosfinale seiner widerwärtigen Hinterwäldler-Selbstjustiz-Rache-Schlachtplatte «Thelma & Louise» und «Bonnie & Clyde» referenziell kollidieren.
Zu Siebziger-Jahre-Southern-Songs zerrt Zombie bis auf die kichernd-killende Baby (Zombies Frau Sheri Moon) ausschließlich abstoßende Rednecks und lebendig gewordene Widerwärtigkeiten ans grelle Tageslicht. Das Schauspielensemble zeigt sich dabei äußerst leidensfähig und bereit zu schauspielerischer Verausgabung allen voran Sid Haig als ekelhaftes Clownzerrbild Captain Spaulding und Bill Moseley als sinister-sadistischer Langhaarhippie.
Folterstadl in AlabamaDurchaus mit einem Händchen für kaputten Humor veranstaltet Zombie so ein fieses Foltervergnügen, das sich, anders als das ironische «Haus der 1000 Leichen», bisweilen wie ein Tritt in die Eingeweide anfühlt. Dazu braucht Zombie keine Splatter-Effekte, sondern beschränkt sich auf eher realistische Brutalität auf allen Seiten. Mitleid erwartet er bei seiner Horror-Apokalypse höchstens für die Fireflys, die er plötzlich mit einem Hauch von Menschlichkeit ausstattet: Ein Eis lecken, einen Joint rauchen oder einfach nur unbeschwert ein bisschen Spaß haben. Das sehr spezielle Vergnügen am Terror dieses konsequent kranken, unberechenbaren B-Movies überwiegt.