netzeitung.deEine Liebe in Afrika: «Die weiße Massai»

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'Die weiße Massai' (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'Die weiße Massai'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Trotz kitschverdächtiger Vorlage ist Regisseurin Hermine Huntgeburth mit «Die weiße Massai» ein fesselnder Film gelungen. Das hat sie vor allem der Hauptdarstellerin zu verdanken.

Große Liebe und Herzschmerz in Afrika, Zusammenprall von westlicher Zivilisation und unberührter Stammeskultur, eine willensstarke Weisse, die sich über alle Konventionen hinwegsetzt: Das Buch «Die weiße Massai», in dem die Schweizerin Corinne Hofmann von ihrer vier Jahre währenden Ehe mit einem Massai-Krieger im kenianischen Busch erzählt, bietet so ziemlich alles, was hierzulande Bücher in die Bestsellerlisten zu katapultieren pflegt.

Über 2,5 Millionen Exemplare wurden denn auch seit Erscheinen des Buches im August 1998 in Deutschland, Österreich und der Schweiz verkauft. Übersetzungen in 19 Sprachen folgten, und die Autorin wurde durch die obligatorischen Talkshows – von «Boulevard Bio» bis «Johannes B. Kerner» – gereicht.

Natürlich ließ ein findiger Produzent - Günther Rohrbach («Die Apothekerin») - nicht lange auf sich warten, der die Filmtauglichkeit des Stoffes erkannte. Sechs Jahre nach Erscheinen des Buches, im Herbst 2004, begannen die Dreharbeiten in Kenia mit Nina Hoss («Nackt») in der Hauptrolle und Hermine Huntgeburth («Bibi Blocksberg») als Regisseurin. So weit die Vorgeschichte des Films, die eigentlich nicht Gutes erwarten lässt: ein klischeesattes Melodram vor exotischer Kulisse nämlich.

Haus aus Kuhfladen
Doch dann die Überraschung: «Die weiße Massai» ist über weite Strecken ein richtig guter Film. Das liegt in erster Linie an der fantastischen Hauptdarstellerin. Hoss spielt die Hauptfigur Carola mit einer Präsenz und Intensität, die von der ersten bis zur letzten Minute fesseln. Mit bewundernswerter Glaubwürdigkeit verkörpert sie die junge Schweizerin, die mit ihrem Freund Stefan (Janek Rieke) Urlaub in Kenia macht und sich dort Hals über Kopf in den stattlichen Samburu-Krieger Lemalian (Jacky Ido) verliebt.

Kurzerhand schickt Carola ihren Freund allein nach Hause und folgt Lemalian in sein Dorf Barsaloi mitten im kenianischen Busch. Das traditionelle Leben seines Hirtenvolkes stellt sich allerdings, wie nicht anders zu erwarten, als gewöhnungsbedürftig heraus. Carola und ihr Krieger-Freund müssen sich ihr Heim – eine aus Kuhfladen und Zweigen errichtete Hütte - mit Lemalians Mutter und seiner kleinen Nichte teilen. Der Sex mit dem Auserwählten ist enttäuschend - zu unterschiedlich sind ihre Vorstellungen über ein erfülltes Liebesleben. Der korrupte Mini-Chief des Dorfes, fast eine Art Kleinmafiosi, verhängt ein Aufenthaltsverbot für Carola in Barsaloi, der italienische Pater Bernardo (Nino Prester), der die nahe gelegene Missionarsstation betreibt, straft sie mit Missachtung.

Atemberaubend unwirtlich
Aber Carola lässt sich durch nichts von ihrer großen Liebe abbringen. Zunächst scheint sich alles zum Guten zu wenden: Sie heiratet Lemalian und schafft es sogar, ihm ihr Verständnis von Sexualität nahe zu bringen. Später macht sie einen Lebensmittelladen auf und freundet sich mit der Deutschen Elisabeth (hervorragend: Katja Flint) an, die als Frau eines Kenianers in der kleinen Stadt Maralal gestrandet ist.

Doch Lemalian kommt mit der emanzipierten Lebensweise seiner geschäftstüchtigen Frau, die bald ein Kind von ihm erwartet, nicht zurecht. Er beginnt zu trinken und reagiert zunehmend eifersüchtig auf die Männer, die in Carolas Laden einkaufen.

Neben Hoss macht vor allem die kenianische Landschaft den Film zu einem Erlebnis. Zum Glück hat Huntgeburth der Versuchung widerstanden, sie nach Art von «Jenseits von Afrika» romantisierend in Szene zu setzen. Das Kenia in «Die weiße Massai» ist eindrucksvoll - aber weniger aufgrund seiner Schönheit, sondern weil es so atemberaubend unwirtlich scheint. Endlos die öde Steppe, über der die Luft vor Hitze flimmert, trostlos das Kaff Maralal, wo die vom harten Leben in der kenianischen Provinz gezeichnete Elisabeth rauchend die Zeit totschlägt.

Fehlbesetzung
Bei der Besetzung hat Huntgeburth aber leider eine nicht unwesentliche Konzession an den vermeintlichen Publikumsgeschmack gemacht: Die Rolle des Lemalian hat mit Jacky Ido ein im Westen lebender Schauspieler bekommen. Keine Frage, der französische Schauspieler, der in Burkina Faso geboren wurde, doch in Paris aufgewachsen ist, macht sich gut in Stammestracht und Kopfschmuck. Aber er sieht darin halt doch aus wie ein verkleideter Europäer. Das ist schade. Der Glaubwürdigkeit des Films hätte es gut getan, die Rolle mit einem echten Kenianer zu besetzen, der mit dem Land und der Mentalität seiner Menschen wirklich vertraut ist. Doch anders als ihre Hauptfigur Carola sind die Macher des Films vor so viel Authentizität offensichtlich zurückgeschreckt.