netzeitung.de«Sin City»: Ist das alles, was ihr Weicheier zu bieten habt?

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'Sin City' (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'Sin City'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

«Sin City» ist ein Comic-Klassiker. Doch auch als Film hat die Geschichte von Sex, Gewalt, Liebe und Rache einiges zu sagen. Dank der Doppelregie von Robert Rodriguez und Frank Miller und der kreisenden Hüften von Jessica Alba.

Schwarz und Weiß sind die Bilder in Frank Millers Comic-Roman «Sin City». Farbe leuchtet nur im Ausnahmefall. Meist ist es Rot. Rot wie Blut oder wie die Lippen einer der schönen, geheimnisvollen Frauen, die diese Stadt bevölkern, die einem Albtraum Gotham Citys gleicht.

Der Regisseur Robert Rodriguez, Freund und Kollege von Quentin Tarantino, der dessen Faible für harte Geschichten und deutliche Bilder teilt, hat das Wagnis auf sich genommen, die «Sin City»-Reihe zu verfilmen. Und damit ihn die Miller-Fans nicht gleich schlachten, hat er den Comic-Autoren, der für «Daredevil» Elektra erfand und mit seiner «Batman»-Vision «The Dark Knight Returns» berühmt wurde, als Co-Regisseur mit ins Boot genommen.

Drei «Sin City»-Geschichten sind im Film übrig geblieben, der erst der Anfang sein soll (Teil zwei und drei sind bereits in Arbeit): «The Hard Goodbye», «The Big Fat Kill» und «That Yellow Bastard». In der Erzählstruktur ähnlich verschlungen wie die Episoden in «Pulp Fiction» erzählen sie vom Schicksal der Antihelden Marv, Dwight und Hartigan - wobei Marv wahrhaftig Kinogeschichte schreibt.

Rache für die Göttin
Dieses Monster von einem Mann - «Ich bin so hässlich, dass ich nicht mal ne Nutte kriege» - findet am Anfang der ersten Filmepisode das Glück. Goldie, eine wortwörtlich goldblonde Schönheit, gibt sich ihm hin. Doch wird die «Göttin» kurz darauf im Bett neben ihm ermordet, ohne dass er es bemerkt. Marv schwört Rache. Die sei «laut und hässlich», küngigt er an, auf seine Art eben. Und eben diese hat das Mainstream-Kino bisher nicht gesehen.

Gespielt wird Marv von Mickey Rourke, den man allerdings unter all dem Silikon der Maske und dem CGI, das ihn zum Geschöpf Millers macht, nicht erkennt. Trotzdem: Schauspielerisch leistet der seit langem aus Hollywoods Interesse verschwundene Rourke Großes, wenn nicht sogar das Größte seiner bisherigen Karriere.
Blutverschmierter Steinbeißer
Ganz anders als der mal Hulk, mal einem blutverschmierten Steinbeißer ähnelnde Marv kommt der hübsche Dwight (Clive Owen) daher. Ein geflohener Häftling, der nach einer Gesichtsoperation in seine Heimatstadt zurückgekehrt ist. Er sieht sich selbst als eine Art Schutzengel der Frauen, egal ob Prostituierte oder Barmädchen. Als er seine Freundin Shellie vor dem irren Jackie Boy (Benicio Del Toro) schützt, gerät allerdings die feine Machtbalance zwischen der Mafia, der Polizei und den käuflichen Frauen der Old Town ins Kreuzfeuer. Ein Krieg steht bevor.

Bleibt schließlich Hartigan (Bruce Willis), ein alter Polizist mit Herzproblemen, der bei seinem letzten Einsatz ein elfjähriges Mädchen vor einem Sexualmörder retten will. Er findet das Kind rechtzeitig und verstümmelt den Wahnsinnigen. Doch bringt ihm das nicht nur den bleihaltigen Zorn seines Kollegen ein, er landet im Gefängnis. Der Mörder ist der Sohn des Senators.

Um die mittlerweile volljährige Nancy (Jessica Alba) erneut zu retten, lässt Hartigan sich nach acht Jahren Einzelhaft auf einen dreckigen Deal ein, ohne zu wissen, dass er die als Tänzerin in einem Club arbeitende junge Frau damit in Gefahr bringt.

Schön und verzweifelt
Schwarz und Weiß, so wie die Bilder sind auch die Motive und Gefühle der Figuren, die durch «Sin City» treiben. Alles scheint aufs für die Geschichte Wesentliche reduziert: Frauen sind schön und durchtrieben, Männer brutal und verzweifelt. Erlösung gibt es nur kurz, wenn sie zusammen finden, und dann gibt es meist auch ein farbiges Aufleuchten. Nur Marv, der sich nach eigenen Angaben zur Wahrheit durchschießen will, hat nichts zu verlieren. Er stirbt den wohl bisher heftigsten Leinwandtod der Geschichte.
Gemälde der Hoffnungslosigkeit
Die schwächste der Episoden ist die zweite, «The Big Fat Kill», obwohl oder gerade weil Rodriguez hier von Tarantino unterstützt wurde. Zuweilen aus dem Takt geraten wirkt Dwights Versuch, die Frauen zu retten, und das obwohl der Beschützer und der Irre wunderbar zusammenspielen und die klingenbewehrte Miho (gespielt von Model Devon Aoki) wie eine gelungene Weiterentwicklung der Gogo aus «Kill Bill I» auftritt.

Auch Hartigan fällt gegen den nahzu unverwundbaren Marv ab, doch immerhin ist der Gegensatz des alten melancholischen Mannes und der rehäugigen Schönheit, die sich gemeinsam gegen den zu einem stinkenden gelben Zwerg mutierten Mörder stellen müssen, ein sehr schönes Gemälde der Hoffnungslosigkeit einer Stadt, in deren Adern nichts außer Blut, Tränen, Sperma und Geld zirkulieren.