netzeitung.de«Blade Trinity»: Wesley Snipes und der Vampirpudel

 Herausgeber: netzeitung.de

Wesley Snipes ist Blade (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Wesley Snipes ist Blade
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Blade-Fans können aufatmen. Nach einem desaströsen zweiten Teil kommt mit «Blade Trinity» nicht nur der vorerst letzte Teil in die Kinos, sondern auch der bisher gelungenste.

Wie man bereits am Beispiel zahlreicher Actionfilme erfahren durfte, können Regisseure sehr viel falsch machen. Man denke nur an Jerry Bruckheimers Art, mit Geld zu werfen und dabei zu hoffen, den richtigen Schauspieler, Kameramann oder Drehbuchautoren zu treffen. Oder das vermeintliche Allheilmittel Will Smith, der ein paar Mal zu häufig seinen Auftritt aus «Independence Day» wiederholen musste, und spätestens in «I, Robot» mit seinen weißgewaschenen Onelinern niemanden mehr zum Lachen brachte. Oder aber den großartigen Comic-Charakter Blade, den Daywalker, den Halbvampir, der zwar das Licht erträgt, aber nicht die Hälfte seines Seins und deshalb unerbittlich die jagt und tötet, die ihn dazu gemacht haben.

Als sich nach einem ordentlichen Piloten der Comic-Verfilmung, «Blade» (1998), ausgerechnet Comicfan Guillermo del Toro der Regie des zweiten Teils annahm – «Blade 2: Bloodlust» - entstand eine traurige Muppetshow der Untoten, durch die ein mit Spezialeffekten strangulierter Wesley Snipes wankte, dem kein method acting mehr half, um der Geschichte irgendwie Leben einzuhauchen.

Das scheint den Drehbuchautoren aller «Blade»-Filme, David S. Goyer, so gequält zu haben, dass er beim dritten und angeblich auch letzten Teil «Blade Trinity» selbst Regie geführt hat.

Gejagt vom FBI und Dracula
Genervt und dezimiert von Blades Feldzügen beschließen die Vampirfürsten – angeführt von einer herrlich durchgeknallten Danica Talos (Independent-Star Parker Posey) – den Daywalker ein für alle Mal zu erledigen. Und da doppelt besser hält, hetzen sie ihm nicht nur das FBI auf den Hals, sie fahren auch noch nach Syrien, das ja bekanntermaßen auf der «Achse des Bösen» liegt, um den schrecklichsten aller Untoten zu Hilfe zu holen: Dracula.

Mit erster Variante ist Goyer bereits etwas Wunderbares gelungen: Das FBI glaubt, einem Serienmörder auf der Spur zu sein. In ihrer Wahrnehmung, die natürlich nicht von der Existenz von Vampiren ausgeht, handelt es sich um einen schizoiden Killer mit Wahnvorstellungen. Das führt zu der grandiosen Szene, in der Blade sich von einem Psychiater fragen lassen muss, wie denn die Beziehung zu seiner Mutter gewesen sei. Für kurze Zeit wird das Spiel umgedreht, als hielte die Realität Einzug in Horror-Fantasyland. Plötzlich sieht Snipes - dem man sein Alter mittlerweile ansieht, aber in Kampfszenen nicht anmerkt – tatsächlich aus wie ein armer Irrer, der Monster sieht, wo keine sind. Aber eben nur für einen Augenblick.
Dracula heißt jetzt Drake
Zu diesem Zeitpunkt ist bereits Dracula in der Stadt, der natürlich mittlerweile Drake heißt und, wenn er nicht gerade sehr schlecht gelaunt ist, aussieht wie ein charismatischer Rockstar. Sehr klassisch und elegant bewegt sich «Blade 3» in dieser schon tausend Mal erzählten Geschichte von großen Showdown. Und das - anders als seine Vorgänger – mit großem Humor, ohne dabei albern zu wirken.

Das liegt vor allem auch an den neuen Mitspielern von Snipes, der seinem Diva-Image während der Dreharbeiten übrigens wieder einmal alle Ehre gemacht haben soll. Die Charaktere Hannibal King (Ryan Reynolds), fatalistischer Ex-Vampir mit Vampirpudel-Problem, und Abigail Whistler (Jessica Biel), schöne Kämpferin und Tochter von Blades Lehrmeister, helfen dem anfangs widerwilligen Daywalker beim Jagen. Zu einem wunderbaren Soundtrack aus dem Hause RZA glänzen die drei in erstklassigen Kampfszenen und entwickeln eine sehr zeitgemäße Methode, um mit dem «ersten seiner Art» fertig zu werden.