09.12.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Mr. Incredible
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
«Die Unglaublichen», der neueste Film aus dem Hause Pixar, zeigt, was passiert, wenn ein Superheld plötzlich als Versicherungsangestellter arbeiten muss.
Sein viel zu durchschnittliches Leben frustriert ihn gewaltig: Bob Parr, Familienvater, zwängt sich jeden Tag in sein viel zu kleines Auto, fährt zu seiner langweiligen Arbeit als Versicherungsangestellter, um in einer viel zu kleinen Kabine garstige Kunden zu beraten. Dabei war er vor 15 Jahren mal ein Superheld, sogar DER Superheld schlechthin. Der beliebte Mr. Incredible, der seine übermenschlichen, Wälder ausreissenden Muskelkräfte benutzte, um in Not geratenen Menschen zu helfen.
Doch die gute alte Zeit war mit einem Schlag vorbei, als ein geretteter Selbstmörder seinen Anwalt mobilisierte und auf Schadensersatz klagte. Damit wurde eine Lawine losgetreten: Immer mehr unfreiwillig gerette Menschen verklagten die gutmeinenden Helden, die letztlich auf Wunsch der Regierung in eine normale Existenz untertauchen mussten. Order: Familie Incredibles übermenschliche Fähigkeiten dürfen nicht mehr zum Einsatz kommen es sei denn, es bemerkt keiner. Seitdem hat Bob Parr gute 30 Kilo zugenommen, wirkt eher bullig als durchtrainiert und führt einen für ihn viel zu kraftlosen Alltag mit seiner Frau Helen, seinen Kindern Flash und Violetta und dem Baby, dem einzigen Familienmitglied, das scheinbar keine Superkräfte besitzt.
Im neuesten Werk aus dem Hause Pixar spielt Regisseur Brad Bird mit den Erwartungen an einen Superhelden-Film, doch kehrt er die Konventionen des Genres einfach ins Gegenteil. Mit viel bissigem Humor zeigt er das Leben der Parrs, das sich von dem des Durchschnittsbürgers kaum unterscheidet und die Frustration, die sich einschleicht, wenn man nicht der sein darf, der man ist. Die Grundidee ist dabei nicht unbedingt neu und wurde filmisch schon mehrfach bearbeitet - wie etwa in «Return of Captain Invincible» oder «Wer fürchtet sich vor Amerika?».
Selten allerdings wurde sie mit soviel Witz und Ironie verfilmt wie in diesem fünften Pixar-Hit in Folge. Und auch nie vorher konnte man so staunen wie in «Die Unglaublichen». Schließlich ist in diesem Film technisch noch viel mehr möglich, als bei den vorherigen Produktionen: Nach Spielzeug («Toy Story»), Insekten («Das große Krabbeln»), Monstern («Die Monster AG») und Fischen («Findet Nemo») sind nun erstmals - wenn auch in ihrer Physiognomie comichaft überzeichnet - Menschen die Hauptfiguren.
Geheime MissionUnd fast menschlich verhält sich Parr auch, als er das erstbeste Angebot annimmt, um seiner Tristesse zu entkommen und seine einrostenden Superkräfte mal wieder etwas zu trainieren. Allerdings erkennt er zu spät, dass es sich bei der geheimen Mission um eine Falle handelt.
Wie «Findet Nemo» und alle anderen Pixar-Filme sind auch die «Die Unglaublichen» voll mit zu entdeckenden Kleinigkeiten. Das Design fängt die Reihenhäuser und die Interieurs im schicken 60er-Look ein, und Bird zitiert quer durch das Helden-Genre. Das macht die «Unglaublichen» einfach unglaublich.