netzeitung.de«Girls Club»: Kriegsschauplatz Schulhof

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'Girls Club - Vorsicht bissig' (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'Girls Club - Vorsicht bissig'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ein Mädchen kommt neu an eine Highschool und muss sich zwischen diversen Cliquen entscheiden. Das geht so lange gut, bis sie sich in den Falschen verliebt.

In den USA gibt es für eigentlich jedes Problem den entsprechenden Ratgeber - sei es Drogenabhängigkeit, ein depressives Haustier oder die Suche nach Mr. Right. Weil die amerikanische Highschool besonders für Mädchen-Teenie-Seelen eine nicht zu unterschätzende Gefahrenzone ist - ein täglicher Kriegsschauplatz um Cliquenbildung und Intrigen - hat die Autorin Rosalind Wiseman einen Ratgeber für betroffene Eltern geschrieben, die sich darum sorgen, dass die strenge Hierachie auf dem Schulhof ihrem Spössling irreparablen Schaden zufügen könnte.

«Queen Bees and Wannabees: Helping Your Daughter Survive Cliques, Gossip, Boyfriends and Other Realities of Adolescence» (In etwa: Königinnen und solche, die es werden wollen: Wie Sie ihrer Tochter helfen können, Cliquen, Tratsch, Freunde und andere Realitäten der Pubertät zu überleben) heißt das Buch und hat bei «Saturday Night Life»-Autorin Tina Fey solch einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, dass sie es zur Grundlage eines Drehbuchs machte. Und Regisseur Mark Waters hat es verfilmt: «Girls Club - Vorsicht bissig».

Waters hat nach seiner Körpertauschkomödie «Freaky Friday» für die Hauptrolle in «Girls Club» erneut auf Lindsay Lohan, Hollywoods neue Teenage-Comedy-Queen, zurückgegriffen. Diesmal heißt sie Cady Heron und ist zu Beginn des Films im Verhältnis zu «Freaky Friday» noch eine relativ nette und harmlos sympathische Highschool-Schülerin. Die vergangenen Jahre hat Cady mit ihren Eltern im afrikanischen Busch gelebt. Daher ist ihr das Prinzip, dass nur die Stärksten überleben, durchaus bekannt. Dass es jedoch an ihrer neuen Highschool in Illinois noch deutlich wilder zugeht als in der Wildnis selbst, hätte sie nicht gedacht.

Scharfkralliger Zickenkrieg
Dort sind die Reviere von den Mathe-Nerds bis zum aufgerüschten Tussi-Geschwader eindeutig abgesteckt. Cady kümmert sich zunächst nicht darum und freundet sich ganz unbefangen mit den Außenseitern Janis Ian (Lizzy Caplan) und Damian (Daniel Franzese) an. Dann beginnen sich jedoch die lipglossige, immer in Pink gekleidete Mädchen-Clique «Plastics» mit ihrer scharfkralligen Anführerin Regina für Cady zu interessieren, und Janis und Damian kommen auf die Idee, Cady bei den machtbesessenen Modepuppen als Undercover-Agentin einzuschleusen. Allerdings rechnen sie nicht damit, dass Cady mit der Zeit von den «Plastics» zu einer der ihren gemacht wird. Als sich die «Neue» dann auch noch in Reginas Ex-Freund verliebt, bricht der Zickenkrieg aus.

Mit bunten Bubblegum-Bildern taucht Waters in den Schulkosmos ein und erinnert dabei an großartige Highschool-Satiren wie «Clueless» oder auch «Romy and Michelle». Ungeschriebene Schulgesetze wie die strikte Aufteilung der Tische in der Cafeteria werden satirisch zerlegt, ein paar Spitzen gegen heimunterrichtete Kinder abgefeuert, und Cadys Sabotagen gegen Reginas Modellgewicht werden zum Running-Gag (der leider mit der Zeit etwas abflaut).

Doch auch wenn «Girls Club» alles etwas überdreht, liegen Karikatur und Realität hier wohl gar nicht so weit auseinander. Dabei haben besonders die beiden stutenbissigen Hauptakteurinnen Lohan und Regina-Darstellerin Rachel McAdams eine köstliche Giftspritzigkeit. Und das sogar obwohl Cadys 180-Grad-Drehung zur arroganten Ziege eher grenzwertig glaubwürdig scheint.

Filmgewordenes Lehrbuch
Nach dem anfänglich wunderbar bissigen Blick auf den Highschoolalltag und das künstliche Zickengeschwader entwickelt sich «Girls Club» allerdings zum filmgewordenen Lehrbuch über Wege zum harmonischen Miteinander. «Jemand anderes als dumm zu bezeichnen, macht dich nicht klüger», sagt Tina Fey, die die Rolle der Mathelehrerin Ms. Norbury übernommen hat, bei der Massenläuterung am Schluss. Vielleicht muss das für den gemeinen amerikanischen Highschoolgänger in so tumber Eindeutigkeit gesagt werden. Für alle, die diese Phase bereits schadlos überwunden haben und den Film nicht als Spiegel ihrer Realität empfinden, hätten Fey und Waters den bissigen Ton lieber bis zum Schluss durchhalten sollen.