netzeitung.deGanoven in Not: «Stealing Rembrandt»

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Unaufgeregt und mit freundlichem Blick berichtet «Stealing Rembrandt» von dänischen Kleinkriminellen, denen beim Super-Coup das Leben dazwischen kommt.

So viel ist wahr: Im Januar 1999 hat es in Dänemark einen Kunstraub gegeben, der so einfach wie spektakulär war. Zwei Männer kauften Eintrittskarten für die Gemäldegalerie Nivaagaard in Kopenhagen, schlenderten durch die Gänge und nahmen zum Schluss einfach Rembrandts «Portrait einer Dame» und Bellinis «Portrait eines jungen Mannes» mit. Die Bilder, deren Gesamtwert auf rund 25 Millionen Euro geschätzt wird, waren dann für die Polizei schier unauffindbar. Erst zwei Monate nach dem Raub wurden zwei Verdächtige festgenommen, die die Ermittler auf die Fährte der Täter führten. Die Gemälde tauchten erst ein halbes Jahr später wieder auf – unversehrt und sicher in einer Kiste verpackt.

So eine Geschichte gibt viel her, vor allem Kleinganovenklamauk. Schließlich ist dieses Genre seit Jahren nicht tot zu kriegen, in dem in unzähligen Varianten von Verlierertypen erzählt wird, die immer den großen Plan zum noch größeren Geld haben, der dann aber auf lächerliche Art und Weise Weise scheitert. Von Woody Allen, der in «Schmalspurganoven» nach einem fehlgeschlagenen Einbruch zufällig zum neureichen Keksfabrikanten aufsteigt bis zur glücklosen Trottelbande aus «The Safecrackers».

Der dänische Regisseur Jannik Johansen jedoch hat den dreisten Raub in seinem anrührenden wie witzigen «Stealing Rembrandt - Klauen für Anfänger» ganz anders aufgezogen. Sein Spielfilmdebüt hat dabei mit der Olsenbande ungefähr soviel gemeinsam wie Lars von Triers «Dancer in the Dark» mit dem Musical-Klassiker «Singin' in the Rain».

Tiefe statt Einfältigkeit
Einen großen Anteil daran hat das Skript von Anders Thomas Jensen, der auch die Drehbücher für den wohl warmherzigsten aller Dogma-Filme «Mifune» und Susanne Biers traurige Liebesgeschichte «Open Hearts» geschrieben hat. Bei ihm ist - anders als in herkömmlichen Ganovenfilmen - die Einfältigkeit nicht der stärkste, alles menschliche überdeckende Charakterzug. Auch ist es kein Film, in dem für die Ganoven der Plan und der Safe und für die Zuschauer das pannenreiche Scheitern das Ziel sind. Der Coup selbst ist in «Stealing Rembrandt» ganz schnell über die Bühne gebracht.

In diesem Film geht es vielmehr um normale Menschen, die sich so echt anfühlen wie die reale Begebenheit ist, auf der der Film basiert. Der kleine Schrottdieb Mick (Lars Brygmann), sein Sohn, der Kleinkriminelle Tom (Jakob Cedergren), und ihre Komplizen haben nicht nur mit den Schwierigkeiten des erfolglosen Gemäldeverkaufs, sondern auch mit den Widrigkeiten des Lebens zu kämpfen. Statt tumbem Klamauk geht es um eine Annäherung in der schwierigen Vater-Sohn-Beziehung zwischen Mick und Tom, um Toms Affäre mit der reichen, verheirateten Charlotte (Paprika Steen) und Micks Liebe zur Pornodarstellerin Trine (Sonja Richter).
Unaufgeregte Sicht auf die Dinge
Mit wunderbaren Darstellern und mit Bildern, die genauso warm sind wie die Darstellung der Figuren, gibt «Stealing Rembrandt» eine angenehm unaufgeregte Sicht auf die Dinge. Das erinnert an Filme wie Lone Scherfigs «Italienisch für Anfänger» und deren Leichtigkeit im Umgang mit den verschiedenen Schwierigkeitsstufen des Lebens, ohne den Ernst oder den überlebenswichtigen Humor zu verlieren.

Nach dem Diebstahl 1999 hat das Kopenhagener Museum übrigens ein neues Sicherheitssystem einbauen lassen. Vielleicht handelt es sich bei dem wiedergefundenen Rembrandt allerdings gar nicht um das Original. Das könnte schließlich neben einem Star-Wars-Poster in der Kopenhagener Wohnung eines Langzeitstudenten hängen.