netzeitung.de«I, Robot»: Früher war alles besser

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Will Smith in 'I, Robot' (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Will Smith in 'I, Robot'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Chicago 2035: Ein Roboter soll einen Menschen getötet haben. Will Smith gibt einen technikfeindlichen Polizisten, der während der Ermittlungen an Fragen der Philosophie des Geistes vorbeihechtet.

Noch nie war Science Fiction so fortschrittsfeindlich und rückwärtsgewandt. In Hollywoods neuestem Action-Film zum Thema Künstliche Intelligenz wird man das Gefühl nicht los, der rechte Flügel der Republikaner hätte das Drehbuch abgenommen: Früher war alles besser, traue niemandem, den du nicht kontrollieren kannst, und schwarze Männer küssen keine weißen Frauen.

Dabei verspricht der Anfang von Alex Proyas «I, Robot» einiges: Ein Mann erwacht aus einem Albtraum, in dem er zu ertrinken droht. Er ist schweissgebadet, und fast «Blade Runner»-gleich ausgeleuchtet windet sich der wie immer erfreulich gut gebaute Will Smith aus dem zerwühlten Bett -mit einer Pistole in der Hand und einer beeindruckenden Narbe an der linken Körperseite, die Hoffnung macht, dass sein Charakter diesmal nicht glatt poliert und ohne-Altersbschränkung-charmant durchs Set hechtet. Doch weit gefehlt.

Smith spielt den Polizisten Del Spooner, der im Jahre 2035 die Straßen der Stadt Chicago sicherer machen soll, auf denen sich abgesehen von größeren Werbeanzeigen, aerodynamischeren Autos und Robotern, die als Einkaufshilfen oder Paketboten unterwegs sind, nicht viel geändert zu haben scheint.

Allerdings macht Spooner gleich zu Beginn klar, wo er steht: mit einem der tumbesten Productplacements der Filmgeschichte. Spooner packt ein Paar Converse-Turnschuhe aus. «Vintage 2004», wie er begeistert feststellt, nicht der moderne Plastikquatsch, sondern handgenähtes 50er-Jahre-Design. Diesen Schuhen entspricht auch ungefähr Spooners Einstellung gegenüber Robotern. Das futuristische Metall-Gesocks soll weg, denn man kann ihm nicht trauen. Er verdächtigt die humanoiden Geschöpfe, eigene Gedanken zu haben. Und da sie den Menschen dienen, sei es nur eine Frage der Zeit, wann sie aufbegehren.

Das Ende der Menschheit
Schlecht für Spooner, dass der irgendwie an Microsoft erinnernde Super-Konzern U.S.Robotics die Einführung eines neuen Roboters plant, des NS-5. Jeder Haushalt soll eines dieser High-End-Technik-Exemplare bekommen - eben fast so wie Bill Gates’ Traum von der allumfassenden Verbreitung von Windows.

Der misstrauische Polizist, der seine Kollegen mit seinen Dünkeln nervt und hin und wieder harmlose Roboter dingfest macht, sieht das Ende der Menschheit gekommen. Doch steht er damit allein da. Sogar seine Oma, eine Art Super-Mutti mit Dutt, Schürze und altmodischem Herd, freut sich über die schicken, hilfsbereiten Maschinen.

Bestätigt sieht sich Spooner, als der Roboter-Erfinder Alfred Lanning stirbt. Der Leiter der Forschungsabteilung bei U.S.Robotics hat sich spektakulär just einen Tag vor Auslieferung der NS-5s in der Unternehmenszentrale zu Tode gestürzt. So sieht es jedenfalls aus. Aber Spooner glaubt nicht an Selbstmord, und sein Zweifel führt ihn zuerst zu der Psychologin Susan Calvin (Bridget Moynahan, bekannt aus «Sex and the City») und dann zu Sunny, dem Hauptverdächtigen. Ein äußerst sensibler Roboter.
Bauernschlauer Proll
Nun beginnt eine CGI-Show, die ihres Gleichen sucht und die eigentlich die Hauptrolle in diesem Action-Film spielt. Denn auch wenn betont wird, dass die Kurzgeschichten des Science-Fiction-Kultautors Isaac Asimov als Inspiration für den Filmplot gedient haben und immer wieder seine drei Gesetze der Robotik zitiert werden, die Beschäftigung mit dem Thema Künstliche Intelligenz ist in diesem Film ungefähr so tiefgehend wie die Oneliner von Will Smith. Und der macht eigentlich das Gleiche, was er auch schon in «Independence Day» getan hat. Nur diesmal mit Robotern anstatt mit Aliens. Er ist der bauernschlaue Prolet und jagt die Maschinen, bis er an die Quelle des Bösen gelangt. Wirklich nichts erinnert an die gedankliche Schönheit von «Ghost In The Shell» oder die schaurige Einfachheit von Kubricks Hal in «2001 - Odyssee im Weltraum».

Interessant zu beobachten ist an «I, Robot» vor allem auch das Verhältnis zwischen Calvin und Spooner. Die Ärztin ist die Frau im Film des Polizisten, doch sinkt sie am Ende nicht in seine Arme. Hollywood kann zwar Maschinen denken lassen, doch soweit, dass ein schwarzer Mann eine weiße Frau küsst, ist man im Mainstream noch nicht.

«I, Robot» bleibt ein technisch wirklich grandios umgesetztes Action-Spektakel, mit großartigen Kampf- und Massenszenen. Doch auch mit der für solche Filme meist üblichen oberflächlichen Story.