netzeitung.deKampf der Bilder: «The Punisher»

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'The Punisher' (Tom Jane) (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'The Punisher' (Tom Jane)
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ein-Mann-sieht-Rot ist immer ein vielversprechender Actionfilm-Ansatz. Doch während «The Punisher» zu Beginn alle Versprechen einlöst, zerstört er sich am Ende selbst.

Ein Sportwagen rollt auf ein Fabrikgelände. Auf dem roten Lack stehen Wassertropfen, die Regen oder Tau sein können, und in diesem Augenblick oszilliert das Film-Bild in seinem Perfektionismus zwischen der Realität des Filmsets und der Fiktion der gezeichneten Bilder der Comic-Vorlage. «The Punisher» (Der Bestrafer) heißt die neue Verfilmung eines Marvel-Comics. Und erstmals ist der Held ein Mensch, der schwitzt, heult und sterben kann - aber nicht fliegen, durchs Feuer gehen oder im Dunkeln sehen.

Der Name des Helden ist Frank Castle, gespielt von Tom Jane, der aussieht wie der junge Christophe Lambert. Er ist Polizist diverser Sondereinheiten, der mal gegen Terroristen und mal gegen Mafiosi kämpft. Nach einem letzten Auftrag, bei dem er einen Waffenhändlerring hochgehen lässt und zufällig auch der Sohn des lokalen Mafia-Bosses getötet wird, quittiert Castle den Dienst, um sich endlich um Frau und Sohn kümmern zu können. Er bekommt eine neue Identität und ein neues Zuhause. Doch ist der Neuanfang natürlich nicht möglich.

Die Handlanger des Bösewichts (John Travolta), der bezeichnenderweise Howard Saint (Heiliger) heißt, kommen, um Castle zu töten. Und weil zu einem perfekten Bösewicht auch eine niederträchtige Frau gehört, heißt der Auftrag, als Rache für den Sohn nicht nur den Ex-Cop, sondern dessen gesamte Familie auszulöschen.

Die Jagd beginnt
Castle allein überlebt das Massaker. Und nun beginnt die aus Klassikern wie «Death Wish» mit Charles Bronson bekannte Jagd auf die Verantwortlichen. Auch wenn der Held keine übernatürlichen Kräfte besitzt, weiß er doch mit Waffen umzugehen - vom Messer bis zur Bombe - und Strategien zu entwickeln, um mit der Übermacht des Saint-Clans fertig zu werden.

Auch Tradition haben die Helfer, die Castle zur Erfüllung seiner Mission zur Seite gestellt werden. Die erinnern in «The Punisher» allerdings manchmal an die Niedlichkeit von Beiwerk in Disney-Filmen: So ähnelt der dicke, opernbegeisterte Bumpo (John Pinette) an einen netten, verklemmten Bären und der im Gesicht nahezu überall gepiercte Dave (Ben Foster) an einen kleinen Hasen, der in der Not Mut beweist. Erstaunlich weich und (endlich) realistisch ängstlich ist «die schöne Frau», die Castle trösten will. Gespielt von Rebecca Romijn-Stamos, bekannt aus «Femme Fatale».
Balance der Bilder
Mit Jonathan Hensleigh hat einer der profiliertesten Drehbuchautoren im Action-Genre Hollywoods («Die Hard: With a Vengeance», «Armageddon») sein Regie-Debüt gegeben. Und die meiste Zeit hat es hohen Unterhaltungswert, dem «Punisher» dabei zuzusehen, wie er gegen die scheinbar unbesiegbaren Feinde vorgeht, einen nach dem anderen ausschaltet - was mitunter an «Kevin allein zu Haus» erinnert - und den Bösewicht zunehmend wütend macht, aber eben auch schwächt.

Der letzte Vergleich ist ernst gemeint, denn es mangelt dem Film nicht an Humor. Während Killer auf Castle angesetzt werden, die Hensleigh sich aus anderen Filmen geliehen zu haben scheint - zum Beispiel Robert Rodriguez' El Mariachi oder ein Russe, der stark dem «Beißer» aus James Bond ähnelt - gibt es immer wieder Situationen, in denen die Gewalt ins Groteske, eben Comic-hafte kippt. So hält der Film die nötige Balance.

«Um Frieden zu schaffen, muss man Krieg führen»
Die bricht allerdings bald zusammen, denn leider hat Hensleigh dem «Punisher» Worte in den Mund gelegt, die einem Donald Rumsfeld alle Ehre machen würden. «Um Frieden zu schaffen, muss man Krieg führen», sagt Castle und lädt sein Gewehr durch. Oder «in Ausnahmefällen muss man Gesetze brechen». Hier holt die Realität die Fiktion ein, und jeder noch so politisch uninteressierte Zuschauer wird sich in seinem Kinositz mit einem Mal unwohl fühlen. Vor allem wenn Hensleigh am Ende auch noch Bilder benutzt, wie sie gerade im Live-Bericht vom Krieg der USA gegen Irak aus Falludscha im Fernsehen zu sehen waren: Castle hat alle getötet, die er des Mordes an seiner Familie schuldig fand - bis auf Saint. Den erschießt er in einem kurzen Duell nach bester Western-Art. Dann bindet er ihn an einen Wagen, der den brennenden Toten auf einen Parkplatz schleift, bevor alles in Flammen aufgeht. In diesem Augenblick bricht Hensleigh ein Tabu. Und er kann sich nicht herausreden, dass er es kritisch gemeint hätte. Dafür haben die vorhergehenden Actionszenen zu viel Spaß gemacht.