netzeitung.deNoch einmal mit Gefühl: «Kill Bill Volume 2»

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'Kill Bill Volume 2' (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'Kill Bill Volume 2'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nach dem alles niedermetzelnden blanken Hass des ersten Teils geht Quentin Tarantino die Sache in «Kill Bill Volume 2» deutlich ruhiger an - und mit mehr Gefühl.

Billy Wilder hat einmal gesagt, die beste Geschichte für einen Film sei immer wieder «Ein Mann trifft eine Frau». Es käme dabei nur darauf an wie.

In keinem seiner von ihm selbst realisierten Filme – deshalb steht die großartige Romanze «True Romance» außen vor - hat sich Regisseur Quentin Tarantino mit diesem Thema so intensiv auseinander gesetzt wie in «Kill Bill». Auch wenn das erst im zweiten Teil klar wird.

Bei allem, was die Killer tun, geht es um Liebe: enttäuschte Liebe (Bill), Eifersucht (Elle) oder auch Hass, der das Negativ der Liebe ist und ein ebenso intensives Gefühl.

Letzterer war die einzige Handlungs-Motivation in «Kill Bill Volume 1» – weshalb viele Kritiker dem Film Kälte und Distanz vorgeworfen haben. Nachdem «die Braut» erwacht ist, hasst und tötet sie: Sie hasst und tötet ihre Vergewaltiger im Krankenhaus, sie hasst und tötet ihre ehemaligen Kollegen und alle, die sich der Erfüllung ihrer Rachelust in den Weg stellen. Denn es ist wortwörtlich blanker Hass, der sie treibt. Hass auf den Menschen, in dem sie den Verantwortlichen für ihren eigenen Fast-Tod, aber auf jeden Fall den Verantwortlichen für den vermeintlichen Tod ihres Kindes sieht, das sie in sich trug, als sie nach einem Kopfschuss für vier Jahre ins Koma fiel: Bill.

Klar wie ein sauber abgetrennter Arm
Während sich also der erste Teil auf nur ein Gefühl beschränkte, für das Tarantino das Bild eines in Blut ertränkten cholerischen Anfalls gewählt hat, liefert «Kill Bill 2» die restliche Bandbreite an Emotionen. War «Kill Bill Volume 1» klar und deutlich wie ein sauber abgetrennter Arm, folgt in «Kill Bill Volume 2» das große Durcheinander. Plötzlich wird nicht mehr geschlachtet, sondern geredet und erklärt, wo der große Hass eigentlich herkommt.

Natürllich bietet es sich auch diesmal an, die unzähligen Zitate aus der Filmgeschichte abzuhaken, die Tarantino formvollendet vorführt: von Thurman als «Über den Dächern von Nizza»-Grace-Kelly bis zu Jackie Chans «Drunken Master» oder «Magnum». Und sicher ist der Vorwurf berechtigt, dass das Sampling als Mittel zum Zweck zuweilen etwas langweilt, weil man schon damit rechnen muss. Andererseits: Warum sollte man einem Regisseur sein Stilmittel vorwerfen, zumal wenn er es beherrscht wie kein anderer.

Von der Killerin zur Mutter
«Kill Bill Volume 2» beginnt damit, dass «die Braut» selbst erzählt, dass auf ihrer To-Do-Liste für diesen Film noch drei Namen stehen. Und der Zuschauer erfährt auch, warum sie das «Deadly Viper Assassination Squad» eigentlich verlassen hat. Eine der schönsten Szenen des Films ist, wenn Thurman sich in einer Rückblende mit einer auf sie angesetzten Killerin über einem Schwangerschaftstest und mit gezückten Pistolen auf einen Waffenstillstand einigt, weil sie gerade erfahren hat, dass sie Mutter wird.

Das ist der Grund, wie sie Bill später zu erklären versucht, warum sie ihn verlassen musste: «Ich war jetzt keine Killerin mehr, ich war Mutter.» Deshalb habe sie gehen müssen, um ein neues, sicheres Leben anzufangen als Verkäuferin in einem Plattenladen irgendwo auf dem flachen Land, an der Seite irgendeines nichtssagenden netten Kerls.

In einem tarantinoesken Dialog erster Güte erläutert Bill seiner ehemaligen Freundin dann, dass genau das ihr Fehler gewesen sei. Sie könne genauso wenig jemand anderes werden wie sie ihrer Liebe entkommen könne. Auf die Frage der «Braut» an Bill – kurz vor dem Massaker in der Kirche -, wie er sie gefunden habe, antwortet der verwitterte David Carradine: «Weil ich der Mann bin.» Und das hätte auch Osgood Fielding III. in Billy Wilders «Manche mögen's heiß» sagen können. Nur, was Bill in diesem Augenblick nicht weiß, ist, dass die Braut auch ihn finden wird.