Versuch, einen Vater zu finden: «Die Rückkehr»
02.04.2004
Herausgeber: netzeitung.de
'Die Rückkehr'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
«Die Rückkehr» erzählt von zwei Jungen, die einen Vater finden, doch nicht genau wissen, was sie mit ihm anfangen sollen. Der russische Film gewann im vergangenen Jahr in Venedig den Goldenen Löwen.
Alles in Andrej Swjaginzews Debütfilm «Die Rückkehr» weckt Sehnsucht: das Meer, eine Fahrt in unendliche Weiten, ein geheimnisvoller Vater, ein Schatz. «Die Rückehr» ist ein Film der Sehnsucht. Auch wenn diese am Ende an ihren Ausgangspunkt zurückkehrt.
Die Geschichte zu dieser Sehnsucht gehört Ivan und Andrej, den einzigen Personen des Films, die überhaupt Namen tragen. Die anderen Charaktere heißen ihren Funktionen gemäß: Vater, Mutter, Großmutter, Dieb.
Ivan und Andrej sind Brüder, die mit ihrer Mutter und Großmutter in der russischen Provinz leben. Dort sieht man sie toben und Kräfte messen. Doch als sie eines Tages vom Spielen nach Hause kommen, ist die schöne, milde Mutter nervös. Rauchend steht sie im Hauseingang und sagt ohne weitere Erklärung: «Seid leise, euer Vater schläft.»
Ivan und Andrej haben ihren Vater seit mehr als zehn Jahren nicht gesehen. Er war bisher körperlos, ein Schatten auf einer alten Fotografie, die zwischen den Seiten einer Bibel auf dem Dachboden versteckt ist. Doch jetzt ist er da - und das mit der größt vorstellbaren männlichen Wucht. Es gibt keine Erklärungen, keine Hinweise, warum er seine Familie überhaupt verlassen hat. Und alle scheinen die vaterlosen Jahre bereitwillig vergessen zu wollen, außer Ivan.
Angelausflug als OdysseeAm nächsten Morgen nimmt der Vater seine Söhne mit auf eine Reise. Er hat sie als Angelausflug angekündigt. Doch während der etwa 15-jährige Andrej, glücklich über die Rückkehr des Vaters, wie ein Hündchen alles einfach hinnimmt, bleibt der etwas jüngere Ivan skeptisch. Woher wissen wir, dass es überhaupt unser Vater ist, fragt er seinen Bruder. Vielleicht will er uns töten oder auslachen, was für den Jungen mit dem großartig schlecht gelaunten Gesicht aufs Gleiche herauskommt.
Aus dem Angelausflug wird eine Odyssee, auf der Andrej und Ivan diverse Proben in einer Art Vater-und-Sohn-Spiel bestehen müssen. Und der Zuschauer fragt sich schließlich, was dieses Verhältnis eigentlich ausmacht. Was bedeutet es, Vater zu sein? Was ist ein Sohn? Swjaginzews Vaterfigur versucht, seine Söhne hart zu machen. Er lässt sie bildlich im Regen stehen, lässt sie emotional verhungern, bis sie weinen. Trotzdem gehen die Kinder mit dem mysteriösen Fremden eine Verbindung ein. Wenn auch nur kurz.