Trendige Überdosis: «Underworld»
29.01.2004
Herausgeber: netzeitung.de
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Ein Werbefilmer gibt sein Debüt als Kinoregisseur und hat einen Horrorfilm gedreht, dessen Vampire und Werwölfe scheinbar zu viel «Matrix» gesehen haben.
Mittlerweile scheint sich das Bild der alten und der neuen Welt bis in das Genre des Horror-Films herum gesprochen zu haben. Die Vertreter der alten Welt - und da hat sich der Film «Underworld» an den Ur-Text gehalten - sind die Vampire. Die schönen, nostalgischen Geschöpfe der Nacht, die morbid, aber doch elegant durch die Menschenwelt streifen, um ihren Blutdurst zu stillen.
Die Vertreter der neuen Welt haben sich hier gleich auch einen moderneren Namen als den herkömmlichen zugelegt: Werwölfe heißen jetzt Lycans. Und auch ihr Image wurde heftig aufpoliert, schließlich wurden Werwölfe bisher nicht annähernd so intensiv und schön auf die Leinwand gebracht wie Vampire. Aus der armen Kreatur, die darunter leidet, sich zu Vollmond in ein Biest zu verwandeln und sich danach an nichts erinnern kann - was bis zum niedlichen Oz in «Buffy - Im Bann der Dämonen» durchgehalten wurde - sind coole Lycans geworden, muskulös und in Leder; wenn sie nicht gerade zu Tieren werden.
Und natürlich liegen diese beiden Welten im Krieg. Und das schon über so viele Jahrhunderte, dass eigentlich niemand mehr genau weiß warum. Die Lycans jagen Vampire, die Vampire töten Lycans. Sie bezahlen sogar sogenannte Todeshändler dafür, die haarigen Unholde auszurotten. Bis so eine Killerin - namens Selene (ganz old school nach der römischen Mondgöttin) - etwas über die vermeintlich niedere Art herausfindet, das sie neugierig macht.
Ultraviolett-Geschosse statt SilberkugelnDa es sich um eine 20 Millionen Dollar teuere Horror-Action-Produktion handelt, geht es in «Underworld» nicht mehr um alte Schriften, hölzerne Pfähle oder Silberkugeln sondern um DNA-Analysen, Laptops und Ultraviolett-Geschosse. Vampire waren bisher nicht mal in «Blade» so bis an die Fangzähne bewaffnet.
Darin zollt der Film eindeutig dem Erfolg der «Matrix»-Filme Tribut. Und das ist auch das Problem des Films: Selene wirkt wie eine bissige Trinity, und in den Kampfszenen wartet man auf den Auftritt von Agent Smith. Dass der nicht kommt, lag wohl hauptsächlich am Budget. Und auch wie bei der Geschichte des Neo ist Len Wisemans Geschichte von Selene sehr deutlich auf eine Fortsetzung ausgelegt. Es kursieren sogar bereits Gerüchte, dass eine Trilogie geplant ist. (nz)