05.11.2003
Herausgeber: netzeitung.de
'The Matrix Revolutions'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
«The Matrix Revolutions» rettet vielleicht Zion, zerstört jedoch das Universum, das der erste «Matrix»-Film so elegant aufgebaut hat. Ganz im Sinne des Orakels: Alles was einen Anfang hat, hat auch ein Ende.
Möglicherweise liegt es daran, dass «Matrix»-Co-Autor und -Regisseur Larry Wachowski während der Produktion des finalen Matrix-Teils auch im Scheidungsstreit mit seiner Frau steckte. Wohl deshalb müssen Neo und Konsorten herhalten, um Larry und der Mitwelt zu versichern, dass es irgendwo da draußen doch Liebe gibt. Nicht einmal das Orakel bleibt davon verschont. «Auch Kekse brauchen Liebe», wurde ihr ins Drehbuch geschrieben.
Und damit Frau Wachowski ob der plumpen Message nicht genervt die Augen verdreht, wurden die Liebesbotschaften in Unmengen Text verpackt, die auch den letzten Zuschauer von «The Matrix Revolutions» früher oder später in einen gelangweilten Dämmerzustand befördern.
War «Matrix Reloaded» noch auf der Überholspur, um das große Finale vorzubereiten und hat mit spektakulären Szenen wie der Verfolgungsjagd auf der Autobahn für Vorfreude gesorgt, ist «The Matrix Revolutions» einfach von der Straße abgekommen und im Graben der Geschichte gelandet.
Als Dialoge getarnte MonologeDie bedeutungsschweren Sätze über Schicksal und Entscheidungsfreiheit, die im ersten Teil noch die Geschichte vorangetrieben haben, sind zu Monologen ausgewalzt, die sich als Dialoge ausgeben und zwischen Leinwand und Zuschauer auf halber Strecke in der Bedeutungslosigkeit verloren gehen.
Und die Enttäuschung macht selbst vor den Figuren nicht halt: Der sich selbst replizierende Agent Smith, im zweiten Teil noch gespenstische Bedrohung und ernstzunehmender Feind, ist im Finale ungefähr so angsteinflößend wie die Spam-Mail, die man morgens in Massen in der Mailbox findet. Es sind viele, aber man löscht sie eben.
Wenn dann auch noch der Herr der Maschinen - denn erstaunlicherweise haben ausgerechnet die Kreaturen des Cyberspace noch nichts vom Dezentralismus gehört - auftaucht wie der Zauberer von Oz und Neo als strahlender Messias durch die Gegend schwebt, entringen sich den Kehlen der Zuschauer befreiende Lacher. Doch das ist ein bisschen wenig für 130 Minuten Lebenszeit.
Keanu Reeves hätte besser auf seinen großen Kollegen Lee Marvin hören sollen, der bereits 1972 erkannte: «Wenn abzusehen ist, dass ein Film ein Erfolg wird, sorg' immer dafür, dass du darin stirbst.»