«Bad Boys II»: Spaß fürs Auge, Ärger fürs Hirn09. Okt 2003 07:47  | 'Bad Boys II' | Foto: PR |
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Zum zweiten Mal treten Will Smith und Martin Lawrence als «Bad Boys» an. Dabei ist aus 'hart und witzig' 'ekelig und geschmacklos' geworden.
Vor acht Jahren hat alles bestens funktioniert. Mit der Action-Komödie «Harte Jungs – Bad Boys» wurde der «Prinz von Bel Air»-Sitcom-Darsteller Will Smith zum Nachwuchssuperstar mit Supergagen, und sein Filmpartner Martin Lawrence, der einst amerikanischer «Star Search»-Finalist war und seine Wurzeln in der Stand-up-Comedy hat, erscheint seitdem regelmäßig auf den Besetzungslisten von Hollywood-Mainstream-Unterhaltung.
Mit «Bad Boys II» folgt nun also die Buddy-Reunion, die man wegen des überragenden kommerziellen Erfolgs des ersten Films eigentlich schon früher erwartet hätte. Jerry Bruckheimer, dessen Name Synonym für krachendes, verschwenderisches, oft aber auch sinnentleertes Action-Kino ist, hat nach dem ersten Teil auch diese Fortsetzung produziert. Und die funktioniert erwartungsgemäß nach dem Bruckheimer-Prinzip, einfach noch eins draufzusetzen. Neben dem offensichtlichen Ziel – schneller, härter und witziger – wird auch manch andere Grenze erweitert und manchmal überschritten.
Peinlicher Kleinkrieg bis nach Kuba Um ein Plot-Vehikel für diesen Film zusammenzuzimmern, wurden erstaunliche vier Drehbuchautoren gebraucht. Die letztlich verfilmte Story, die dramaturgisch schon unverschämt genügsam ist, scheint dabei allerdings nicht mehr als das Ergebnis eines Brainstormings, bei dem die Action-Ideen immer höher gestapelt wurden – ohne zu bemerken, dass sie sich, je näher sie dem Ende kommen, in die Sphären der Lächerlichkeit emporschwingen.
 | 'Bad Boys II' | Foto: Promo |
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Der neue Fall der beiden schwarze Drogenfahnder Mike Lowry (Smith) und Marcus Burnett (Lawrence) aus Miami beginnt noch so, wie man es nach dem ersten Teil vermuten konnte: hart aber witzig. Doch ihre explosive Konfrontation mit den Drogendealern, die mit dem Ku-Klux-Klan kooperieren, bleibt, was die Mixtur aus Komik und Action anbelangt, der Höhepunkt des Films. Danach geht es nur noch darum, die schmuggelnden Drogenbosse in immer heftigeren Action-Sequenzen hoch zu nehmen. Als schließlich Burnetts Schwester von den fiesen Drogenbossen entführt wird, weitet sich der Kleinkrieg gegen die Unterwelt sogar bis nach Kuba aus, wo noch das amerikanische Militär mitmischt. Während sich die Story abspult, wird man den Eindruck nicht los, man habe eine «Miami Vice»-Folge auf Steroiden vor sich, die von vier angeblich ausgewachsenen Autoren geschrieben wurde, die scheinbar ihre Schwäche für Kollisionen von Matchbox-Autos und Kriegsspielzeug nie wirklich hinter sich lassen konnten. Es bleibt einem also nichts anderes übrig, in «Bad Boys II» mit seinen Verfolgungsjagden, Schießereien und blöden Sprüchen - mehr noch als seinen Vorgänger - einen Film für die Augen und nicht fürs Hirn zu sehen. Regisseur Michael Bay, der auch schon den ersten Teil inszenierte, bietet schließlich auf Hochglanz polierte Bilder von heißen Autos, scharfen Frauen und großen Kanonen.
Grenzüberschreitungen Dass der Film für unzählige Blechschäden und Kugelhagel die 90-Minuten-Grenze überschreitet und sich bis auf zweieinhalb Stunden ausdehnt, muss man als Zuschauer ebenso verkraften, wie den Anflug völlig entgleisten Humors. Ohne Hemmungen wird in Kuba ein Armenviertel durchkreuzt und beim Durchrauschen gleich mit abgerissen. Drogen werden in tote Körper gestopft, Schädeldecken klappen auf, und Lawrence findet seinen fast-nekrophilen Aufenthalt auf einer dickbrüstigen Toten scheinbar gar nicht mal so unangenehm.
 | 'Bad Boys II' | Foto: PR |
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Als bei der finalen Verfolgungsjagd dann auch noch Leichen auf die Straße geschleudert und von den Reifen PS-starker Autos überfahren und zerquetscht werden, ist das allerdings schlicht geschmacklos. Aus schneller, härter, witziger wird ekliger, krasser, schonungsloser. Und der Wunsch nach einem befreienden Lacher wird mit einem Würgereiz belohnt. Rätselhaft bleibt nur, warum sich Smith und Lawrence dafür hergegeben haben. Vermutlich war der Blick auf den Scheck fokussierter als der ins Drehbuch.
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