netzeitung.de«Kill Bill»: Die mit dem Schwert tanzt

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Lucy Liu in 'Kill Bill' (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Lucy Liu in 'Kill Bill'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Quention Tarantino zeigt in seinem vierten Film «Kill Bill», dass es keine Tiefe braucht, um großartig zu sein. Und wie man menschliches Sushi zubereitet.

Wenige Filme wurden so sehnsüchtig erwartet wie Tarantinos viertes Werk «Kill Bill». Auch die Nachricht, dass es zweiteilig ausfallen würde, tat der Vorfreude keinen Abbruch. Doch was der Kult-Regisseur geschaffen hat, ist schöner als erwartet:

Die Geschichte hat in ihrer Unbedingtheit fast schon etwas mythologisches: Eine verratene Frau nimmt Rache.

Nach vier Jahren im Koma erwacht «die Braut» (Uma Thurman) und begibt sich auf einen Rachefeldzug. Auf ihrer Todesliste steht vor allem Bill, ihr ehemaliger Liebhaber und Chef der sechsköpfigen Sondereinheit Deadly Viper Assassination Squad, der auch «die Braut» angehörte. Bis ihre Kollegen ihre Hochzeit stürmten und ihren Bräutigam und alle Gäste töteten. «Die Braut» überlebte, trotz Kugel im Kopf.

Am Ende von «Kill Bill Volume 1» hat sie zwei Namen auf ihrer Liste gestrichen. Wie es dem Rest ergeht, ist ab dem nächsten Frühjahr zu sehen.

Das Wesentliche
Genauso auf das Wesentliche beschränkt wie die Geschichte ist auch die Darstellung. Wir haben es mit einem Actionfilm zu tun, das heißt anstelle von Dialogen gibt die Gewalt das Tempo vor. Direkt nach dem Erwachen «der Braut» setzt diese in gemächlichem Beat ein, steigert sich und wächst an zu einer blutspritzenden Symphonie der Rache, deren einzelne Sätze aus einer Mischung von chinesischen Martial-Arts- und japanischen Yakuza-Filmen, Mangas und Spaghetti-Western bestehen.

«Ihr könnt jetzt gehen, aber eure abgeschlagenen Körperteile bleiben. Sie gehören jetzt mir», sagt «die Braut» nach der großen Schlacht im Nachtclub «Haus der Blauen Blätter», in dem sie 88 Schergen ihrer Gegnerin O-Ren-Ishii (Lucy Liu) zu menschlichem Sushi verarbeitet hat. Tarantino hat es tatsächlich geschafft, aus Blut einen eigenen Charakter zu formen. Für «Kill Bill» hat er extra japanisches Filmblut gecastet, das er in Fontänen über dem Set verteilt. Knapp 380 Liter sollen es gewesen sein.

Genau damit setzt sich Tarantino auch gegen Kritiker seiner Gewaltdarstellung zur Wehr. Der Film ist ein Feuerwerk der abgeschlagenen Körperteile und dabei so realistisch wie der Cartoon «Tom&Jerry» oder Monty Pythons «Ritter der Kokosnuss». Wem diese Filme zu gewalttätig sind, kann sich den Kinobesuch sparen. Alle anderen sind willkommen in Tarantinos Theater der Übertreibung.

Die Videothek im Kopf
So wie «die Braut» ihre Gegner in Einzelteile zerlegt, die sich dann als seltsame Wesen auf der blutschwimmenden Tanzfläche des Nachtclubs winden, hat sich auch Tarantino der Filmgeschichte angenommen. Er sampelt, was die Videothek im Kopf hergibt. Gut zerhackt und durchgerührt ist ein Actionfilm entstanden, der im amerikanischen Mainstreamkino seinesgleichen sucht. Und dabei ist Tarantino einer der wenigen Filmemacher, die Zitate und Referenzen aussehen lassen können wie eigene Ideen.

Für die Einführung der wahnsinnigen 17-jährigen Leibwächterin Go Go zum Beispiel reicht ihr gesenkter Blick in die Kamera völlig aus. Der dunkle Wimpernkranz um ihre Augen erinnert sofort an Stanley Kubricks «Clockwork Orange», und es ist klar, was von diesem Mädchen zu erwarten ist. Freunde der Kampfszenen-Choreografie können sich an der Arbeit zweier Altmeister erfreuen. Tarantino brachte für seinen Film Sonny Chiba und Yuen Woo-Ping zusammen. Natürlich sind auch Sam Peckinpah, Sergio Leone, Tsui Hark und all die anderen üblichen Verdächtigen im Geiste dabei. Fast jede Einstellung ermöglicht neue Assoziationen, und die Wucht der Bilder ist in ihrer Vielschichtigkeit meist kaum zu fassen.

Und während «die Braut» alttestamentarisch Gerechtigkeit walten lässt, bewahrheitet sich das Motto des Films «Revenge is a Dish best served cold» (Rache ist ein Gericht, das man am besten kalt serviert). Und dazu singt Nancy Sinatra «Bang Bang I hit the Ground/ Bang Bang that awful Sound/ Bang Bang my Baby shot me down». Wobei die Originalversion des Songs natürlich auch von jemand anderem stammt: Sonny & Cher.