31.07.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Arnold Schwarzenegger als T-800
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
«Terminator 3» zeigt den anderen Action-Abziehbildern aus Hollywood, wo der richtig schwere Vorschlaghammer hängt. Und enttäuscht doch.
Wer vom Terminator spricht, meint Arnold Schwarzenegger, und wer Arnie meint, spricht vom T-800. Der ist aber eigentlich ein Auslaufmodell. Und ein schweres dazu. Als ein wohlgesinnter Feuerwehrmann in «Terminator 3: Aufstand der Maschinen» dem Cyborg nach einem Kampf auf die Beine helfen will, wird ihm schnell klar, dass der Typ bestimmt eine Tonne wiegt. Genauso schwer und massiv wie der T-800 wirkt fast alles im dritten Teil der Terminator-Reihe. Und das ist gut so. Denn das Schwere bewegt sich.
Bei einer Verfolgungsjagd, an der neben diversen Einsatzfahrzeugen von Polizei und Rettungsdienst auch ein riesiger Kran-Laster teilnimmt, zeigt eine perfekte Verschmelzung von Real-Stunts und digitaler Tricktechnik gewaltige Schleuder-, Berst- und Verformvorgänge mit schweren Massen in Bewegung und in Begegnung mit anderen wuchtigen Gegenständen. Und mittendrin der tonnenschwere T-800, der durch Häuser, über Autos und gegen Telefonmasten knallt. Auch die anderen Action-Sequenzen des Films überzeugen durch druckvolle Plausibilität und übertreffen darin alle Konkurrenzfilme dieses Sommers wie «X-Men», «Matrix: Reloaded» und «Hulk», deren computeranimierte Akteure allzu oft wie aufgeblasene Plastikpuppen wirken, die nicht den Gesetzen der Schwerkraft zu unterliegen scheinen.
Doch auch wenn Regisseur Jonathan Mostow modernste Tricktechnik zur Verfügung stand, ist es ihm nicht gelungen, mit der Bildgewalt James Camerons zu konkurrieren, die vor allem im zweiten Teil aus dem Jahr 1991 für mehrere Gänsehaut-Momente gesorgt hat. In «Terminator 3», der im Gegensatz zu den beiden ersten Teilen nicht von Cameron geschrieben und inszeniert wurde, fehlen einfach Szenen wie die Titelsequenz von «T2», in der mächtige Feuerstürme über einen Spielplatz fegen oder die Schlussszene, in der sich der T-800 im glühenden Stahlbad vernichtet.
Die Sachen mit den FrauenWie gesagt: Der T-800 ist ein Auslaufmodell. Viel bessere und brutalere Killerwesen haben die finsteren Maschinenhirne der Zukunft schon ersonnen. Die sind nicht nur lebendes Bodybuilder-Gewebe über metallischem Endoskelett, sondern bestehen aus komplizierten Legierungen, die sich verflüssigen, verformen und fiese Schneide-, Stich- und Sägewaffen ausfahren können. Und jetzt kommen sie sogar in weiblicher Gestalt daher - noch böser, noch faszinierender.
Terminator-Erfinder James Cameron hatte schon immer eine Vorliebe für starke, sich emanzipierende Frauen. Das zeigte sich bereits in «Aliens» (Sigourney Weaver und Jenette Goldstein), in «True Lies» (Jamie Lee Curtis) und selbst in «Titanic» (Kate Winslet). In «Terminator 3» teilen sich Claire Danes als Jugendfreundin des Helden John Connor und Kristanna Loken als weibliche Terminatorin T-X diese Rolle. Keine jedoch erreicht die Verbissenheit und Getriebenheit von Linda Hamilton, der martialischen Mutter Sarah Connor in «Terminator» I und II. Dass dieser einmalige Charakter im dritten Teil einfach im Sarg landet, wirkt lieblos und geradezu schockierend. Trotzdem bietet Danes die solide Darstellung einer Frau, die fast Unerträgliches an Verlusten, Enthüllungen und Ereignissen erfahren muss und daran so wächst, dass sie sich den schrecklichen Wahrheiten am Ende des Films stellen kann.
Auf Ground ZeroDie Rolle des zukünftigen Anführers des menschlichen Widerstandes gegen die Maschinen, John Connor, übernimmt in «Terminator 3» Nick Stahl. Der erreicht in seiner boygrouphaften Jungenhaftigkeit zwar nicht ganz die peinliche Darstellung des Anakin Skywalker durch Hayden Christensen in «Star Wars: Episode II», trotzdem mag man sich gar nicht vorstellen, welche Ausstrahlung Edward Furlong statt dessen in dieser Rolle gehabt hätte. Furlong hatte vor zwölf Jahren in «T2» souverän den jungen John gespielt und scheint anschließend allein durch seine allzu offensichtlichen Drogenprobleme von einer Hollywood-Karriere à la Pitt oder di Caprio abgehalten worden zu sein.
Als Held taugt Stahl wegen seiner mangelnden Ausstrahlung wenig. Daran können auch suggestive Bilder nichts ändern: Am Anfang des Films brüllt sich der menschliche Widerstand gegen die Maschinen auf einem zukünftigen Trümmerfeld vor der zerfetzten US-Flagge in Stimmung und beschwört damit eine Art Ground-Zero-Gefühl - genau wie im anschließenden Schnitt auf den auf einer von Hochhäusern umrahmten Baustelle der Gegenwart schuftenden John Connor.
Best of «T2»Der einfachste Vorwurf, den man «Terminator 3» machen kann, ist, dass er über weite Strecken aus einer Wiederholung der besten Szenen und Ideen des zweiten Teils besteht: Das reicht von der Beschützerrolle des T-800, über den formwandelnden Gegenspieler bis zum Beschuss einer Polizeieinheit, bei der nur die Fahrzeuge zerstört werden, die Beamten jedoch alle überleben. Doch spielt «T3» natürlich auch mit den Erwartungen der Zuschauer, um sie teilweise ironisch zu brechen. Insgesamt tragen diese wiederaufgewärmten Szenen jedoch eher zu einer leichten Langeweile bei und verhindern auf jeden Fall aufgeregte Faszination an möglichen neuen Ideen.
Diese Farben!Trotzdem öffnet der Film eine Perspektive für die Reihe: Das mörderische Kammerspiel, dass die beiden ersten Filme auszeichnete und nur in kurzen Sequenzen von Ausblicken auf die gigantischen Schlachtfelder der Zukunft unterbrochen wurde, weitet sich aus, und die Bedrohung durch die Maschinen wird global. Wie schon im zweiten Teil, sehen wir auch in «T3» wieder Bilder vom Weltuntergang, die in ihrer apokalyptischen Schönheit noch mehr an die detonierenden Atombomben am Ende von Kubricks «Dr. Seltsam» erinnern. Und ein unerhörtes Ende, das vor allem eines klar macht: Trotz aller gegenteiliger Beteuerungen der Beteiligten muss es einen vierten Teil geben.
Die Blockbuster-Krise«Terminator 3» ist einer der besseren Action-Filme des Sommers 2003 und die beste Fortsetzung des Jahres, aber kein Vergleich zu seinen Vorgängern und allein daran wird er gemessen werden. So stellt sich die Frage, ob Hollywood im Moment überhaupt in der Lage ist, die hochgesteckten Erwartungen gegenüber Fortsetzungen von legendären Filme oder Filmreihen, zu erfüllen. Insgesamt zeigt sich im Vergleich von «T3» mit seinen Vorgängern eine Entwicklung, die insgesamt in den meisten Hollywood-Blockbustern abzeichnet: die weitgehende Abschaffung einer differenzierten Gestaltung der Charaktere und ihrer Interaktion sowie mangelnde Sorgfalt hinsichtlich des Plots.
Die übermächtige digitale Tricktechnik, der mittlerweile nichts mehr unmöglich ist, scheint Drehbuchautoren und Regisseure vergessen zu lassen, was ein großer Publikumserfolg immer auch braucht: menschliche Figuren mit menschlichem Humor, die Übermenschliches vollbringen. Oder das Spiel mit diesen Kategorien wie es Cameron in «Terminator 2» inszenierte: der übermenschenhafte Terminator, dem der kleine Junge witzige Sprüche beibringt, und der am Ende versteht, warum die Mensch weinen, und sich in einer der ergreifendsten Szenen der Filmgeschichte selbst in flüssigem Stahl versenkt, um die Menschheit vor der mörderischen Technologie zu bewahren, aus der er besteht.
Fisch gewinnt gegen ArnieMöglicherweise wird Hollywood sich aber auch im Action-Genre wieder ein Stück in Richtung Menschlichkeit bewegen - und sei es wegen des Geldes. In den USA war ein komplett am Computer geschaffener Film mit menschlichem Touch bisher der erfolgreichste Film des Jahres: «Finding Nemo» erzählt die rührende Geschichte eines Fisches, der versucht, aus dem Aquarium zurück ins Meer zu gelangen. Ein kleiner Fisch, der wieder nach Hause will, spielte mehr ein als das zappelnde Philosophiestück «Matrix», der grüne Muskelberg in der Sinnkrise «Hulk» und ein von allen Camerons, Hamiltons und Furlongs verlassener «Terminator».