10.07.2003
Herausgeber: netzeitung.de
'3 Engel für Charlie: Volle Power'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Obwohl «3 Engel für Charlie: Volle Power» keinen Blick auf Busen, Hintern oder Beine auslässt, kommt er als Frauen-Film daher. Die Männer stört das wenig.
Eigentlich müsste jedem Mann bei diesem Film erstmal der Spaß vergehen, denn auch wenn «3 Engel für Charlie: Volle Power» keine Möglichkeit auslässt, Busen, Po und lange Beine ins Close-Up zu nehmen, spielen Männer fast ausnahmslos Idioten.
Sei es der Assistent, der sich vor Angst fast in die Hosen macht, während bei den Engeln trotz aberwitziger Aktionen nicht eine Wimper verrutscht; sei es der Freund von Alex (Lucy Liu), der sich für einen Filmstar hält, aber eigentlich nur dem Running Gag dient, pausenlos brutal auf den Rücken gelegt zu werden, oder sei es der liebe Kerl von nebenan, der sich nichts Romantischeres mit Natalie (Cameron Diaz) vorstellen kann, als mit ihr einen Hund zu kaufen.
Fassungslos oder totBleiben da noch die Vaterfiguren: Der ausschließlich fassungslose Vater von Alex (John Cleese) und natürlich der allwissende, aber nicht anwesende Charlie.
Den Rest geben Randfiguren, die möglicherweise kämpfen können, aber mindestens debil sind und dann auf jeden Fall sterben müssen.
Das schafft Platz für die drei strahlenden Heldinnen, die nichts und niemanden brauchen außer sich selbst. Und das zelebrieren sie mit so großem Genuss, dass es eine Freude ist, ihnen dabei zuzusehen, wie sie in möglichst engen, kleinen Outfits das Böse bekämpfen.
Faster PussycatWäre da nicht der gefallene Engel Madison (Demi Moore), der schnell klar macht, wo das Häschen tatsächlich läuft. Sie ist eine Abtrünnige, die ohne den allmächtigen Charlie ihre eigenen Geschäfte machen will. Der gestohlene Schlüssel zu einem Zeugenschutz-Programm soll ihr viel Geld von Verbrecher-Organisationen einbringen. Und Charlies Engel sollen diesen Schlüssel natürlich schützen.
Doch wie sinn- und ergebnislos Madisons Kampf gegen den übermächtigen Mann, der nur als Stimme auftritt, eigentlich ist, wird klar, als sie die Sprechanlage, durch die Charlie mit seinen Engeln kommuniziert, zerschießt. Denn mehr ist nicht da, gegen das sie sich wehren könnte.
Bleibt der Blick des Zuschauers auf schöne Körper, weißes Lachen und wallendes Haar - denn er ist ebenso wie Charlie der perfekte Voyeur.
SoundtrackDie Musik, die mit für die Geschwindigkeit und das euphorische Gefühl des ganzen Films sorgt, wirkt auf CD eher unzusammenhängend. Was hat Prodigy mit Andy Gibb zu tun, was MC Hammer mit Pink? Andererseits erhält der Soundtrack ein bisschen das «Full Throttle»-Gefühl. Sicherlich gut zum Autofahren geeignet. (nz)