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Grün ist die Hoffnung: «The Hulk»

04. Jul 2003 18:25
Ang Lees 'The Hulk'
Hollywood hat den Marvel-Comic «The Hulk» verfilmt - aber ganz anders als erwartet. Das liegt vor allem am Regisseur.

Es wäre so einfach gewesen: Das Monster kommt, zerstört, wird gejagt, verliebt sich in eine kleine, hübsche Frau und geht wieder. Die Geschichte dieser unglücklichen Kreaturen ist seit «King Kong» und «Godzilla» mehr oder weniger bekannt. Doch nicht so bei «Hulk» - vor allem nicht unter der Regie von Hollywoods Alleskönner Ang Lee.

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Der Regisseur von »Das Hochzeitsbankett», «Sinn und Sinnlichkeit» und «Crouching Tiger hidden Dragon» hat die Geschichte von hinten aufgerollt, und der Zuschauer muss geschlagene 45 Minuten warten, bis das Monster überhaupt das erste Mal auftaucht - was ihm allerdings nicht auffallen dürfte.

Lee ist als leidenschaftlicher Ergründer der menschlichen Psyche in die seelischen Tiefen des Monsters vorgedrungen, anstatt in die hohen Bögen der Kampfszenen. Die Frage ist weniger, wie viele Hubschrauber der grüne Riese auf einmal zerquetschen kann - der Bodycount ist in «Hulk» auffallend mager -, sondern warum der Mittdreißiger Bruce Banner zu dem geworden ist, was er ist. Und das macht den Film verwirrend, wenn man mit der Erwartung, eine weitere Hollywood-Comic-Real-Verfilmung zu sehen, ins Kino geht - aber auch um so spannender.

Hollywoods Gemeinplätze

Der Regisseur spielt dazu mit den Gemeinplätzen des amerikanischen Kinos, die bereits den Wiedererkennungs-Effekt triggern. So zum Beispiel Verschwörungstheorien: alle Die-Regierung-hat-ein-geheimes-Programm-Roswell-JFK-Akte X-Geschichten oder die Frage der Selbstdisziplin oder besser der Verlust derselben in unzähligen «Trommel dich frei»-«Tu was du willst»-«Carpe Diem»-Filmen. Und schließlich die Vater-Sohn-Problematik: In wie vielen Filmen hat schon ein Vater gegen Ende das erlösende 'I love you, son' herausgepresst und seinen mittlerweile erwachsenen, 'I love you, Daddy'-schluchzenden Sohn in die Arme geschlossen?

«The Hulk» hat sich gleich alle drei Genres vorgenommen. Angefangen mit dem geheimen Programm des US-Militärs: Bruces Vater experimentiert mit biologischen, selbstregenerativen Systemen, an deren Ende der unverwundbare Soldat stehen soll. Das Programm wird abgebrochen, als er Menschenversuche durchführt. Doch für seinen Sohn ist es da schon zu spät. Er ist genetisch verändert, denn als er gezeugt wurde, hatte sein Vater bereits Selbstversuche hinter sich.

Die Anomalie in Bruces DNS, nennen wir sie das «Hulk»-Gen, lässt ihn nach einem Unfall mit Gamma-Strahlung zu einem riesigen grünen Monster mit unglaublichen Kräften wachsen - wenn er sich ärgert. Gewalt, die ihn stoppen soll, macht ihn nur stärker.


'The Hulk'
Doch auch wenn die Superkräfte Bruce hauptsächlich ängstigen und verwirren: In einem stillem Moment sagt er seiner Angebeteten, dass er sich frei fühle, wenn er sich verwandle, wenn er die Kontrolle verliere. Das Monster, das alle zu den Waffen greifen lässt, scheint etwas, das aus ihm heraus muss, das er im Alltag mit Mühe im Zaum halten kann.

Bleibt die Vater-Sohn-Thematik: Bruce trifft seinen Vater nach 30 Jahren wieder und liefert sich einen Kampf mit seinem alten Herrn, der allerdings überhaupt nicht hollywoodesk endet.

«Hulk» ist als Verfilmung wie als Monster eben anders als die anderen Marvel-Helden. (nz)


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