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«Bruce Allmächtig»: Die Anti-Matrix

14. Jun 2003 08:54
Jim Carrey in 'Bruce Allmächtig'
Während für Neo in «Matrix» der freie Wille des Menschen die einzige Waffe gegen das Böse war, ist er für Bruce Nolan in «Bruce Allmächtig» das einzige Hinderniss zu seinem Glück.

Als Bruce Nolan in Tom Shadyacs Film «Bruce Allmächtig» sagt: «Gott, entscheide Du bitte wieder, was ich tun soll», nimmt der Film seine scheinbar positive Wendung. Danach räumt Gott für den bekehrten Zweifler auf.

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Denn nachdem Nolan, ein TV-Journalist mit einem ziemlich schlechten Tag, ganz wie der biblische Hiob Zweifel an den Fähigkeiten des Allmächtigen anmeldet - «Gott, du bist der einzige, der hier seinen Job nicht richtig macht» - verleiht der himmlische Vater ihm für mehrere Tage seine Allmächtigkeit, damit der Frevler sehe, was für ein verdammt harter Job das eigentlich ist.

Mit soviel Kraft in sich nimmt sich Nolan sein Leben vor: Seine Frau (der beste Sex aller Zeiten), seinen Hund (pinkelt plötzlich nicht mehr in die Wohnung) und seinen Job (den er gerade verloren hat, aber nun zurück bekommt und auch noch zum Star des Senders aufsteigt).

Währenddessen versinkt die Welt um ihn - sprich Nolans Heimatstadt Buffalo, denn mehr hat Gott ihm erstmal nicht zugetraut - im Chaos. Umweltkatastrophen und Massenunruhen bringen Nolan langsam auf die Idee, dass irgendetwas falsch läuft - obwohl er doch jetzt auf dem Wasser gehen kann.

Also muss Gott wieder her, um dem Geläuterten den Dreck hinterherzuräumen und mit einem väterlichen Lächeln zu erlären, dass Nolan selbst das Wunder sein muss, dass es an ihm liege, die Welt zu einer besseren zu machen.

«Und so krümelt der Keks...«

Morgan Freeman als Gott in 'Bruce Allmächtig'
Als Gott dem Sterblichen seine Allmacht verleiht, gibt er ihm zwei Regeln mit auf den Weg: Tue Gutes, und: Du kannst den freien Willen der Menschen nicht beinflussen. Mit letzterem hat Nolan so seine Probleme, angefangen bei sich selbst und schließlich mit seiner Frau, denn als die ihn verlässt, versucht er mit verzweifelten Verrenkungen in ihren freien Willen einzugreifen - natürlich ohne Erfolg.

Denn da liegt der verwirrende Punkt in «Bruce Allmächtig». Während Gott zum Hausmeister der Welt degradiert wird, der mit einem großen Wischmopp die Dinge in Ordnung hält, soll der Mensch gefälligst für sich selbst sorgen.

Die Aussage schwankt zwischen: «Wirf' deine Sorgen auf mich», und «Jeder ist seines Glückes Schmied». War der Vorwurf an «The Matrix» noch die Vermischung aller Weltreligionen mit einer Prise Postmoderne, wird hier die Bibel kräftig mit ein paar Volksweisheiten verrührt. Gott wird zu einer Art Supermarkt-Service, den man in Notsituationen anheult, und der einen dann auch noch anruft. Aber wozu dann noch einen Gott?

Bleibt die Volksweisheit. Aber die scheint auch nicht auszureichen, um dem am Amerikanischen Traum Gescheiterten zu erklären, warum ein kleines Leben als alberner TV-Journalist mit kaputtem Auto und pinkelndem Hund lebenswert sein soll.

Verwirrende Message

Jim Carrey und Jennifer Aniston in 'Bruce Almighty'
Aus diesem Wirrwarr zieht Nolan die Erkenntnis: Weil Gott mir gezeigt hat, wie schwierig sein Job ist, lass' ich ihn jetzt in Ruhe und sehe zu, dass ich mein Leben selbst in den Griff bekomme.

Womit wir wieder beim freien Willen wären. Aber was hilft der, wenn Folgendes eintritt: Um Nolan von seiner Gotthaftigkeit zu überzeugen, zaubert ihm der Allmächtige sieben Finger an eine Hand. Dazu folgt der Witz: «Das habe ich mit Ghandi auch gemacht. Der hat danach drei Wochen nichts gegessen». Im Nachbar-Kinosessel werden zwei Köpfe zusammengesteckt: «Was hatter gesagt?» «Ghandi» «Wer ist Ghandi?» «So'n dünner Typ mit Stock».

 
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