13.03.2003
Herausgeber: netzeitung.de
'Adaption'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Film ist der Film ist der Film. Spike Jonze und Charlie Kaufman haben mit «Adaption» ein wenig Postmoderne auf die Leinwand gebannt.
Es ist nicht nur die Angst vor dem weißen Blatt, die der Drehbuch-Autor Charlie in Form einer Schreibblockade befällt - gerade als er aus dem Bestseller «The Orchid Thief» von Susan Orlean ein Drehbuch machen soll.
Es ist auch die Tatsache, dass sein Zwillingsbruder Donald - inspiriert von Charlies Erfolg - ebenfalls ein Drehbuch schreibt, das ganz anders als das seines Bruders ist: konventionell, gefällig und vorhersehbar. Und dieser Donald hat nicht nur mehr Glück mit dem Schreiben, sondern auch noch Erfolg bei den Frauen. Im Gegenteil zu Charlie, der sich Nacht für Nacht in den Schlaf masturbiert und wenn er doch mal an eine Frau rankommt, versagt. Zu allem Übel hat das Buch, aus dem Charlie ein Drehbuch machen soll, nicht mal eine Handlung. Es geht einfach nur um Orchideen. All das bringt Charlie zur Verzweiflung.
Ein Film ist ein Film ist ein FilmAlso schreibt er darüber, dass er nicht schreiben kann, bei den Frauen durchfällt und dass ihn das zur Verzweiflung bringt: Schon sitzt man im Karussel der Postmoderne von Spike Jonzes Film «Adaption», dessen Drehbuchautor tatsächlich Charlie heißt, genauso wie der Name der Autorin der Vorlage natürlich Susan Orlean lautet.
Autoren-AlbtraumNach dem großen Erfolg von Jonzes ebenfalls nicht gerade leicht verdaulichem Hollywood-Erstling «Being John Malkovich» ist es verständlich, dass der Regisseur auf seinen angestammten Drehbuchautor Charlie Kaufman zurückgreift, um den Erfolg zu wiederholen. Während in «Being John Malkovich» das Innnere des Kopfes eines Hollywoodstars dran war, müssen nun Autorenalbträume herhalten - die werden fröhlich umkurvt. Das Ganze ging sogar soweit, dass die Witzbolde die fiktive Figur Donald Kaufman als Ko-Drehbuchautor vermerkten und dieser gemeinsam mit Charlie Kaufman für den Golden Globe nominiert wurde.
Neben dem Drehbuch liegt die große Stärke von «Adaption» in der Besetzung: Die Rollen der Kaufman-Zwillinge hat Nicolas «Hundeblick» Cage übernommen, der Actionfilmen früherer Tage wie «Con Air» oder «Face Off» wohl endgültig den Rücken gekehrt hat. In «Adaption» präsentiert er sich als klarer Anti-Held mit Haarausfall und Schmerbauch.
Die große Schauspielerin Meryl Streep bereits dreizehn Mal für einen Oscar nominiert und schon eher bekannt für anspruchsvolle Filme, gibt die sexsüchtige, drogenabhängige Oleans. Und sie wurde auch diesmal für den Oscar nominiert, genauso wie Chris Cooper, der den schneidezahnlosen Orchideenforscher John Laroche spielt.
Anpassung als SelbstzweckAls die aus dem Film mitzunehmende Lehre bleibt übrig, dass eben dieser Prozess der Adaption, die Anpassung, das Leben selbst ist. Jonze und Kaufman zeigen, wie sich Menschen und Tiere ihrer Umgebung, wie sich die Augen dem Licht und die Menschen der Welt und die Welt dem Menschen anpassen.
Ein großer Erfolg Jonzes war die Erfindung der MTV-Serie «Jackass». Doch mit «Adaption» ist der ehemalige Video-Clip-Regisseur bei den Coen-Brüder angekommen. (nz)