netzeitung.de«About A Boy»: Abschied von der Ich-AG

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Hugh Grant als Will in About A Boy (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Hugh Grant als Will in About A Boy
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In der Verfilmung von Nick Hornbys «About A Boy» spielt Hugh Grant die Rolle seines Lebens: Ein neurotischer Großstadt-Single geht auf Selbstfindung - und stößt auf Vaterpflichten.

Will Freeman hat es geschafft. Sein schickes Londoner Apartment könnte in der kommenden Ausgabe des Magazins «Wallpaper» abgebildet sein, der dazu passende, lässige Kurzhaarschnitt steht dem Enddreißiger ausgezeichnet und zur Perfektion des richtigen Lifestyles rotieren in der teuren Anlage von Bang & Olufsen immer die neuesten Sounds.

Ja, Freeman (Hugh Grant) ist tatsächlich ein freier Mann: Er muss noch nicht einmal arbeiten, um seinen gehobenen Lebensstil zu finanzieren. Ein obskurer Weihnachtssong seines Vater sichert sein Auskommen. Wahrlich komfortabel hat sich Großstadtsingle Will seine kleine Ich-AG eingerichtet: Kontakte oder gar Freunde braucht er nicht, er verbringt seine Tage in britischer «splendid isolation» – allein, aber dabei stets sehr schön anzusehen.
Britische «splendid isolation» Endlich, eine Single Mom - leider mit Kind. Hugh Grant in AktionFoto: UIP
Wären da nicht gelegentliche Affären, deren unberechenbare gesteuerte Emotionalität – spricht da etwa wer von Liebe? - seine elegante Elegie bedrohen würde, ja, dann wäre Wills neurotisch angehauchter Seelenfrieden perfekt. Doch Will Freeman - von einem glänzend aufgelegten Hugh Grant mit auffälliger Freude zu Fiesheit und Misantrophie kongenial in Szene gesetzt – hat eine Idee, die schon in David Finchers «Fight Club» alles durcheinander zu rütteln vermochte:

Er schleicht sich in Selbsthilfegruppen allein erziehender Mütter ein und barmt mit einem – erfundenen – Sohn um das Mitleid der (so glaubt Will) sexuell ausgehungert, aber letztlich herrlich bindungsunwilligen Damen.

Schluss mit den «Single Moms»Nicholas Holt als MarcusFoto: UIP
Spätestens hier geht «About A Boy – Der Tag der toten Ente» gnadenlos auf Konfrontationkurs, enden Wills Besuche in der Realität doch mit weit mehr menschlicher Hingabe, als er es sich je zu träumen wagte. Statt einer entzückenden «Single Mom» drängt plötzlich der 12-jährige Marcus (Nicholas Hoult) in sein Leben, ein struppiger Außenseiter mit Wollmütze, Prinz-Eisenherz-Frisur und diabolisch gezwirbelten Augenbrauen, der sich ausgerechnet Will als Retter seiner chaotischen Kleinfamilie ausgesucht hat.

Nur Ärger: Will mit Marcus und dessen Mutter FionaFoto: UIP
Nach «High Fidelity» und «Fever Pitch» ist «About A Boy» bereits die dritte Verfilmung eines Romans von Erfolgsautor Nick Hornby, der sich den Abgründen männlicher Seelen widmet. Gleichzeitig ist es ausgerechnet den Weitz-Brüdern, den Machern von handfesten US-Teenie-Komödien wie «American Pie», gelungen, neben aller Ironie und allem Zynismus eine anrührende Geschichte zu erzählen.
Nur Stress und Probleme
Denn Marcus und vor allem seine Hippie-Mutter Fiona (Toni Collette) bringen keine «erfrischenden Turbulenzen» in Wills einsame Existenz, sondern sind von Anfang an nur eines: anstrengend und problembelastet. Nach einem noch vergleichbar harmlosen Missgeschick mit einer toten Ente - mehr sei hier nicht verraten – finden Will und seine Favoritin unter den «Single Moms» Marcus' Mutter vollgepumpt mit Tabletten. Erst unwillig, dann unfreiwillig berührt nimmt sich Will – dessen eigene neurotische Kindheit leider ausgespart wird – fortan Marcus an – oder ist es etwa umgekehrt?

Am schwächsten ist «About A Boy» allerdings auch genau in diesem Moment – was genau treibt Will plötzlich in die Rolle des Ersatzvaters? Und helfen dem gequälten Marcus wirklich nur die richtigen Turnschuhe? - fängt sich dann jedoch schnell wieder.

Keine einfachen Lösungen
Denn leichte Lösungen gibt es in dieser Komödie nicht. Weder hat Marcus plötzlich viele Freunde, noch freunden sich Will und Marcus nach wie depressive Mutter an, und auch Wills aufblühende Liebe zu einer – Achtung! – allein erziehenden Designerin trägt zunächst keine Früchte.

Letztlich aber ist «About A Boy» dann am besten, wenn er dem spätbubertären männlichen Großstadtsingle ein Denkmal setzt. Dass es in britischen Zeitungen schon Anleitungen zum Freeman'schen Styling und Grants überraschend hippen neuen Haarschnitt gibt, kann da nicht verwundern. Immerhin beruhigend: Auch der Abschied von der Ich-AG kann stilvoll gelingen.