19.11.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Filmszene aus 'Paranormal Activity'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der US-israelische Regiedebütant Peli liefert den Überraschungsblockbuster des Herbstes. Sein Dämonen-Home-Movie kostete nur 11.000 Dollar und hat in den USA bald das Zehntausendfache eingespielt, freut sich Robert Weixlbaumer .
Es geht auch billiger: Während Roland Emmerich mit 200 Million-Dollar-Budget in «2012» die Welt in großem Stil vernichtet, begnügt sich der zweite US-Blockbuster-Import dieses Herbstes mit einem mikroskopischen Bruchteil davon. Für 11.000 Dollar hat der Videogame-Entwickler Oren Peli «Paranormal Activity» gedreht, mit zwei unbekannten Hauptdarstellern und einer HD-Kamera in einem Einfamilienhaus.
Das geschickte, virale Marketing, in das Paramount seit der Festivalpremiere 2007 zehn Millionen investierte, hat sich gelohnt. Am Halloween-Wochenende war der Mitte Oktober breit gestartete Film schon auf dem Weg, die 100 Millionen Marke zu überspringen. Die mit der HD-Kamera gedrehten Homemovies sind der Film selbst: Abwechselnd zeigt er mäßig verwackelte Alltagsszenen aus einem Haus, das offenbar von einem Dämon heimgesucht wird, und Aufnahmen aus dem Schlafzimmer des Pärchens, wo die Kamera nachts das unheimliche Treiben aufzeichnen soll.
Die Mittel sind denkbar gering, aber Peli gelingt es effektiv Spannung aufzubauen und sein Minimalismus selbst ist, jedenfalls bis zum abflachenden letzten Drittel des Films, sehr einnehmend: Horroreffekte, die nur daraus bestehen, dass jemand vor dem eigenen Bett steht oder bloß im Flur das Licht angeht, haben unabweisbaren Charme.
Wie so oft im Horrorkino, weiß auch hier der Film mehr über die Konflikte seiner Figuren, als sie selbst. Der Knacks in ihrer Beziehung ist von Anfang an da, das Setting verstärkt ihn bloß, und die Strategien zur Beantwortung der Herausforderung, die die junge Literaturstudentin und ihr simpel gestrickter Day-Trader-Freund ins Haus gebracht haben, sind zu divergent, um zu einem Happy End zu führen. Während Micah den ominösen Dämon immer wieder provoziert («Nobody get's in my house and fucks with my girlfried!»), verabschiedet sich Katie schon innerlich von ihm, bis der Riss in ihrer Beziehung mörderisch tief wird wie der Grand Canyon.
Paranormal Activity USA 2007; Regie: Oren Peli; Darsteller: Katie Featherston (Katie), Micah Sloat (Micah), Mark Fredrichs (The Psychic); Farbe, 99 Minuten; Kinostart: 19. November 2009
Diese Filmkritik hat die Netzeitung mit freundlicher Genehmigung von den Kollegen des Tip-Magazins übernommen.