02.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Politiker sind doof, Mädchen sind Luder
Hollywood macht es sich im Sommer einfach und recycelt seine Blockbuster: Kurz nach der Fortsetzung von «Transformers» kommt der dritte Teil von «Ice Age» in die Kinos. Thomas Klein fühlt sich intellektuell unterfordert.
Fortsetzungen gelten als lukrativ, sind aber auch riskant - der erhoffte «Erfolg in Serie» kann bei murksigen Filmen und desaströsen Umsätzen auch zum Ende der jeweiligen Handelsmarke («Franchise») werden. Umso wichtiger werden für Produzenten und Rechteinhaber Marketing und Starttermin. Dazu kommt die grundsätzliche Frage: Soll ein Sommerfilm als Mitläufer oder Marktführer finanziert, entwickelt und positioniert werden?
Bei «Ice Age 3 - Die Dinosaurier sind los» ist das klar, die Reihe war immer eher Nachahmer und -zügler. Auch der neue Film kann nur bieten, was Mitbewerber längst gezeigt haben: «Ice Age 3» kann man in ganz ausgewählten Kinos auch in 3D sehen, so wie schon Dreamworks' «Monsters vs. Aliens». Dem angepeilten Publikum mag das egal sein, «Ice Age» bedient eher kleinere Kinder. Und um Familie geht es auch im Film: Manni, das Mammut, erwartet Nachwuchs, doch seine Hysterie bleibt nicht folgenlos. Säbelzahntiger Diego fühlt sich überflüssig und geht ins selbst gewählte Exil, Faultier Sid adoptiert kurzerhand drei große Eier, die er tief unterm Eis gefunden hat.
Bald geht dann einiges zu Bruch. Denn Sids geschlüpfte «Kinder» sind natürlich kleine Saurier, deren Mutter sie nebst Adoptivvater in ein unterirdisches Dino-Reich verschleppt. Eine Rettungsmission beginnt, deren Ende man angesichts der süßlichen Erzählweise schnell vorausahnen kann. Im Kino-Sommer gibt es Schlimmeres.
Zum Beispiel «Transformers - Die Rache», Teil zwei einer auf angeblichem Kultspielzeug der Achtziger (und assoziierter Zeichentrickserie) basierenden Kinoreihe. Produzent Steven Spielberg und Regisseur Michael Bay haben wenig zu sagen: Der ewige Kampf zwischen den außerirdischen Robotern, die sich als Auto oder Kampfflugzeug tarnen können, geht weiter, und wieder landet der nette, etwas fade Sam (Shia LaBeouf) nebst Freundin Mikaela (Megan Fox) im Getümmel.
Die konfuse Story reicht von 17.000 vor Christi Geburt bis heute, vom Weltraum über New York bis zu den Pyramiden und erschöpft sich in dümmlichen Klischees: Eltern sind peinlich, Politiker doof, Mädchen Models oder Luder.
Positiv soll hier anderes auffallen: Soldaten werden als kernige Recken gezeichnet, die unentwegt gezeigte militärische Hardware wird mit dem gleichen Werbefilm-Zuckerguss versehen wie die Automobile. Verständlich, neben dem Spielwarenhersteller Hasbro sind auch die US-Autoindustrie und das Pentagon erklärte Unterstützer des Projekts. Viel Knalleffekt und rasche Ermüdung: Die grelle Pixelaction und das unablässige Explosions- und Mündungsfeuer-Gedröhne hat man über, ganz lange, bevor die ewigen zweieinhalb Filmstunden vorbei sind.
Ice Age - Dawn of the Dinosaurs USA 2009;
Regie: Carlos Saldanha und Michael Thurmeier; Originalstimmen:
Ray Romano (Manny), John Leguizamo (Sid), Denis Leary (Diego); Farbe, 96 Minuten; Kinostart: 1. Juli
Transformers - Revenge of the Fallen USA 2009; Regie: Michael Bay;
Darsteller: Shia LaBeouf (Sam), Megan Fox (Mikaela), Josh Duhamel (Lennox); Farbe, 147 Minuten; Kinostart: 24. Juni
Diese Filmkritik hat die Netzeitung mit freundlicher Genehmigung von den Kollegen des Tip-Magazins übernommen.