Delpys Film «Die Gräfin»: 

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Delpys Film «Die Gräfin» 

Lupe Ein seifiges Bad im Blut von Jungfrauen

Julie Delpy scheitert mit dem Mörderstück «Die Gräfin». Es ist kein kluger Horrorfilm, sondern eine unbeholfene Seifenoper, findet Jörg Buttgereit .

Vor zwei Jahren gelang der französischen Schauspielerin Julie Delpy mit ihrer Culture-ClashKomödie «2 Tage Paris» ein äußerst charmantes Regiedebüt.

Jetzt nimmt sie sich die wahre Geschichte der ungarischen Blutgräfin Erzsébet Báthory (1560-1614) vor. Die Serienmörderin war angeblich für den Tod von mehr als 150 Mädchen verantwortlich und gilt als die weibliche Variante von Dracula. Dementsprechend oft war die Bathóry Vorbild für blutrünstige Monsterdamen im Horrorfilm. Delpy stellt die Gräfin, die sie hier selbst spielt, als die mächtigste Frau im Land vor.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts lernt sie bei einem Fest den viel jüngeren Istvan (Daniel Brühl) kennen, die beiden verlieben sich leidenschaftlich ineinander. Als Istvans intriganter Vater Graf Thurzo (William Hurt) dem Sohn den Umgang mit der Gräfin verbietet, verfällt die daraufhin, getrieben von Enttäuschung und Sehnsucht nach Istvan, dem Wahn, im Blut jungfräulicher Mädchen zu baden, um wieder jugendliche Schönheit zu erlangen.

Auf der Pressekonferenz der diesjährigen Berlinale präsentierte sich Julie Delpy äußerst sympathisch und durchaus selbstkritisch, gab beispielsweise zu, bei den Dreharbeiten mit ihrer Doppelrolle als Hauptdarstellerin und Regisseurin überfordert gewesen zu sein. Und tatsächlich wirken alle ihre Protagonisten etwas verloren. Oft wirkt der Film unbeholfen, wie eine üppig ausgestattete und zu gut besetzte Seifenoper und nicht wie der kluge kleine Horrorfilm mit deutlich feministischem Ansatz, den man erhoffen wollte.

Zwar finden sich ihrem Film Reflexionen zur Rolle der Frau und zum aktuellen Jugendwahn, doch Delpy fehlt der Mut zur Exploitation, zur großen Geste und zu drastischeren Übertreibungen. «Die Gräfin» will bestimmt kein derber Horrorfilm sein, aber Genrefans werden sich naturgemäß von dem Stoff angesprochen fühlen und Delpy gnadenlos an Darstellerinnen wie Ingrid Pitt aus der 1970 entstandenen Hammer-Produktion «Comtesse des Grauens» messen.

Die Französin wirkt daneben in ihrem harmlosen Werk wie eine schüchterne, graue Maus.

The Countess Frankreich/Deutschland 2009; Regie: Julie Delpy;
Darsteller: Julie Delpy (Erzsébet Báthory), Daniel Brühl (Istvan Thurzo), William Hurt (Gyorgy Thurzo); Farbe, 98 Minuten; Kinostart: 25. Juni

Diese Filmkritik hat die Netzeitung mit freundlicher Genehmigung von den Kollegen des Tip-Magazins übernommen.