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Film der Woche: 

Es war einmal ein böser, böser Junge

21. Aug 2008 09:36
Letzte Rolle: Heath Ledger alias der Joker
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In «The Dark Knight» kommt es zum Gipfeltreffen der Giganten. Batman oder Joker - wer von beiden wird am Ende siegen? Wird nicht verraten, nur so viel: Heath Ledger ist der beste Bösewicht aller Zeiten, findet Julia Wilczok.

«Wollen Sie wissen, woher ich diese Narben habe?», fragt Joker und leckt sich lautstark die wulstig-vernarbten Mundwinkel. Schlapp, schlapp. Glauben Sie mir, Sie wollen es lieber nicht wissen, das Problem ist aber, dass sie auch nicht weggucken können, wenn Batmans finsterer Gegenspieler das Messer ansetzt.

Die Rede ist von «The Dark Knight», dem zweiten «Batman»-Spektakel, das unter der Regie von Christopher Nolan («Memento») entstanden ist, und dem insgesamt sechsten Abenteuer der Serie. Beinahe tot analysiert wurde dieser Film in den vergangenen Wochen, doch eines ist klar: Auch ohne den durch den plötzlichen Tod von Heath Ledger ausgelösten Medienhype wäre «The Dark Knight» ein Kassenschlager geworden. Waren die Fans doch schon nach Nolans erstem Regiestreich «Batman Begins» heiß auf den Nachfolger.

Drei lange Jahre sind seitdem vergangen. In diesen Jahren hatte man sie fast schon vergessen und wenn man sie das erste Mal hört, kriechen einem heiß-kalte Schauer über den Rücken: Batmans (Christian Bale) donnernde Grabesstimme. Der hat nicht nur eine brandneue Superrüstung aus Kevlar, sondern gerade auch die Lage in Gotham City ganz gut im Griff, was mitunter daran liegt, dass der neue Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) zusätzlich für Recht und Ordnung sorgt. Doch dann betritt Joker die Bildfläche und stürzt Gotham erneut ins Chaos.

Auch unter Folter behält der 'Joker' alle Fäden in der Hand
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Das alte Sprichwort von Genie und Wahnsinn, es passt auch auf Batmans Konterpart, der neben blinder Verwüstungsgier immer wieder mit seinem schwarzen Humor überrascht: «Was dich nicht tötet, macht dich komischer.» Joker fordert Batman heraus, bringt ihn sowohl körperlich als auch mental an seine Grenzen und lässt ihn mit seinen moralischen Maximen kämpfen.

Selbst als Joker gefangen und von Batman gefoltert wird, behält der Bösewicht alle Fäden in der Hand: Er hat Staatsanwalt Dent und dessen Freundin Rachel (Maggie Gyllenhaal) in seine Gewalt gebracht. Rachel zählt zum erlesenen Kreis derer, die wissen, dass sich hinter Batmans Maske der Milliardär Bruce Wayne verbirgt, denn sie war früher seine Geliebte. Der Superheld soll sich zwischen den beiden entscheiden und stürzt so in eine Krise, die ihn schließlich zum «schwarzen Ritter» werden lässt.

Jede Menge «Vroom-Boom-Bang!»

«The Dark Knight» ist ein cineastischer Leckerbissen von handwerklicher Brillianz, garniert mit großer Schauspielkunst. Statt den Handlungsort Gotham City wie in den «Batman»-Filmen aus den Neunzigern in reichlich Kunstnebel und grelles Neonlicht zu tauchen, schafft Regisseur Nolan eine verwunschene Licht-Schatten-Kulisse, vor der die sparsam eingesetzten Farbakzente umso mehr erstrahlen. Von gewaltiger «Vroom-Boom-Bang!»-Akustik untermalte Verfolgungsjaden und Actionszenen vereinen die Ästhetik von Cartoon und Videospiel.

Und über allem erstrahlt Heath Ledger in der Rolle des Joker, der sich wahrhaftig die Seele aus dem Leib zu spielen scheint. Er gebärdet sich wie ein Wahnsinniger, ohne zu gewollt oder übertrieben zu wirken. Es wäre in der Tat nicht verwunderlich, wenn Ledger für seine darstellerische Leistung im kommenden Februar posthum einen Oscar bekäme. Doch auch vor dem Spiel seiner Kollegen Christian Bale, Michael Caine als Bruce Waynes Butler Alfred und Aaron Eckhardt als aufstrebender Staatsanwalt Harvey Dent muss man den Hut ziehen.

Er will «die Welt einfach brennen sehen»

Wollen Sie jetzt vielleicht wissen, woher Joker seine grausigen Narben wirklich hat? Sie werden es wahrscheinlich nie erfahren, doch der böse Clown lässt zumindest in Ansätzen durchscheinen, woher sein Irrsinn und seine Gewaltätigkeit kommen. «Manche Menschen wollen die Welt einfach brennen sehen», sagt er, und es wird klar - der Joker ist das Böse selbst. Er plant die Dinge nicht, er tut sie einfach und ist somit unkontrollierbar.

Kontrollverlust, Terror, Chaos - in diesem Joker manifestieren sich all unsere Ängste. Nicht mal für Geld interessiert er sich. «Die Dinge, die ich mag, sind nicht teuer», sagt er. «Dynamit, Schießpulver und Benzin.» Gut und Böse kämpfen gegeneinander, doch eines kann ohne das andere auch nicht existieren. «You complete me», sagt der Bösewicht zum Fledermausmann, «Du machst mich erst vollkommen. Und so wie der Joker seiner Nemesis die eigenen Schwächen vor Augen führt, stellt sich die Frage: Steckt nicht in jedem von uns ein bisschen Joker?

«The Dark Knight» - Trailer:


 
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