14.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Können sich erst nicht ausstehen: Anakin und Ahsoka
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
In «Star Wars: The Clone Wars» flimmern Anakin Skywalker & Co erstmals animiert über die Leinwand. Maike Schultz hält nichts von der Computer-Version, amüsierte sich dank Schleim-Attacken aber trotzdem gut. Mit Video
Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist, lautet eine Redensart. Hätte «Star Wars»-Mastermind George Lucas mal darauf gehört. Aber nach sechs Special Effects-gekrönten Episoden hat der Erfinder der Science-Fiction-Saga noch lange nicht genug. Jetzt also kommt die 3-D-computeranimierte Version: «Star Wars: The Clone Wars» ist chronologisch zwischen «Episode II: Angriff der Klonkrieger» und «Episode III: Die Rache der Sith» angesiedelt und schildert eine bislang unbekannte Geschichte aus den Klon-Kriegen.
Der Begriff wurde erstmals 1977 in «Episode IV: Eine neue Hoffnung» (ursprünglich «Krieg der Sterne») erwähnt in einem kurzen Gespräch von Luke Skywalker und Obi-Wan Kenobi. «Du hast in den Klonkriegen gekämpft?», fragt ihn Luke. «Ja. Ich war einst Jedi-Ritter, genau wie dein Vater.» Laut «The Clone Wars»-Regisseur Dave Filoni waren es die Klonkriege, durch die sich die Republik in ein Imperium verwandelte sie führten zum Bürgerkrieg, der der Galaxis schließlich die Freiheit brachte.
Komplizierte AusgangsbasisSoviel muss man erstmal wissen, um den Kontext des neuen Abenteuers zu verstehen. Während bei den «echten» «Star Wars»-Teilen ein erklärender Prolog-Text eingeblendet wird, erledigt das in «The Clone Wars» nämlich ein Sprecher, der die Einführung viel zu schnell herunterrasselt. Zuschauern ohne Insider-Wissen dürfte es schwer fallen, da bei all den Sequels und Prequels noch den Durchblick zu behalten.
Der eigentliche Plot des neuen Computer-Abenteuers ist glücklicherweise auch für «Star Wars»-Neulinge nachvollziehbar. Für eine so groß angekündigte Symbolkraft wirkt er allerdings fast banal: Im Zentrum steht die Entführung des Sohnes von Glibber-Gangsterboss Jabba der Hutt.
Statisches Avatar-DesignMitten im Krieg zwischen der Galaktischen Republik und den Separatisten unter Count Dooku bekommen die Jedi-Ritter Obi-Wan Kenobi und Anakin Skywalker von Meister Yoda die Padawan-Schülerin Ahsoka Tano zugeteilt. Mithilfe der Azubine soll Anakin Jabbas Kind zurückbringen, um dessen Unterstützung gegen den Ex-Jedi Dooku zu behalten. Doch der stellt ihnen eine Falle nach der anderen.
Die Handlung ist kurzweilig, spannend und mit zahlreichen Laserschwert-Duellen actionreich inszeniert und doch will der Zauber der «Star Wars»-Welt sich nicht so recht einstellen. «Fotorealismus wollten wir vermeiden», sagte George Lucas. Durch die Computeranimation geht der Charme vieler Charaktere nun schlicht verloren: Für den Pixar-verwöhnten Zuschauer wirken die Figuren im durchschnittlichen Avatar-Design viel zu statisch.
Nervige WortgefechteDer Bart von Obi-Wan Kenobi sieht aus wie holzgeschnitzt und dem immer arrogant und missmutig dreinblickenden Anakin steht das Böse schon ins Gesicht geschrieben (es sei denn er flirtet mit Amidala). Auch die beiden Neuen können nicht überzeugen: Die kriegsbemalte Ahsoka mit den blauen Kulleraugen könnte «Pocahontas» entsprungen sein und Gegnerin Asajj Ventress ähnelt Lord Voldemort aus «Harry Potter».
Der Ausdruck von Emotionen beschränkt sich auf die Dialoge. Aber darin geht es entweder um Technik- und Strategie-Smalltalk, oder um Autoritätsrangeleien zwischen Anakin und Ahsoka (mit quäkender Synchronstimme von «GZSZ»-Josephine Schmidt), was ziemlich schnell nur noch nervt.
Lachen mit der Mini-MadeGut, dass es noch die nicht-menschlichen Figuren wie R2-D2, Jabba oder die hirnlosen Droiden gibt. Nicht nur, dass ihnen der Computer-Look nichts anhaben kann, sie sorgen auch für den so wichtigen Humor in «Star Wars: The Clone Wars». Besonders die Nacktschnecken-artigen Hutts bringen einen in Gestalt des Mini-Schleimkleckses (Jabbas Sohn) und intriganten, aufgetransten Zero (Jabbas Onkel) immer wieder zum Lachen.
Übrigens ist Lucas' Ausflug in die Computer-Animation erst der Anfang: «Star Wars: The Clone Wars» ist auch der Pilotfilm für eine gleichnamige Miniserie, die ab Oktober im US-Fernsehen ausgestrahlt wird (nicht zu verwechseln mit der Zeichentrick-Serie «Star Wars: Clone Wars» von 2003).
Spätestens 2009 soll das zugehörige Computerspiel auf den Markt kommen (mit Laserschwert-Sound fürs iPhone), die mit Schauspielern gedrehte TV-Serie «Star Wars» befindet sich gerade in Planung. So gesehen ist «Star Wars: The Clone Wars» also vor allem eines: Ein sehr, sehr langer Werbetrailer.
Trailer zu «Star Wars: The Clone Wars»