12. Jun 2008 08:50
In «The Happening» übt die Umwelt Rache an der Zivilisation. Eigentlich eine prima Idee, doch selbst Mark Wahlberg als unerschrockener Pflanzenflüsterer kann M. Night Shyamalans jüngsten Thriller nicht retten, meint
.
Was würde jedoch passieren, wenn Mutter Natur sich nicht in Form gelegentlicher Katastrophen, Klimaerwärmung undsoweiter entladen, sondern ohne Umwege direkt am Menschen Rache nehmen würde? Damit beschäftigt sich Kult-Regisseur M. Night Shyamalan in seinem jüngsten Thriller «The Happening».Es geht um die Rebellion der Schwächsten - Gräser, Büsche, Bäume. Die Pflanzenwelt sondert giftige Stoffe ab, die beim Menschen den Drang zum Selbstmord auslösen. Das mysteriöse Massensterben beginnt im New Yorker Central Park und greift innerhalb kürzester Zeit auch auf kleinere Städte über. An der amerikanischen Ostküste wird der Katastrophenzustand ausgerufen. Die Ursache für die Todeswelle können Experten sich nicht erklären und tippen erstmal auf einen terroristischen Giftgasanschlag. Auch Naturkunde-Lehrer Elliot (Mark Wahlberg) und Ehefrau Alma (Zooey Deschanel) sind auf der Flucht vor der unbekannten Plage. Mit der kleinen Tochter ihres Freundes Julien im Schlepptau warten sie auf einer abgeschiedenen Farm das Ende der Bedrohung ab.
Echte Spannung entsteht bei «The Happening» leider nicht. Eiskalte Schauer jagt einem höchstens das statische Mienenspiel der Protagonisten über den Rücken. Mark Wahlberg beschränkt sich dabei ausschließlich auf die in Falten gelegte Sorgenstirn, Zooey Deschanel reißt ihre veilchenblauen Kulleraugen auf, als gelte es Sissy Spacek in Stephen Kings Romanverfilmung «Carrie» Konkurrenz zu machen. Als Stilikone aller Indie-Mädchen und Sängerin der Folkband She & Him ist Deschanel einfach um Längen besser.Die Behauptung M. Night Shyamalans Qualitäten als Regisseur ließen von Film zu Film nach, bestätigt sich. Weder «Signs», «Unbreakable», «The Village» oder «Das Mädchen aus dem Wasser» reichen an die Qualität seines meisterhaften Untoten-Thrillers «The Sixth Sense» («Ich sehe tote Menschen!») heran. Die interessante Grundidee von «The Happening» wird durch leblose Dialoge und unschlüssige Handlungsfolgen zerstört. Am meisten stört jedoch eine krampfhaft hochgeköchelte Beziehungskrise zwischen dem Protagonistenpaar, das auf dem Zenit der Katastrophe wieder zusammenfindet. Schrecklich auch das unausgegorene Ende, dessen wenig subtile Botschaft besagt, dass in wirklich jeder Frau der drängende Kinderwunsch schlummert. Seltsam, eigentlich wollte Alma doch gar nicht Mutter werden. Angesichts der drohenden Apokalypse besinnt sie sich jedoch plötzlich auf ihre Bestimmung als Gebärmaschine. Die Frau hat also den Bestand der Menschheit zu sichern, statt sich von all den verlockenden Möglichkeiten der modernen Welt (Karriere!) den Kopf verdrehen zu lassen. Eva Herman lässt grüßen! So langsam sollte vielleicht auch M. Night Shyamalan über seine wahre Bestimmung nachdenken - der Beruf des Filmemachers ist es ja anscheinend nicht.
«The Happening» - Trailer: