29.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ruhe vor dem Sturm: Carrie (S.J. Parker) und Mr. Big (Chris Noth)
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
In «Sex and The City - Der Film» geht es neben den Problemchen von Carrie Bradshaw und Co um Shoppen, Spaß und - Sex, was sonst. Julia Wilczok erklärt, warum die Leinwandversion der Erfolgsserie trotz des Label-Overkills nicht zur Marketingmaschine verkommt.
Die Frage der Fragen lautete: Würde es den Machern von «Sex and The City» gelingen, die HBO-Serie ohne Qualitätsverlust auf die große Leinwand zu bringen? Hier sei schon mal gesagt, dass es ihnen tatsächlich gelungen ist. Wer hinter «Sex and The City - Der Film» eine tumbe, 135-minütige Orgie der Verschwendungssucht erwartet, liegt falsch. Gut, ein bisschen ist es schon wie in Bacchus' Garten, nur dass es neben Wein und Weib statt Gesang Manolo Blaniks und Jimmy Choos (für die weniger Modeaffinen, die Rede ist von Schuhen) im Überfluss gibt. Klar geht es um Sex, Spaß und Shoppen, doch die Gratwanderung zwischen Glamour-Spektakel und plausibler Rahmenhandlung gelingt trotzdem. Neben der oberflächlichen Marken-Schlacht geht es wie immer um die Probleme der vier Hauptdarstellerinnen Carrie, Miranda, Charlotte und Samantha. Und die sind alles andere als wirklichkeitsfremd.
Die zahme Variante der «Feuchtgebiete»-ThematikDas Älterwerden macht den vier ruhelosen Wahl-New Yorkerinnen ganz schön zu schaffen. Die ehemaligen Mitdreißigerninnen sind inzwischen alle
fourtysomethings, die um einiges selbstkritischer geworden sind - mit Anfang Vierzig sind Marathon-Partys und One Night Stands eben einfach nicht mehr genug, um ein Leben mit Sinn zu füllen. Doch keine Angst, hier wird nicht krampfhaft die amerikanische Moral-Peitsche geschwungen. Es gibt sie trotzdem noch, die altbekannten kreischend komischen Momente. Beispielsweise, wenn die brav-konservative Charlotte sich im Urlaub in die Designerhose «poo(ugh)keepsied» («Poughkeepsie» ist ein Ort im Bundesstaat New York; «to poop» steht für engl. «scheißen»). Ein recht gewagter Fauxpas, zumindest für amerikanische Verhältnisse, und die Steigerung des Urin-Aufregers zu Serienzeiten. Man erinnere sich an Carries Kolumne zum Thema «To pee or not to pee» - sozusagen die zahme Variante der «Feuchtgebiete»-Thematik.
Grob zur Rahmenhandlung: Sarah Jessica Parker alias Carrie und Chris Noth alias Mr. Big wollen nach über zehn Jahren On-Off-Beziehung endlich den Bund fürs Leben schließen. Das geht natürlich nicht so ohne weiteres über die Bühne, und schließlich steht eine am Boden zerstörte Carrie da, wo sie auch schon nach Liebes-Desastern mit dem trotteligen Innenarchitekten Aidan Shaw oder dem ältlichen Künstler Aleksandr Petrovsky stand - allein, verlassen, doch die Freundinnen werden die verletzte Seele schon wieder aufpäppeln.
Hedonisimus bis zum Abwinken - Was denn sonst?!Die Kritik, der Film verkomme zur Marketing-Maschine, stimmt nur bedingt. Wie schon in der Serie werden auch in der Großleinwandversion zahlreiche Produkte wohlwollend erwähnt - vom Chanel-Fummel über das iPhone oder die jüngste It-Bag aus dem Hause Louis Vuitton. Doch das ist Teil des Spaßes und wird vom getreuen Fan geradezu erwartet. Die ständig wechselnde Garderobe ist das Machwerk der New Yorker Starstylistin Patricia Field, die Carrie und Co bereits zu Serienzeiten ausstaffierte. Diese geniale Frau sieht Mode genau so, wie man sie sehen sollte, nämlich mit Ironie. Als Ausgeburt derer greift Field zu Eiffelturmtaschen, übergroßen Sonnenhüte und XXL-Ansteckblumen. Doch egal, wie grotesk die Kreation, die Field ihren Darstellerinnen an den Leib hängt, die Sachen werden garantiert zum Kult. Wer das nicht mit Humor nimmt, ist selbst Schuld! Zu bedauern sind allerhöchstens jene
fashion victims, die den ganzen Zirkus mitmachen.
Konsumfixierung und Hedonisimus bis zum Abwinken - Was denn sonst?! Genau das ist es doch, wofür die Serie aus der Feder von Autorin Candace Bushnell geliebt wird. Und was ist Kino, wenn nicht eben genau diese kleine Realitätsflucht zwischendurch? Wer das nicht schnallt, ist höchstwahrscheinlich a) männlich, b) frei von Humor oder hat c) das Prinzip «Sex and The City» schlichtweg nicht verstanden. Und ist es nicht überhaupt so, dass Medienhype und negative Presse die Kinosäle eher füllen als die Zuschauer vertreiben? Wer führt hier also wen an der Nase herum?
Wie waren diverse Medien darauf erpicht, bereits im Vorfeld möglichst viele spannende Details zu verraten. Die positive Überraschung - viele der sogenannten Internet-Spoiler erweisen sich als falsch und schlichtweg erfunden. Um Ihre Nerven zu schonen, sei hier schon mal eine klitzekleine Kleinigkeit verraten: Weder Mr. Big noch sonst ein Charakter muss sterben, wie in zahlreichen Blogs und Foren zu lesen war, zumindest nicht im körperlichen Sinne. Kann jedes Ende, ob physischer oder geistiger Natur, doch auch einen Neuanfang bedeuten.
Die ewig be-high-heelte GroßstadtamazoneBleibt vielleicht noch das realitätsferne Bild zu erwähnen, das der Zuschauer von New Yorker Frauen erhält. Es geht hier zwar nicht um irgendeine Stadt, sonderm um
The City, aber in Manhattan balanciert trotzdem nicht jede zweite Frau in schwindelerregend hohen Higheels durch die Straßenschluchten. Selbst die vornehmsten Park-Avenue-Prinzessinnen springen in Bequemtretern aus dem
yellow cab und quetschen ihre manikürten Zehen erst wenige Meter vor dem Businesss-Lunch in die Hackenschuhe. Doch dieses Klischee ist verzeihlich, gehört die ewig be-high-heelte Großstadtamazone doch ebenso zu «Sex and The City» wie Cosmopolitan-Cocktails oder die obligatorische Sex-Kolumne.
«Sex and The City - Der Film» - Trailer: