15. Mai 2008 15:54
Das Jugenddrama «Paranoid Park» ist das jüngste Werk von Arthouse-Meister Gus Van Sant. Ein Film, in dem selbst ein einfaches Wetterleuchten als visueller Leckerbissen inszeniert wird, meint
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Doch Teenager Alex (Newcomer Gabe Nevin) und sein Freund fahren trotzdem hin. Besonders Alex ist gleich fasziniert von der Aura des Verbotenen, die dieser Ort ausstrahlt. So fasziniert, dass er dorthin allein in einer Nacht zurückkehrt. Was dann geschieht, wird zu Beginn des Films jedoch nur unscharf beleuchtet. Als Alex erfährt, dass auf dem Gelände ein Wachmann verunglückt ist, gerät seine Welt völlig aus dem Gleichgewicht und ihn beschleicht eine seltsame Ahnung, dass er die Schuld an dem Unfalltod trägt. Statt jedoch mit seinen Eltern, Kumpels oder Freundin Jennifer darüber zu reden, zieht er sich mehr und mehr zurück. Einzig die burschikose Macy merkt, dass etwas nicht stimmt. «Wenn etwas passiert, das du niemandem erzählen kannst, dann schreib' einen Brief. Es fühlt sich gut an, alles rauszulassen», rät sie. Und das tut Alex dann auch.
Auf dem Weg zur Verarbeitung jener mysteriösen Nacht treibt er hilf- und haltlos durch eine Welt, in der Erwachsene nur als Schattenwesen existieren. Bruchstückhaft wird das Geschehene rekonstruiert, kurz vor der endgültigen Auflösung verschwimmt es jedoch erneut.
In Super-8 und 35-mm-Format gedreht, hat «Paranoid Park» eine wunderbar grobkörnige Ästhetik, die an frühe Skate- und Musikvideos erinnert. Ein Genre mit dem Regisseur Van Sant bereits Erfahrung hat - schließlich drehte er bereits Videos für Künstler wie David Bowie oder die Red Hot Chili Peppers. Und auch Kameramann Christopher Doyle («Das Mädchen aus dem Wasser») versteht es in jeder Sekunde, sein Handwerk richtig einzusetzen. Atmosphärische Zeitlupenaufnahmen, wunderschöne Hell-Dunkel-Effekte, selbst ein einfaches Wetterleuchten wird zum visuellen Meisterwerk inszeniert. Überhaupt sind es die einfachen Dinge, von denen «Paranoid Park» lebt. Ein Film, der ohne Effekte und fast ohne Worte auskommt - und in seiner Gedämpftheit nicht selten wirkt, als würde man in ein mit Menschen gefülltes Aquarium schauen.Was seine Laiendarsteller angeht, ist Van Sant ebenfalls «low key» geblieben. Ganz modern rekrutierte er sie via Myspace. Vielleicht ist es gerade eben jene fehlende Routine, der Hauptdarsteller Gabe Nevins die verträumt-verletzliche Aura verdankt. Und auch der Charakter seiner nevigen Freundin Jennifer (Taylor Momsen), die eigentlich nur mit ihm zusammen ist, um möglichst schnell ihre Unschuld zu verlieren, wirkt überaus authentisch.
Van Sant gelingt es meisterhaft, Abstraktes auf Film zu bannen. Wie so oft in seinen Arbeiten, steht nicht die Handlung im Mittelpunkt, sondern ist der Weg das Ziel. Fazit: Der Großmeister des Arthouse-Kinos bleibt sich auch in seinem jüngsten Werk in jeder Szene treu.
«Paranoid Park» - Der Trailer: