Der digitale Charme des Detektiv Rockford
03.08.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Detektiv Rockford ist vor allem auch jene pfiffige Titelmusik, die im Hinterhirn eine eigene kleine Jukebox besetzt hält: Aus dem Speicher der Erinnerungen kullert der Groschen in den Schlitz, und los geht's. Detektiv Rockford, wenn man sich mal sammelt und das Erinnerte betrachtet, Detektiv Rockford ist im Grunde der Vorspann von Detektiv Rockford.
Und das ist auch gut so. Denn wenn man sich an jene fernen Tage erinnert, da man noch Glotze glotzte und ihr einigermaßen ausgeliefert war, dieser mächtigen Bewusstseinsverschlierungsmaschine, dann tut man es mit einem Seufzer der Erleichterung: Es war ein langer Weg, bis man halbwegs resistent wurde gegen den ewigen, vielfachen Strom des Pseudogeschehens, gegen das ständige Anreißen und Zerhacken von Emotion und Interesse, das unser Zappapparat uns allabendlich bot.
Wie viel sinnvoller er sich mittlerweile einsetzen lässt, da er nurmehr im Wohnzimmer schlummert! Programm braucht man keines. Nachrichten, die sich minütlich selbst übertölpeln. Journalisten, die sich gegenseitig interviewen. Talkshowstammgäste, die so merkwürdig in die Ferne starren, während sie im allgemeinen Gerede auf das Schlagwort warten, bei dem sie jetzt als nächstes Mal einhaken und ihr Eigengewäsch absondern wollen. Fernsehserien, in denen niemand mehr zu Fuß vom Haus zum Auto geht, es sei denn, eines von beiden explodiert gleich.
Man braucht das alles nicht. Was man braucht, ist eine DVD dann und wann. Manchmal soll es ja noch gute Filme geben. Einen wie Detektiv Rockford, den würde man sich ja im Fernsehen, die Macht in der Hand, gar nicht anschauen: zu hanebüchen die Geschichten, zu hölzern und schlecht beleuchtet das Gespielte, zu langwierig die Verfolgungsjagden, zu sehr in Frage gestellt durch die Schnitte der Werbung. Nee, also, da zappte man durch, kurz blitzte ein nostalgischer Mundwinkel hoch - und dann landete man doch wieder bei irgendwelchem Sportsender-Billard oder, mit Glück, am Fensterbrett mit einem Weinchen.
Perfekter kann ein Abend kaum sein: Im Fernseher düdelt alle halbe Stunde die Rockford-Hymne, die Leute gehen über die Parkplätze auf ihre Autos zu, die Leute erkennen in ihren Rückspiegeln, dass sie von roten Chevrolet-Cabrios verfolgt werden, dann und wann rutscht eine Nachtclubtänzerin strahlend und glitzernd in den Spagat - Herr, lass alles wieder so harmlos werden, auf dass wir beim Fernsehen mal entspannen können! Rockford wirft Münzen in Telefonautomaten, Rockford chargiert sich in mieser Tarnung in die Millionärsvilla hinein, Rockford schüttelt vor Schmerzen die Hand, mit der er den Bösewicht soeben niedergeschlagen hat. Ungeschnitten, unzerworben, befreit von allem Handlungsdruck für uns, die wir mit dem Weinchen am Fensterbrett sitzen. Dann und wann hinschauen, dann wieder schwätzen, dann uns nur kurz unterbrechen, weil wir mitpfeifen müssen. Die Detektiv-Rockford-DVD ist uns ein wertvolles Gut, denn sie beschert uns das Ambient-TV, sie erfindet uns die Glotze neu: als eine Erinnerung ans Fernsehen.
«Detektiv Rockford - Anruf genügt» - Die erste Hälfte der ersten Staffel ist bei Universal auf vier DVDs erschienen.

