Nicht allein im Fahrstuhl: von Triers «Geister»
Für seine seltsamen wie großartigen Episoden verarbeitete von Trier Elemente aus Seifenopern und Krankenhausserien, spielte mit den gängigen Serienklischees und versetzte das alles mit viel Grusel und einem brutal sarkastischen Humor. «The Kingdom Hospital der Geister» gehört ohne Zweifel in den Serien-Olymp wie David Lynchs revolutionäres «Twin Peaks» oder Alan Balls außergewöhnliches «Six Feet Under».
Was den Ton anbelangt, werden sich Zuschauer der Synchronfassung sicherlich etwas daran stören, dass mit dieser DVD-Box in Deutschland erstmals die komplette, ungeschnittene Serie veröffentlicht wurde. Denn die nachträglich eingefügten, bisweilen nur sehr kurzen Szenen und Einstellungen wurden nicht nachsynchroniert, was bedeutet, dass die Sprache von einem Moment zum nächsten von Deutsch auf untertiteltes Dänisch umspringen kann. Ansonsten bieten die DVDs einen wenig aufregenden Stereoton, der aber immer klar verständlich aus den Boxen dräut. Auf gruselige Surroundeffekte oder einen starken Basseinsatz wartet man vergeblich.
Die zweite DVD wartet dann mit acht Zeitungswerbespots auf und mit Ernst Hugo Järegard, der sich natürlich wieder köstlich über die Verkommenheit Dänemarks auslassen durfte. Um sich besser im Universum des dänischen Ausnahmeregisseurs zurecht zu finden, kann man sich das 40-minütige Portrait «In Lars von Triers Kingdom» ansehen. Das kurz vor der Premiere von «Dancer in the Dark» entstandene Feature beleuchtet neben «Geister» auf alle seine bis dahin gedrehten Filme wie «Element of Crime» und «Europa», sein Meisterwerk «Breaking the Waves» und die Dogma-95-Bewegung. Er plaudert in einem Interview über den Einfluss Carl Theodor Dreyers, über Musicals und über die Manipulation von Zuschauern. Einmal sieht man den von Flugangst geplagten Regisseur sogar in seinem Wohnmobil.
Udo Kier, der in «Geister» als Baby des Teufels eine im doppelten Sinne große Rolle hat, darf sich in einem eigens für die DVD-Box produzierten Featurette an den Dreh der Serie erinnern. Darin gibt er charmant ein bisschen mit seiner Von-Trier-Zusammenarbeit an und erzählt im semimysteriösen Halbdunkel über die Herausforderung, ein Baby zu spielen. Ansonsten befinden sich auf der vierten DVD noch der Videoclip zur Gothic-rockigen Titelsong «The Shiver» und die Videoclip-Bloopers, die von Triers Tanzkünste und die Patzer beim Videodreh etwas deutlicher zeigen.
Da ein kompletter Audiokommentar wohl Macher und Zuschauer überfordert hätte, werden hier in einigen Folgen und auf allen Discs verteilt ausgewählte Szenen teils durchaus witzig und informativ kommentiert. Allein schon wegen der außergewöhnlichen Serie und den Specials lohnt sich die Anschaffung dieser Box trotz aller technischen Mängel nicht nur für Fans.

