netzeitung.de«Team America»: Fuck, yeah!

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'Team America' (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'Team America'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In der Tradition von «South Park» haben die Regisseure Matt Stone und Trey Parker einen Marionettenfilm zum Thema Amerika als Weltpolizei geschaffen. Und niemanden verschont. Jetzt ist der Film auf DVD erschienen.

Der Film
Ihnen ist nichts heilig. Mit «Team America – World Police» knüpfen Matt Stone und Trey Parker an ihre subversive Zeichentrickserie «South Park» an. Politische Unkorrektheit wird auch in ihrem neuen Film zelebriert. Doch statt animierter, fluchender Drittklässler spielen diesmal ausschließlich Marionetten mit. Und statt die Bigotterien und geistigen Schieflagen der Durchschnittsamerikaner satirisch zu durchleuchten, knöpfen sie sich in der naiven Verkleidung der Augsburger Puppenkiste die USA in ihrer großkotzigen Rolle als Weltpolizist vor - und natürlich George W. Bushs «Krieg gegen den Terror».

Dabei spielen Stone und Parker in «Team America» anfangs noch mit den Erwartungen der Zuschauer. Die ersten Sekunden des Films sehen nicht nach einem Multimillionen- Dollar-Budget aus, sondern vielmehr nach dem Minimalismus der «South Park»-Animationen. Schließlich sieht man zuerst nur eine Marionette, die ungelenk vor einer schlecht gemalten Pariskulisse herumtorkelt. Doch die Kamera fährt zurück und gibt den Blick frei auf ein Puppen-Paris im Mini-Maßstab und einen bis ins Detail sorgfältig ausgestatteten Marionetten-Kosmos.

Darin wütet die Titel gebende Spezialeinheit, die anfangs noch um den Broadway-Star Gary erweitert wird. Statt in einem Musical Songs wie «Everyone has AIDS» zu singen, wird er nun zu größeren Aufgaben berufen. Ein Schauspieler ist schließlich der perfekte Mann, um bei den islamistischen Feinden in Kairo eingeschleust zu werden und die ganze Welt vor der Zerstörung und dem neuen Schurkenstar und Staatsfeind Nummer 1 Kim Jong Il zu retten.

Dabei teilen Stone und Parker an alle Seiten aus und treffen nicht nur die engstirnigen Patrioten. Auch die liberale und friedensengagierte Hollywoodprominenz mit Sean Penn, Tim Robbins, Susan Sarandon werden als Mitglieder der Film Actor's Guild (kurz «F.A.G.») regelrecht hingerichtet.

Ganz nebenbei überhöhen Parker und Stone dann noch lächerliche Action-Klischees, zitieren sich quer durch die Filmgeschichte, zeigen, wie Marionettensex in verschiedensten Stellungen aussieht und unterbrechen die Handlung wie in «South Park – der Film» immer wieder durch Musicaleinlagen - vorzugsweise solche, in denen sie Ben Affleck beschimpfen oder Pathoshymnen wie «Freedom Isn’t Free» singen lassen. Team America? Fuck, yeah!

Die DVDs
Das aufwändige Puppentheater überzeugt mit ziemlich guter Bildqualität: Es sind weder Verschmutzungen noch Artefakte oder Bildrauschen auszumachen, und die bunten Miniatursets scheinen in kräftigen Farben. Einziger Schwachpunkt ist, dass die Bilder vor allem in den unzähligen Details doch etwas schärfer sein könnten.

Obwohl es sich bei «Team America» um einen Marionettenfilm handelt, gibt es darin mehr Surroundeffekte als in vielen Actionblockbustern. Von bombastischen Explosionen bis hin zu einfachen Schießereien sind die Effekte sehr gut abgemischt und fordern den Subwoofer zu starkem Bassdröhnen heraus. Auch die Musik bei den vielen Musicaleinlagen entwickelt einen guten räumlichen Klang. Sowohl auf deutsch und türkisch, als auch der viel witzigeren englischen Originalfassung liegt der Film in DD 5.1 vor und kann bei Bedarf auch deutsch untertitelt werden.

Die Specials
Gerade bei einem so ungewöhnlichen Werk wie «Team America» ist ein Making-Of jenseits aller üblichen PR-Plappereien besonders interessant – und das findet man auch in aller Ausführlichkeit unter den Specials. Zunächst gibt es eine Einführung in den Puppenkosmos von Stone und Parker («Wir hassen alle Schauspieler!»). Dann folgen sieben Featurettes zwischen zwei und zwölf Minuten, die sich mit verschiedenen Aspekten und dem ungeheuren Ausmaß der Produktion des Films befassen.

Das reicht von der aufwändigen Herstellung der Puppen und der fast 100 Sets über die Actionsequenzen bis hin zur Erschaffung des Bösewichts Kim Jong Il, den Parker und Stone nach eigener Aussage in der Tradition von Cartoonfiguren wie Bugs Bunny oder Elmer Fudd angelegt haben. Ergänzt wird das sehenswerte Bonuspaket dann noch durch sechs Minuten mit entfernten und erweiterten Szenen, mäßig interessanten, animierten Storyboards und zwei Trailern zum Film.