netzeitung.deAbseits von Disney: «Das große Rennen von Belleville»

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'Das Rennen von Belleville' (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'Das Rennen von Belleville'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Aufregender Zeichentrick weder aus Japan noch von Disney, sondern aus Frankreich. «Das große Rennen von Belleville» erzählt eine absonderliche Geschichte mit grotesken Figuren.

Der Film
Nach den Miyazaki-Filmen aus Japan kommt jetzt auch aus Europa großes Animationskino, das mit der Niedlichkeit und Formelhaftigkeit von Disney nichts gemein hat. «Das große Rennen von Belleville» erzählt eine seltsame Geschichte in einem seltsam-nostalgischen Comic-Kosmos – ohne Worte, mit revue-hafter Musik und Comic-Geräuschen.

Der Film erzählt die Geschichte der alten, klumpfüßigen Madame Souza, die ihren blässlichen Enkel mit den Jahren zu einem abgemagerten Radprofi mit aufgepumpten Riesenwaden trainiert hat. Als er eines Tages an der Tour de France teilnimmt, wird er gekidnappt und nach Belleville verschleppt, wo er für privat-mafiöse Wettspielchen herhalten muss.

Regisseur Sylvain Chomet hat mit extremen Überzeichnungen der Figuren einen expressiven Film im Stile klassischer Cartoons geschaffen. Vollgestopft mit witzigen Details und sarkastischen Kommentaren erradelt sich das Oscar-nominierte «große Rennen von Belleville» so den Rang befremdlicher Außergewöhnlichkeit.

Die DVD
Wie bei einem neuen Animationsfilm zu erwarten, bietet die DVD eine sehr gute Bildqualität. Die Bilder sind rauschfrei, der Kontrast ist angemessen und auch sonst sieht man keinerlei Verschmutzungen. Gerade aber bei diesem an Details überquellendem Film hätte die Detailschärfe etwas stärker ausfallen können.

Der Ton, der auf Deutsch und Französisch in DD 5.1 (auf Deutsch auch noch als Stereoton) vorliegt, hat mit vorbeirasenden Zügen, Hupen, Regen und Froschquaken viele kleine, atmosphärische Surround-Effekte zu bieten. Doch insgesamt werden die hinteren Lautsprecher auch beim turbulenten Ende leider zu wenig gefordert. Für die wenigen Dialoge hat man die Möglichkeit sich deutsche Untertitel dazu zu schalten.

Das Menü ist durchgehend animiert und sehr liebevoll gestaltet. In Sepiafarben und unter anderem zu dem Oscar-nominierten Song «Les Triplettes de Belleville» radeln die Figuren im Hintergrund durchs Bild oder schweben an den Speichen eines großen Rads entlang.

Die Specials
Das Making-Of dauert zwar nur 15 Minuten, bietet mit einer Mischung aus Interviews, Filmausschnitten und Hinter-den-Kulissen-Material aber recht interessante Einblicke in die Entstehung des Films: Chomet sitzt darin am Zeichnertisch und erklärt etwa die tricktechnische Umsetzung der turbulenten Ozean-Sequenz oder den Einsatz von 3D-Technik. Der Komponist erzählt, wie er bestimmte Geräusche erzeugt hat, und die Zeichner erläutern die Bewegungen der Figuren und den Stil des Films.

Ein durchgängiger Audiokommentar wurde leider nicht aufgenommen. Stattdessen gibt ein paar sehr informativ kommentierte Szenen, die allerdings das Interesse an mehr Hintergrundinfos wecken. Die bekommt man auf der DVD noch in einem fünfminütigen Zeichenkurs mit Chomet und einem 16 Minuten langen Interview. Ansonsten setzt sich das Bonuspaket noch aus vielen Kleinigkeiten zusammen: Es gibt einen Trailer, ein Musikvideo zum «Les Triplettes de Belleville»-Song und eine mäßig aufregende Fotogalerie.