«In This World»: Die Flucht in den Container
Michael Winterbottom, der wohl experimentierfreudigste britische Regisseur, der sich genauso an kargen Literaturverfilmungen wie an stilisierten Liebesgeschichten erfolgreich versucht hat, verleiht mit dem vorjährigen Berlinale-Gewinner «In this world» diesen Gesichtern Konturen. Er erzählt die Geschichte einer solchen Flucht, wie sie sich jedes Jahr millionenfach ereignet. Er begleitet die afghanischen Cousins Jamal und Enayatullah auf ihrem beschwerlichen und gefährlichen Weg, der sie von einem Flüchtlingslager im pakistanischen Peschawar, über den Iran, den Irak und von der Türkei in einen Frachtcontainer gepfercht auf einer Fähre nach London führen soll.
Winterbottoms mit Digitalkamera an Originalschauplätzen gedrehter Film überschreitet dabei Grenzen im doppelten Sinne. «In This World» hebt die Grenze zwischen Spiel- und Dokumentarfilm auf. Beide Hauptdarsteller wurden in Peschawar gecastet und spielen sich durch ein filmisches Schicksal, das auch ihr eigenes hätte sein können. Alles, was sie auf ihrer Flucht sehen, haben sie, die vorher nie andere Länder besucht haben, auch in der Realität zum ersten Mal gesehen. Dass sie nach ihrer Ankunft in England und dem Abschluss der Dreharbeiten wieder zurück nach Pakistan mussten, wirft dabei durchaus die Frage der Verantwortung von Filmemachern gegenüber Beteiligten auf.
Auch wenn der Film zu Beginn ins Pädagogische kippt und Winterbottom in einigen Szenen vollkommen unnötig seine authentischen Bilder mit getragen-pathetischen Streicherklängen kollidieren lässt, fällt in Anbetracht seines Engagements und seiner Couragiertheit nicht so ins Gewicht. Vielmehr konfrontiert er sein Publikum mit drastischen Momenten und hinterlässt Fassungslosigkeit.
Wie sehr sich hier Realität und Fiktion tatsächlich vermischen, lässt auch die Tatsache erkennen, dass sich Jamal nach Abschluss der Dreharbeiten auf eigene Verantwortung nochmals auf den Weg nach London gemacht hat und dort seitdem als Flüchtling lebt.
Allerdings ist die deutsche Version, bei der man zwischen den Tonformaten DD 5.1, DTS und DD 2.0 wählen kann, nicht besonders empfehlenswert. Denn statt einer Synchronisation wird wie im Film auch hier der dokumentarische Charakter betont: Die Übersetzung wird von nur einem Sprecher über die Originaltonspur gesprochen.
Das Menü ist fast durchweg animiert und zeigt, während im Hintergrund Szenen aus dem Film laufen, die verschiedenen Menüpunkte als Stationen auf einer Landkarte.

