«Lilja 4-Ever»: Von der Hölle in die Hölle
Dafür begibt er sich zunächst an den Rand einer russischen Großstadt, wo Armut und Verelendung kaum zu ertragende Ausmaße angenommen haben. Hier lebt die 16-jährige Lilja zusammen mit ihrer Mutter, die sich allerdings bald mit dem leeren Versprechen, Lilja so schnell wie möglich nach zu holen, nach Amerika absetzt.
Als Lilja eines Tages einen jungen Mann kennenlernt, scheint das Glück plötzlich greifbar. Er verspricht, sie mit nach Schweden zu nehmen und dort eine Existenz mit ihr aufzubauen. Doch wird dort alles noch viel schlimmer: Lilja wird in eine Plattenbauwohnung gesperrt, erniedrigt, geschlagen und darf nur hinaus, um Freier zu bedienen. Schon nach kurzer Zeit bleibt ihr nur noch eine Möglichkeit, dieser Hölle zu entkommen.
Dass der Film am Schluss in eine Art poetischen Realismus umschlägt, der Lilja als Engel mit weißen Flügelchen und in Freiheit zeigt, ist viel weniger Kitsch als eine Erlösung und der einzig mögliche Ausweg. «Lilja 4-Ever» mutet seinem Publikum eigentlich viel zu viel zu, doch gerade deshalb ist Moodyssons drastisches, dokumentarisches Werk einer der besten Filme des Jahres.
Dafür, dass es in «Lilja 4-Ever» eigentlich gar keine Surround-Effekte gibt und sich nur die traurige Filmmusik oder Rammsteins hämmerndes «Mein Herz brennt» in den hinteren Lautsprecher ausbreiten, ist der Aufwand, den Sunfilm mit dem Ton betrieben hat, eigentlich verwunderlich. Bei der russisch-englisch-schwedischen Version kann man zwischen zwei Tonformaten (DD 5.1 und Dolby Surround), bei der deutschen Synchronfassung zwischen DD 5.1, DTS oder Dolby wählen. Ein einfacher Stereoton hätte da eigentlich völlig ausgereicht. Die Originalfassung kann man optional deutsch untertiteln.
Das Menü auf der ersten Disc der Doppel-DVD-Special-Edition ist komplett animiert. Die Ausschnitte mit der verzweifelt wegrennenden Lilja sind wieder mit dem Rammstein-Song unterlegt.
Herzstück der Bonus-Disc ist aber ein 94 Minuten langes Interview mit dem Regisseur, das während des London Film Festivals im «National Film Theatre» geführt wurde. Darin spricht der Schwede über seinen Weg zum Film und einen Skandal beim Schwedischen Filmpreis, seine bisherigen Regiearbeiten wie «Raus aus Amal» und natürlich «Lilja 4-Ever». Weitere Einblicke in die Entstehung des Films anhand eines Making-Ofs oder Interviews mit den Darstellern findet man hier aber leider nicht. Stattdessen komplettieren ein Trailer und eine Fotogalerie mit Bildern aus dem Film das Bonusmaterial.

